tatort

Früher Dialog

Wieder ist es soweit: Wir suchen ein Bauwerk, das eine besondere Rolle in der Nachkriegs-Architekturgeschichte spielt oder gespielt hat – sei es durch eine besondere Eigenschaft, eine ungewöhnliche Geschichte oder eine spezifische Merkwürdigkeit. Lösungsvorschläge können per Post, Fax oder E-Mail an die Redaktion gesandt werden. Unter den Einsendern der richtigen Antwort verlosen wir ein Exemplar der aktualisierten Ausgabe von Magdalena Drostes „Bauhaus 1919 – 1933“ (siehe der architekt 1/19, S. 12). Einsendeschluss ist der 18. März 2019.

Foto: Euku (Wikimedia /CC BY-SA 3.0)

Die Idee zum „tatort“ entstand durch eine Gruppe von Studenten einer großen Hochschule, die sich in einem religiösen Verein zusammengeschlossen hatten, der schließlich als Bauherr fungierte. Für den Entwurf gewann man einen bekannten Professor für Baukonstruktion an der benachbarten Hochschule und einen seiner Assistenten. Drei Jahre nach der Grundsteinlegung wurde das Gebäude eingeweiht, obwohl ein wichtiges liturgisches Element und der Innenausbau fehlten. Erst sieben Jahre später wurde das Haus fertiggestellt. Es war damals das fünfte seiner Art, das in der Bundesrepublik entstand. Der kubische Bau hat drei Geschosse und mit Hof, Kuppel und Gebetssaal alle Merkmale der für seine Nutzung üblichen, aus den arabischen Ländern stammenden Typologie. Die architektonische Auffassung lässt hingegen deutlich Züge der Moderne und des zeitgenössischen Kirchenbaus erkennen, die durch die Gestaltung der mosaizierten Turmspitze eine heitere Anspielung auf den Ursprung und die Funktion der Bauaufgabe geben. Die Baukosten von 800.000 DM teilten sich 14 Länder, darunter Mali, Indonesien, Malaysia, Persien und mehrere arabische Staaten. Die Stadt, in der das Bauwerk steht, stiftete gerade einmal ein Achtzigstel der Gesamtsumme. Ursprünglich war das Gebäude in Sichtbeton ausgeführt und stellenweise mit Zinkblech verkleidet. Der Gebetssaal fasste zunächst bis zu 180 Personen, nach mehreren Umbauten können im Innern inzwischen 600 Personen Platz finden. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Bau mehrfach restauriert, farbig gefasst und mit anderen Materialien verkleidet. Die Leitung des Trägervereins oblag fast 20 Jahre einem Oppositionspolitiker des letzten demokratisch gewählten Parlaments Syriens, dem im Anschluss an eine Pilgerreise die Wiedereinreise in sein Heimatland verweigert wurde. Er fand in der Bundesrepublik eine neue Heimat, wo er sich für einen Dialog zwischen den Angehörigen seines Glaubens und der deutschen Öffentlichkeit auf allen Ebenen einsetzte. Heute nehmen jede Woche etwa 800 Gläubige aus vielen verschiedenen Ländern am gemeinsamen Gebet und bis zu 2.000 an Festgebeten teil, die in deutscher Sprache mit arabischer Übersetzung gehalten werden. Seit 2012 steht der „tatort“ unter Denkmalschutz.

Der „tatort“ der Ausgabe 6/18 war die Sendeanlage Europe 1 in Felsberg-Berus /Überherrn im Saarland. Den Bau nach einem Entwurf von Jean-François Guédy, der nach dem Einsturz des Daches während der Bauarbeiten 1954 Selbstmord beging, brachte Eugène Freyssinet 1955 zu Ende. Gewinner des Buchpreises ist Oliver Stolzenberg aus Dresden.

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