BDA Bund

Appell für den Erhalt und die sorgfältige Instandsetzung des Rathaus‘ zu Mainz

Beim 8. BDA-Tag am 16. Juni in Mainz stand neben dem Thema „Wohnen“ auch das Gebäude im Fokus, das der Veranstaltung den gelungenen Rahmen bot: das Mainzer Rathaus, 1966-1970 von Arne Jacobsen und Otto Weitling entworfen und bis 1974 erbaut. Die anstehende Sanierung des heute unter Denkmalschutz stehenden Baus wurde und wird politisch und gesellschaftlich kontrovers diskutiert, wobei auch schon Stimmen gegen seine Erhaltung zu vernehmen waren. Dies nahm der BDA zum Anlass, sich deutlich für einen verantwortungsbewussten Umgang mit diesem herausragenden baukulturellen Erbe auszusprechen.

Zunächst konnte sich das Gremium bei einer Führung durch Robert Degele von DISSING+WEITLING architecture (Kopenhagen) selbst ein Bild von der Struktur und dem Zustand des Gebäudes machen. Anschließend stellten Robert Degele und Steen Savery Trojaborg, Partner und CEO bei DISSING+WEITLING, ihre Überlegungen für die Sanierung des Gebäudes vor. Ergänzend legte Marianne Grosse, Beigeordnete für Bauen, Denkmalpflege und Kultur der Stadt Mainz, den aktuellen Stand der Konzeption und politischen Entscheidungsfindung dar. Die folgende Diskussion unter der Leitung von Heribert Gies, dem Landesvorsitzenden des BDA Rheinland-Pfalz, mündete in der Verabschiedung des folgenden Appells an die Stadt Mainz:

Appell für den Erhalt und die sorgfältige Instandsetzung des Rathaus‘ zu Mainz

„Wenn ein Rathaus in der heutigen Zeit mehr sein soll und mehr sein kann als ein Verwaltungsgebäude mit einem Sitzungssaal, dann darf es zugleich etwas von dem ausdrücken, was man unter Bürgersinn und Bürgerstolz versteht.“ (aus der Wettbewerbsauslobung)

Der Entwurf für das Rathaus in Mainz von Arne Jacobsen und Otto Weitling wurde 1968 in einem Architekturwettbewerb mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Architektonisch ist das Rathaus ein überragendes Zeugnis der Suche nach neuen Formen zu Beginn der 1970er Jahre. Mit seiner Verbindung aus repräsentativ und informell nutzbaren Räumen schafft es einen im besten Sinne selbstverständlichen Ort für die Stadtgesellschaft.

Der besondere Wert des Rathauses für die Stadt Mainz manifestiert sich in der städtebaulich überzeugenden Platzierung, die mit öffentlichen Räumen und vielfältigen Blickbeziehungen den Rhein wieder mit der Mainzer Altstadt verbindet: Dem großartigen Ausblick von der Stadt auf die Flusslandschaft verleiht das Gebäude einen Rahmen, der Blick zurück auf das Stadtpanorama mit dem Dom wird erst durch die markante Schrägstellung des Gebäudes erreicht. Einzigartig ist die hochwertig gestaltete Inneneinrichtung, die, von den Türgriffen bis zu den Lautsprechern, von den Sesseln bis zu den Wandleuchten, das Verständnis der Architekten für den gesellschaftlichen Wert eines öffentlichen Bauwerks zum Ausdruck bringt. Städtebauliches Konzept, Architektur, Raumgestaltung, Möbeldesign und Kunst bilden eine auf die Funktion des Gebäudes abgestimmte Einheit, die dem Rathaus den Charakter eines Gesamtkunstwerkes verleiht.

Naturgemäß stehen nach einem Nutzungszeitraum von fast 40 Jahren Sanierungsarbeiten an. Der BDA appelliert an die Stadt Mainz, das Rathaus als besonders wichtiges kulturelles Erbe zu verstehen und die anstehende Sanierung unter folgende Prämissen zu stellen:

– Die Bewahrung der städtebaulich und architektonisch herausragenden Qualität des unter Denkmalschutz stehenden Rathauses ist das wichtigste Kriterium bei der Instandsetzung.

– Damit die Stadt Mainz ihrer Verantwortung als öffentlicher Bauherr und ihrer Vorbildfunktion gerecht wird, begleitet sie das Projekt mit allergrößter Sorgfalt und stattet es mit angemessenen finanziellen Mitteln aus.

Beschluss des 8. BDA-Tages
Mainz, 16. Juni 2012

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