Buch der Woche: Architekturführer Köln

Do bes e Jeföhl!

Köln, das sind der Rhein, der Dom, Bier aus dünnen, hohen Gläsern, Karneval – und für manchen auch noch der Eff-Zeh (FC Köln). Kurz und auf kölsch: e Jeföhl. Verkürzt umschrieben beruht das gesamte Stadtmarketing bis heute auf diesem „Gefühl“, also dem, was diese Stadt vermeintlich – oder tatsächlich – ausmacht. Dass Köln dabei viel mehr ist, wissen nicht nur all jene, die in der Domstadt leben, ein kürzlich im Verlag der Buchhandlung Walther König publizierter Architekturführer untermauert es auch noch: Barbara Schlei, Uta Winterhager und Tobias Groß haben den „Architekturführer Köln. 103 Zeitgenössische und Moderne Bauten und Quartiere“ herausgegeben, der in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert ist.

Wie viele andere Stadt- und Architekturführer beschränkt sich auch dieses kleine Büchlein auf den Abdruck von Schwarz/Weiß-Fotografien. Anders als in manch anderem Guide aber fällt es hier nicht als offenkundige Sparmaßnahme ins Auge, sondern unterstreicht den zurückhaltenden Charakter des souveränen Layouts. Das ist vor allem Tobias Groß und seinem Team von großgestalten zu verdanken, denen es gelungen ist, für den Architekturführer eine Grafik zu entwickeln, die ausgewogen changiert zwischen zeitgeistigen Elementen wie der fetten, serifenlosen Schrift oder dem Umgang mit Zeilenabständen auf der einen Seite und einer der Thematik angemessenen Zeitlosigkeit im Gesamtauftritt auf der anderen. Eine einzige Farbe zieht sich vom Umschlag über die Kapitel trennenden Seiten hin zu den Überschriften und Projektnummern im Text. Hier hat man sich nicht irgendeinem Farbton bedient, sondern auf das 1929 (auf Veranlassung des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer) von Bayer gefertigte Grün zurückgegriffen, das seitdem das Bild der von der Stadt unterhaltenen Flussquerungen der Mülheimer-, Deutzer-, Severins- und Zoobrücke prägt: das sogenannte „Kölner Brückengrün“. Ein ebenso schlüssiges wie wirksames Stilmittel.

Auch die Auswahl der Projekte überzeugt in weiten Teilen. Über den Dom und Köln als Standort diverser romanischer Kirchen ist viel gesagt, auch der Reichtum der Stadt an guter und sehr guter Architektur der 1950er Jahre ist oft besungen. Barbara Schlei und Uta Winterhager bedienen sich dabei aus einem Pool, den sie mit dem online-Portal koelnarchitektur.de und der dortigen Rubrik „Bauwatch“ bereits aufgestellt haben und der sich vor allem auf Bauten und Ensembles konzentriert, die in der jüngeren Vergangenheit realisiert oder revitalisiert wurden. Einige sinnfällige Ergänzungen wie das Haus Wefers von Karl Band, Hans Schillings Kirche Neu St. Alban, das Museum für Ostasiatische Kunst aus der Feder des Japaners Kunio Maekawa oder das Wohnhaus von Margot und Joachim Schürmann und einige mehr runden das Bild ab. Etwas spärlich fällt die Abhandlung des rechtsrheinischen Teils der Stadt aus, wo man sich zu sehr auf Bekanntes aus Mühlheim im Nordosten oder dem Flughafen-Umfeld im Südosten der Stadt beschränkt. Hier wären einige wenig oder gar nicht publizierte Kleinode wünschenswert gewesen. Aber auch das ist Köln und sein Verhältnis zur „Schäl Sick“, der falschen Seite jenseits des Rheins.

Bezeichnend ist der Auftakt dieses Architekturführers: Ihn bestreitet keine vermeintliche Architekturikone, sondern die künstlerische Intervention „Liebe Deine Stadt“ von Merlin Bauer auf dem Dach der Überbauung der Nord-Süd-Fahrt an der Schildergasse. Von hier aus – unweit des Opernensembles von Wilhelm Riphahn im Stadtzentrum – bewegen sich die Autoren in einer gegen den Uhrzeigersinn kreisenden Bewegung hinaus in die Outskirts bis nach Chorweiler und Porz. Jedes Bauwerk ist dabei mit einem kurzen und gut zu lesenden Text beschrieben und je einem Foto illustriert, ergänzt um kategorisierende Kurzangaben zu Standort, Architekt, Baujahr und in der Nähe befindlicher Objekte sowie einer piktogrammartigen Zeichnung. Diese ist je nach Sinnfälligkeit von Projekt zu Projekt unterschiedlich als Schnitt oder Grundriss ausgeführt. Folgerichtig sind bei diesen Zeichnungen nicht die geschnittenen Bauteile, sondern der Raum geschwärzt, was die Piktogramme nicht nur in Anbetracht ihrer geringen – aber durchaus ausreichenden – Größe lesbarer macht, sondern sie unmittelbar in die Tradition diverser Raumpläne seit Giambattista Nolli stellt.

Abgerundet wird der Projektteil durch drei Stadtspaziergänge im Innenstadtbereich, die mehrere Einzelobjekte als Ensemble zusammenschließen und städtebaulich verorten. Gibt man zudem im Feld „Objekt ID“ auf der website Bauwatch die Projektnummer aus dem Buch ein, findet man außerdem weitere Informationen, Bilder und Pläne. Es ist hier ein Architekturführer gelungen, der nicht nur inhaltlich überzeugt, sondern den man ob seines handlichen Formats auch gut auf eine Tour zwischen Kölschkneipe, Veedelszug und Südtribüne in Müngersdorf mitnehmen kann.

David Kasparek

Barbara Schlei, Uta Winterhager, Tobias Groß (Hrsg.): Architekturführer Köln. 103 Zeitgenössische und Moderne Bauten und Quartiere, 252 S., 160 S/w-Fotografien, 17 Karten, broschiert, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2015, 24,80 Euro, ISBN 978-3-86335-720-7

Fotos: Jazek Poralla/Seiten aus „Architekturführer Köln. 103 Zeitgenössische und Moderne Bauten und Quartiere“

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