Theodor-Fischer-Preis 2014 verliehen

Der Nachwuchs forscht

Am 25. Juni wurde im Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte der Theodor-Fischer-Preis 2014 für herausragende Forschungsarbeiten zur Architekturgeschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts an Anke Blümm (Berlin) für ihre Dissertation „Entartete Baukunst? Zum Umgang mit dem Neuen Bauen 1933-1945“ und an Merle Ziegler (Berlin) für ihre Dissertation „Blackbox Architektur. Der Neubau des Bonner Bundeskanzleramtes 1969-1976“ verliehen. Juliane Richter, M.A.(Leipzig), junge Nachwuchswissenschaftlerin und Volontärin der Zeitschrift der architekt, wurde für ihre Magisterarbeit „Experimente im Plattenbau. Innerstädtischer Wohnungsbau in der DDR am Beispiel der Inneren Westvorstadt in Leipzig“ gemeinsam mit Nora Gohlke, M.A. (Leipzig), für die Magisterarbeit „Die Gartenstadt Quasnitz bei Leipzig“, mit dem Theodor-Fischer-Sonderpreis ausgezeichnet.

Theodor Fischer (1862-1938), Stadtplaner, Architekt, Hochschullehrer und Mitbegründer des Deutschen Werkbundes, prägte eine ganze Generation progressiver Architekten. Zu seinen Schülern gehörten unter anderen Paul Bonatz, Richard Riemerschmid, Dominikus Böhm, Ernst May, Erich Mendelsohn, Bruno Taut oder Martin Elsässer. Er hinterließ über 100 ausgeführte Bauten, zu den bekanntesten gehören das Hessische Landesmuseum in Kassel, das Ledigenheim in München und die Paulskirche in Ulm.

Zur Preisverleihung hielt der Preisträger von 2008, Martino Stierli (Zürich), einen Festvortrag. Unter dem Titel „Kannibal und Karneval. Oscar Niemeyers Utopien für Brasília“ brachte er die Spannung zwischen brasilianischer Identitätsfindung und moderner Utopie am Beispiel der Architektur Niemeyers zur Sprache. Der Begriff der Karnevalisierung lässt sich, so Stierlis These, gut auf das Verhältnis von Niemeyers Architektur zur rationalistischen europäischen Moderne anwenden. In drei Kapiteln – Utopie des Territoriums, Utopie des Fortschritts, Utopie einer egalitären, postkolonialen Gesellschaft – spannte er den Bogen von der Gründung der brasilianischen Hauptstadt als Zeichen der Emanzipation von der kolonialen Vorherrschaft der alten Hauptstadt Rio, über Brasília als Stadt des Auto- und Flugzeitalters, bis hin zum Weiterbauen von Brasília durch die Militärdiktatur, die die Monumentalität des Entwurfs Brasílias für eigene Zwecke umdeutete. Außerdem erörterte er die brasilianische Kunstavantgarde, die die Einverleibung der Moderne – als fremdes Kulturgut – in einen genuin brasilianischen kulturellen Diskurs im Sinne der Haltung eines Kannibalen zum Ziel hatte.

Helena Doudova

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