kritischer raum

Edelstein im Lotus

O16, Übernachtungsstätte für Obdachlose, Frankfurt / Main, von Michel Müller, Studio MC, Darmstadt, 2017 Der Frankfurter Ostpark liegt in einem trockengelegten Altarm des Main im Ostend. Der Park erstreckt sich zwischen dem langgezogenen Prallhang des Röderbergs im Westen und dem breiten Gleisbett der Bahnlinie Frankfurt-Hanau im Süden. Neben den Gleisen befand sich schon seit Jahrzehnten, zunächst in Zelten, dann in mehreren Containern, eine … Mehr lesen

Obdachlosigkeit in der Stadt

Mittendrin außen vor

Obdachlosigkeit ist fester Teil der urbanen Realität, die sich Tag für Tag und in den Herzen der Städte abspielt. In Diskursen von Architektur und Stadt ist das Thema jedoch unterrepräsentiert – dass Menschen auf der Straße leben müssen, wird weitgehend als bedauerlicher, jedoch unüberwindbarer Umstand angesehen. Außerdem fehlt es an Wissen über die Lebensrealitäten obdachloser Menschen und ihre spezifischen Bedürfnisse … Mehr lesen

Volker Busch-Geertsema

Housing First

Ein Modell zur Überwindung von Wohnungslosigkeit Housing First ist ein Programmansatz, mit dem Wohnungslose mit komplexen Problemlagen umgehend in abgeschlossenen und dauerhaften Individualwohnraum gebracht werden, ohne die Bedingung, vorher „Wohnfähigkeit” erlangt zu haben oder abstinent zu leben. Der Bezug einer eigenen Wohnung mit Bleibeperspektive steht hier am Anfang und nicht – wie vielerorts üblich – am Ende einer „Hilfekette“. Wohnbegleitende … Mehr lesen

Architekturfilmreihe „Traumhäuser“

Wie im Fernsehen

Wenn Architektur in den Populärmedien betrachtet wird, nehmen Architektinnen und Fachjournalisten dies meist ambivalent wahr. Das veranschaulicht etwa die Netflix-Serie „Die außergewöhnlichsten Häuser der Welt“, in der ausschließlich schrille Luxusvillen portraitiert werden, die sich hochvermögende Bauherren mitten im Nirgendwo errichten lassen. Mit zeitgemäßen Wohnformen und nachhaltiger Lebensweise hat dies meist wenig zu tun. Die Architekturfilmreihe „Traumhäuser“, die nun im Bayerischen … Mehr lesen

Buch der Woche: Boden für alle

Zwischen Renditeobjekt und Allmende

Wohnen wird immer teurer – seit Jahren, ja, seit Jahrzehnten. Zwei Binsen zum Einstieg. Soweit die Zahlen vorliegen, scheint noch nicht einmal die sonst so vieles auf unheilvolle Weise aus den Angeln hebende Pandemie daran etwas zu ändern. Ein Grund für diese fortwährende Preisspirale, da sind sich erstaunlich viele Akteure einig, ist unser Umgang mit dem Boden. Allein zwischen 2015 … Mehr lesen

Buch der Woche: Positionen zur IBA_Wien 2022

Neues soziales Wohnen

In den vergangenen zehn Jahren nahm der Druck auf die Wohnungsmärkte europäischer Metropolen rasant zu. Die Rückbesinnung auf die Innenstadt, günstige Zinsen und internationales Kapital veränderten für viele Menschen die Ausgangsbedingungen bei der Wohnstandortwahl grundlegend. Das ging mit einer zunehmenden Verdrängung einkommensschwacher Haushalte, steigenden Bodenpreisen und immer deutlicheren Segregationstendenzen einher. Mit dieser Lage konfrontiert, rückte das Wiener Modell mit einer … Mehr lesen

Buch der Woche: Venezianische Wohnkultur der Renaissance

Leben mit Palladio

Das Buch von Antonio Foscari füllt eine Lücke. Die enorme Bedeutung und Wertschätzung, die der vicentinische Architekt Andrea Palladio nicht nur bei Architekten und Kunsthistorikern seit dem 19. Jahrhundert genießt, können wahrscheinlich gerade noch Schinkel, Mies oder Kahn auf sich vereinigen. Wahrscheinlich zu Recht: Auch jenseits der gebauten Form ist Palladio – mindestens genauso wie Schinkel – ein „Veredler aller … Mehr lesen

Buch der Woche: Gender im Design

Nicht mein Ding!

„Gender Studies, Gender Pay Gap, Gender-Sternchen, Gender Mainstream… und jetzt auch noch Design? ‚Nicht mein Ding!‘, könnte man antworten – weitaus förderlicher ist es dagegen, in einen Dialog über einen Gegenstand zu treten, der uns alle persönlich betrifft“, schreibt Katharina Kurz in der Einleitung zu der gemeinsam mit Pia Jerger und dem HfG-Archiv Ulm herausgegebenen Publikation „Nicht mein Ding – … Mehr lesen

Buch der Woche: Mehr Gerechtigkeit

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wie gut der vielzitierte Markt die unterschiedlichsten Dinge regelt, zeigt sich in Krisen. Wenn Banken, wie 2008, oder Textilgiganten, wie dieser Tage, staatliche Hilfe ersuchen, kann man konstatieren, dass die von wirtschaftsliberalen Playern, wie unter anderen der FDP, stets proklamierte Phrase vom regelnden Markt, nur für Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs gilt und dass es auch dann nur einige wenige Gewinner … Mehr lesen

Gespräch zur Ausstellung „Letters to the Mayor: Berlin" im DAZ

Boden und Gemeinschaft

Der Immobilienmarkt kennt vor allem ein immergleiches Kriterium für die Bewertung von Grundstücken und Gebäuden: „Lage, Lage, Lage“. Um auch den gesellschaftlichen Wert dieser Güter zu taxieren, lädt das Deutsche Architektur Zentrum DAZ am Montag, den 9. Dezember 2019 zu einem Gespräch im Rahmen der Ausstellung „Letters to the Mayor: Berlin”. Dabei vernetzen die Initiatoren einige Architektinnen, die für die … Mehr lesen