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zwischenrufe oder ohrfeigen?

Kaum jemand dürfte die Entwicklungen in den USA in den letzten Amtstagen Donald Trumps teilnahmslos verfolgt haben. Trumps aufwiegelnde Statements, die verletzte Eitelkeit eines Egomanen und der Starrsinn des alten Mannes, schließlich der Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol haben bei intensiven Beobachtern die ganze Gefühls­palette von Mitleid, Fassungslosigkeit bis Entsetzen aktiviert. Selbst bei Menschen, die sich eher als unpolitisch … Mehr lesen

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eine verlorene utopie

An manche Sportereignisse erinnere ich mich äußerst gerne. Meist sind es die fast immer schicksalhaften Spiele meines schwarz-gelb bekittelten Heimatvereins. Große Spiele mitunter, große Siege, große Spieler, große Tradition, aber auch ebenso große Niederlagen, Pleiten, Pech und Pannen – das gehört zum Leben als „Sportsfreund“ und begleitet einen eben durch die Zeit, den Dortmunder genauso wie die Bayerin, den Schalker … Mehr lesen

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39° 8‘ 4,6‘‘ N , 26° 30‘ 12,6‘‘ O

Die geographischen Koordinaten des Flüchtlingslagers Moria nahe Mytileni auf der griechischen Insel Lesbos geben nicht preis, dass dies der Ort ist, an dem die europäische – und damit die deutsche – Flüchtlingspolitik an einem Tiefpunkt angekommen ist. Das „Erstaufnahmelager“ bei Moria wurde 2014 eingerichtet. Im Zuge der Fluchtwelle 2015 wurde das Lager, das von der griechischen Polizei und der UN-Flüchtlingsagentur … Mehr lesen

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die augen

Und dann sind da noch zwei Augen. Sie blicken über den Rand des blauen Tuchs, das die untere Gesichtshälfte mit Nase und Mund bedeckt, weit geöffnet in die Welt. Gerahmt von Augenlidern mit Wimpern und Augenbrauen erkenne ich im weißen Augapfel mit der graugrüngelb schillernden Iris die kreisrunde schwarze Pupille. Ich kann mir den passenden Mund und die Nase dazu … Mehr lesen

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wippe und kreuz

Mit der nationalstaatlichen Symbolik hat sich die Bundesrepublik immer schwer getan. Unvergessen, wie man in den frühen 1990er Jahren dem Bundesadler aus dem Bonner Plenarsaal ausgerechnet in der Herzgegend eine ordentliche Materialprobe entnommen hatte, um zu sehen, ob das Tier den Umzug nach Berlin überleben würde. Das Foto, das damals vom herzlosen Adler entstand, der wegen seiner Leibesfülle „Fette Henne“ … Mehr lesen

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das ende der illusion

Die globalisierte Gesellschaft hat trotz ihrer regional unterschiedlich entwickelten Systeme, trotz der im Detail verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Systeme ein gemeinsames Credo: Es ist der Glaube an die Eigengesetzlichkeit von Waren- und Geldströmen, die am besten und am meisten nützen, wenn sie frei fließen. Diese bei genauerem Hinsehen anachronistische „Säftelehre“, die auf der irregulären Vorstellung der Welt als eines sich … Mehr lesen

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haus der verlierer

Als das Bundesinnenministerium im November letzten Jahres den Gründungsdirektor der neugegründeten Stiftung Bauakademie in Berlin bekanntgab, erhob sich bei einem Teil des künftigen Klientels Widerspruch. In einem Offenen Brief, den inzwischen über 600 Architekten, Architekturhistoriker und -theoretiker, Kuratoren und Journalisten unterzeichnet haben, wurden das Verfahren und die Person des ausgewählten Akademiedirektors kritisiert. Zur Zielscheibe ist vor allem die Person des … Mehr lesen

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mit hirn und hand

Ein postumes Gespräch mit Walter Gropius Andreas Denk: Herr Gropius, hundert Jahre nach der Gründung des Bauhauses in Weimar und 50 Jahre nach Ihrem Ableben hat sich die Entwicklung unserer Gesellschaft in einem Maß beschleunigt und globalisiert, wie es für Sie damals nicht absehbar war. Wie beurteilen Sie die jetzige Situation? Walter Gropius: Die Idee der heutigen Welt ist schon … Mehr lesen

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an ihren taten sollt ihr sie erkennen…

Im September 2019 hat der Bundesvorstand des BDA in Dortmund ein neues Präsidium gewählt: Erstmals in der Geschichte des BDA ist mit Susanne Wartzeck aus Dipperz in der Rhön eine Frau an der Spitze des Bundes. Mit ihrer Wahl endete die Amtszeit von Heiner Farwick, der nach sechs Jahren nicht wiedergewählt werden konnte. Mit ihm scheiden auch der Vizepräsident, Kai … Mehr lesen

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rechte räume und linker populismus

Die belgische Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe spricht sich seit längerem dafür aus, dass die politische Linke ihre Ziele mit einer anderen Rhetorik deutlich machen müsse. Gegen den Populismus von rechts, aber auch gegen eine konservative Oligarchie, die demokratische und ökologische Weiterentwicklungen blockiere, müssten linke Positionen konfrontativ vorgebracht werden. Ob Mouffes Idee, Gleiches mit Gleichem zu beantworten, im politischen Diskurs Deutschlands Aufnahme … Mehr lesen