tatort

Schatzkiste

Auch diesmal suchen wir ein Bauwerk, das eine besondere Rolle in der Architekturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt oder gespielt hat – sei es durch eine besondere Eigenschaft, eine ungewöhnliche Geschichte oder eine spezifische Merkwürdigkeit. Lösungsvorschläge können per E-Mail an die Redaktion gesandt werden (redaktion@derarchitektbda.de). Unter den Einsenderinnen und Einsendern der richtigen Antwort verlosen wir ein Buch. Einsendeschluss ist der 16. Januar 2022.

Foto: Maximilian Liesner

Während die ursprüngliche Nutzung des „tatorts“, das innerstädtische Parken, inzwischen besonders von jüngeren Generationen kritisch beäugt wird, entdecken diese ganz andere Qualitäten im Gebäude. Der „tatort“ ist nämlich im höchsten Maße instagrammable. Wirkt die offene Stahlbeton-Skelett-Konstruktion mit weiß gekachelten Brüstungen von außen noch recht unscheinbar, eröffnet sich im Innern ein sakral anmutender Lichthof. Der über die gesamte Gebäudehöhe von fünf Parkdecks reichende Luftraum wird umschlungen von einer doppelgängigen Wendelrampe, die ein- und abfahrende Autos getrennt voneinander leitet. Darüber thront eine Kuppel aus Glasbeton, die von einem zentralen Oberlicht sowie in geometrischem Muster von vielen kleinen, kreisrunden Glasbausteinen durchlöchert wird. Je nach Wetterlage taucht das einfallende Tageslicht den Innenraum in ein mystisches Halbdunkel oder tanzen sonnige Punkte über die Betonrampen. An deren Brüstungen sind elektronische, ebenfalls kreisrunde Leuchten angebracht, die die Sogwirkung der Doppelhelix rhythmisieren. Und so finden sich auf Instagram unter dem Hashtag des Straßennamens, der auch dem Parkhaus dessen Namen verleiht, zahlreiche stimmungsvolle Eindrücke dieses Raums.

Geplant wurde der Bau im historischen Zentrum einer Hansestadt von einem ortsansässigen BDA-Büro. Die Legende besagt, dass der Entwurf des Lichthofs maßgeblich auf einen damaligen Werkstudenten zurückgeht, der wenig später vor Ort zusammen mit seinem Partner ein eigenes Büro gründete, sogleich einen großen Wettbewerb gewann und heute international tätig ist.

Aktuell ist der „tatort“ Gegenstand gegensätzlicher Überlegungen. Während die Stadtentwicklungsbehörde über einen Abriss nachdenkt, um in dieser innerstädtischen Lage einen Neubau für zeitgemäßere Nutzungen errichten zu können, plädiert der örtliche Denkmalverein für eine Unterschutzstellung als Denkmal für die Verkehrsgeschichte der Wirtschaftswunderzeit. Es handele sich um das bemerkenswerteste Parkhaus der Stadt, da es neben seiner architektonischen Qualität auch vollständig – inklusive Tankstelle, Werkstatt und Waschanlage – erhalten sei. Lediglich die einstmals freie Parkfläche auf dem Dach ist inzwischen um ein Bürogeschoss aufgestockt worden. Ein solches Weiterbauen schlägt auch der Denkmalverein vor, um das Park- beispielsweise zum Wohnhaus umzunutzen, ohne es abreißen zu müssen. Nach welcher Straße ist der „tatort“ benannt, welches Büro hat ihn wann gebaut und – Bonusfrage – wie heißt der legendäre Werkstudent?

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