Das 20. Berliner Gespräch des BDA

Das urbane Gewissen

Flächen, Gebäude und Infrastrukturen der Stadt sind ein hohes Gut. Ihre Nutzung hat immer schon Konflikte zwischen den Ansprüchen der Bewohner und der Verwertungslogik von Kapitalinteressen hervorgerufen.

Angesichts der Stadt der Gegenwart stellt sich die Frage nach der Verteilung von individuellem, privatem Profit und allgemeinem, öffentlichem Gewinn noch lauter. Steht die Ökonomie der Stadt noch in einem guten Verhältnis zum Gemeinwohl? Geht es darum, schnelles Geld in die leeren Stadtkassen zu spülen oder behält sich eine Stadt Flächen-, Raum- und Handlungsressourcen für eine zukunftsorientierte Planungspolitik vor? Vielerorts hat sich inzwischen ein Bewusstsein dafür gebildet, dass der Ausverkauf des städtischen „Tafelsilbers“ nur eine sehr kurzfristige und einmalige Lösungsmöglichkeit ist. Und die Vernachlässigung und Privatisierung des öffentlichen Raums bedeutet genauso wie die beschränkten Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung in der Wahrnehmung vieler Stadtbewohner eine Einschränkung, ja eine Gefährdung des öffentlichen Wohlergehens.

Das 20. Berliner Gespräch des Bundes Deutscher Architekten beschreibt nicht nur dramatische Bedrohungsszenarien, sondern stellt in einem „Vorspiel“ unseres Beiratsmitglieds Erwien Wachter, in drei „Akten“, bei denen Konrad Stürzenbecher, Frauke Burgdorff, Willi Dorner, Jan Gehl, Verena Schmidt und Kathrin Witzel tragende Rollen haben und einem „Endspiel“ mit der Wiener Stadttheoretikerin Florentina Hausknotz zugleich beispielhafte Ansätze vor, wie sowohl Kommunen als auch ihre Bewohner handlungsfähig bleiben können. Wir dokumentieren die Beiträge, die Anfang Dezember 2015 im Deutschen Architektur Zentrum DAZ Berlin vorgetragen und diskutiert wurden nebst einem passenden Text über das englische Architekturbüro „Assemble“, das im Dezember mit dem Turner Prize ausgezeichnet wurde, und resümieren: Die Zeit ist reif für eine neue Bewertung der Beziehung von Wert, Profit und Gemeinwohl.

Andreas Denk

Foto: Richard Rebmann (via flickr.com/CC BY-ND 2.0)

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