Heiner Farwick

Im Spannungsfeld

„Unser Haus, die Stadt“ lautet der Titel – und die Botschaft – unseres 10. BDA-Tags, zu dem wir im Lichthof der Leibniz-Universität Hannover zusammen gekommen sind. Der BDA richtet seit zehn Jahren diesen Tag zur baukulturellen und berufspolitischen Willensbildung und zu grundlegenden Fragen von Architektur und Städtebau aus.

Tradition und Zukunftsfähigkeit, die „Homestory“ oder der „Rückzug ins Private“, Klimawandel und Energiewende – das waren einige unserer Themen der vergangenen BDA-Tage. Und immer wieder: die Rückbesinnung auf die Stadt als dynamischem Abbild einer Gesellschaft. Eine Aufforderung zu dieser Rückbesinnung findet sich sehr klar in dem Aphorismus des Tessiner Architekten Luigi Snozzi: „Wenn du baust, so denke an die Stadt.“

Erzählen unsere Städte noch eine Geschichte? Und wenn ja: Welche Geschichte wird jenseits von Zweckmäßigkeit, von Marketingstrategien oder von Rentabilitätsüberlegungen erzählt? Allerorts sind Bauvorhaben zu beobachten, die als Produkt einer phantasielosen Stadtraumbewirtschaftung allenfalls eine „Architektur des Zweckhaften“ hervorbringen. Wo eine „vorhabenbezogene“ Stadtentwicklungsplanung dominiert, die den Druck auf einzelne Areale zum Anlass von Planung nimmt, kommt die Idee von Stadt als komplexem und sensiblem Gesamtwerk zu kurz. Dabei birgt Stadtentwicklung so viel – auch narratives – Potenzial.

Stadtentwicklung als Geisteshaltung, die sich im Bauen manifestiert, kann Selbstdarstellung und Selbstvergewisserung einer Gesellschaft sein: Dann ist sie Vorgriff auf etwas, das in Teilen da ist und etwas Ganzes erst werden soll – das Bild der Stadt.

Foto: Andreas Bormann

Integrative Stadtentwicklungspolitik hat das Ganze im Blick und nutzt die ihr zur Verfügung stehenden Werkzeuge: differenzierte und gestalterisch anspruchsvolle Räume, eine Mischung verschiedener Nutzungen, ein Bekenntnis zu Wandel und Offenheit sowie den aufrichtigen Dialog zwischen Politik, Planern, Bürgern und Investoren.

Gute Stadtentwicklungspolitik hängt wesentlich davon ab, wie sich die stadtplanerischen Instrumente der Planungsämter mit den entwerfenden Kräften der Architekten und Stadtplaner sowie mit den Erwartungen der Bürger und Investoren arrangieren.

Dipl.-Ing. Heiner Farwick (*1961) studierte Architektur und Städtebau am Fachbereich Bauwesen der Universität Dortmund, wo er 1989 diplomierte. Nach Mitarbeit im Architekturbüro Hans Busso von Busse (München) erfolgte 1992 die Gründung des Büros farwick + grote architekten und stadtplaner, Ahaus / Dortmund. Von 2007 bis 2009 war Heiner Farwick kooptiertes Mitglied im BDA-Präsidium, ab 2009 Präsidiumsmitglied, seit 2011 Vizepräsident und seit Dezember 2013 Präsident des BDA.

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