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zwei akute fälle von politik

Manchmal ist politisches Handeln nur noch ein Fall für die Satire. So war die Anordnung des nordrhein-westfälischen Bauministeriums Ende August keine Überraschung, dass die Baumhütten zu räumen sind, in denen ein Teil der Waldbesetzer im Hambacher Forst lebt. Sie protestieren hier gegen das Abholzen des Waldes für den weiteren Abbau von Braunkohle durch den Energiekonzern RWE. Überraschend jedoch war die … Mehr lesen

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der briefträger

Die Filme des französischen Regisseurs Jacques Tati werden hierzulande oftmals nur als Humoresken interpretiert. Die schlaksige, mitunter linkisch wirkende Figur des Monsieur Hulot, den der Regisseur stets selber spielte, ließ zu ihrer Entstehungszeit in den 1950er Jahren an Theo Lingen oder Heinz Erhardt denken, spätere Generationen könnten sich an „Mister Bean“ erinnert fühlen. Die Situations- und Slapstickkomik, die Tati seinem … Mehr lesen

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Tre Tempi

In Venedig lässt sich seit vielen Jahren ahnen, vermuten und studieren, wie sich das Image der europäischen Stadt in der Epoche der Globalisierung als imagestarke Marke entwickeln wird. Tatsächlich kommen bis zu 130.000 Besucher täglich in die Stadt, um dieses ästhetische, technische und ökonomische Wunderwerk zu sehen. Dagegen hat die Stadt höchstens 50.000 feste Einwohner. Die Gentrifizierung der Toplagen und … Mehr lesen

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Was s-pricht dageegen?!

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins kann man auch heute noch in kurzer Zeit fast ohne eigenes Zutun viele Bekanntschaften machen. Nur ein paar Meter Weg auf der Davidstraße reichen aus, um 40 neue Freundinnen zu haben, die „eigentlich nur eine Minute reden möchten“ oder wissen wollen, ob man „vielleicht ein paar Minuten mit aufs Zimmer“ ginge. „Was spricht … Mehr lesen

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Freiheit des Wortes

avenidas avenidas y flores flores flores y mujeres avenidas avenidas y mujeres avenidas y flores y mujeres y un admirador Die Worte „Alleen“, „Blumen“, „Frauen“ und „ein Bewunderer“ sind der Inhalt dieses in Spanisch verfassten „konkreten“ Gedichtes von Eugen Gomringer. Es steht an einer Giebelwand der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf. Die Hochschule ist die Nachfolgeinstitution der von der Sozialpolitikerin Alice Salomon … Mehr lesen

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Wer, wenn nicht wir?

Der griechische Philosoph Epikur hat eine interessante Vorstellung vom Leben der Götter entwickelt. Für ihn, der dem atomistischen Materialismus des Demokrit anhing, waren die Götter zwar genauso reale Lebewesen wie für viele andere griechische Philosophen. Im Unterschied zu ihnen jedoch, die fest davon ausgingen, dass die olympische Schar aus kriegerischen oder libidinösen Gründen, aus Eifersucht oder aus Hass in das … Mehr lesen

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Das Fähnlein Fieselschweif

Potsdam, Orangerie im Neuen Garten. Ein spätsommerlicher Sommertag im September. Wahltag beim BDA. Der Präsident wird mit großer Mehrheit bestätigt. Auch die Wahl der Mitglieder des Präsidiums, durch einige neue Kandidaten ergänzt, verspricht Kontinuität und Verstärkung. Zurück zur Tagesordnung. Oder lieber doch nicht? Zehn Minuten Pause. Zeit, darüber nachzudenken, welchen Weg der Wahlbund in den kommenden Jahren gehen wird. Denn … Mehr lesen

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verlust eines hauses

Kann ein Haus ein Freund sein? Wahrscheinlich ist das übertrieben. Vielleicht ist es eine Konstituente im Leben. Vielleicht ein gedanklicher Begleiter. Vielleicht eine Begegnung, die einem immer wieder einfällt. Hennef ist ein kleiner Ort an der Sieg, ein paar Kilometer westlich von Bonn, einige Kilometer mehr südlich von Köln. Nichts Großes, nichts Spektakuläres, ein Ort, der seine Herkunft aus einem … Mehr lesen

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posaunenengel

Seit nicht mehr erinnerbarer Zeit haben Politiker mehr und mehr vermieden, auf die Begründung ihres Handelns hinzuweisen. Sollte es, was wir hoffen, tatsächlich auch von anderen als eigennützigen Motiven geleitet werden, haben sie die Pflicht, über Optionen, Szenarien und mögliche Entwicklungen aufmerksam zu machen, die ihre Politik – das heißt: ihre Planung – begründen sollten. Stattdessen hat sich in der … Mehr lesen

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ritter, tod und teufel

Der deutsch-französische Publizist und Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit sprach neulich bei einer TV-Diskussion wahre Worte. Er sähe in der gegenwärtigen politischen Situation den großen Mangel, dass niemand in der Lage sei, der Emotionalisierung der Politik durch die Rechtspopulisten – nicht nur in der BRD –  entgegenzuwirken. Anstatt das Ideal einer offenen und freien Gesellschaft mit Leidenschaft zu verteidigen, starre man in … Mehr lesen