homestory: Eva Maria Lang

Schön ist es überall

Wie man wohnt, hat sicher mit der Sozialisation zu tun. Meine Eltern haben sich in den sechziger Jahren ihren Traum vom eigenen Haus erfüllt. Als meine Zwillingsschwester und ich vier Jahre alt waren, zogen wir in unseren Bungalow, gebaut von dem in München recht bekannten Architekten Detlev Schreiber.

Für unsere große Familie war das Haus perfekt. Ein Zimmer für jedes Kind. Die Zwillinge natürlich zusammen. Ein Arbeitszimmer für den Vater. Ein Gemüse- und Obstgarten mit viel Platz drumherum. Die Küche ist abgeschlossen, das war in dieser Zeit so üblich. Dafür gibt es viel Platz für das gemeinsamen Essen der Familie, die inzwischen um drei Schwiegersöhne eine Schwiegertochter, sechs Enkelkinder und zwei Hunde ergänzt wird.

Wenn man in einem Haus ohne Satteldach aufgewachsen ist, wird man fast zwangsläufig Architektin. Wie meine Schwester und ich. Nach dem Studium trennten sich unsere Wege. Meine Schwester blieb in München und ich ging nach Dresden. Obwohl wir ganz unterschiedlich wohnen, sind es doch ähnliche Faktoren, auf die wir beim Wohnen Wert legen.

Das Haus meiner Schwester: Sie hat für ihre Familie ein Haus am Stadtrand gebaut. Komischerweise hat es ein Dach. Natürlich gibt es eine Garage, einen großen Garten für die Kinder und den Hund – und einen Pool für die Kinder und den Papa. Es hat sich nicht so viel geändert zu dem Haus unserer Kindheit: Heute ist allerdings die Küche offen angelegt, denn die Familie kocht gemeinsam. Das Haus ist offen, hell und hat einen starken Bezug zum Garten.

Meine Behausung ist anders gestrickt: Wir haben keinen Drang ins Grüne, uns ist das Leben in der Stadt lieber. Also erfüllen wir das Architektenklischee und leben in einem Loft. Sicherlich, weil sich hier viele unserer Wünsche an das Wohnen erfüllen lassen.

Das Loft ist in einer ehemaligen Tischlerei. Bei uns gibt es keinen Pool, sondern einen Sandkasten – und der Hof ist der Treffpunkt für alle Hausbewohner. Es gibt einen Hund und sehr viele Katzen, die aus der ganzen Nachbarschaft zu uns kommen, weil der Hof so schön ist.

Für uns ist es wichtig, offene und helle Räume zu haben. Wir haben häufig Besuch und kochen gemeinsam, die Küche muss deshalb auch offen sein. Natürlich haben wir einen Badblock mit einem Fenster zum Rausschauen. Der Grundriss ist so flexibel, dass wir ständig die Möblierung ändern. Für Gäste können wir einen Raum mit Vorhängen abtrennen. Wir arbeiten selten zuhause und sind froh, dass das Büro etwas entfernt von unserer Wohnung ist.

Dipl.-Ing. Eva Maria Lang (*1964), Architektin BDA, studierte Architektur in München. Zwischen 1994 und 2001 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gebäudelehre und Entwerfen der TU Dresden und Gastdozentin am dortigen Weiterbildungszentrum für Denkmalpflege und Altbauinstandsetzung. Seit 1993 betreibt sie ein eigenes Architekturbüro mit Prof. Thomas Knerer in Dresden. Eva Maria Lang ist seit 2005 Mitglied des BDA und das AKJAA, sie lebt und arbeitet in Dresden.

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