tatort

Erkennbar regional und asiatisch

Wieder einmal ist es soweit: Wir suchen ein Bauwerk, das eine besondere Rolle in der Nachkriegs-Architekturgeschichte spielt oder gespielt hat – sei es durch eine besondere Eigenschaft, eine ungewöhnliche Geschichte oder eine spezifische Merkwürdigkeit. Lösungsvorschläge können Sie per Post, Fax oder E-Mail an die Redaktion senden. Unter den Einsendern der richtigen Antwort verlosen wir ein Buch. Einsendeschluss ist der 17. November 2014.

Der „tatort“ liegt im Odenwald, in einer kleinen Stadt, in der der Architekt des gesuchten Bauwerks nach dem Zweiten Weltkrieg untertauchte. Es war der Geburtsort seines Vaters, wo er als Kind, Jugendlicher und Student immer wieder in den Ferien war – und wo er nach einer erfolgreichen Karriere als junger Villen- und Industriearchitekt einen Neuanfang suchte. Zunächst kam er in einem traditionsreichen Hotel unter, später wohnte er eine Zeitlang in einem benachbarten Turm der Stadtmauer. Das Eigenwillige seines Charakters zeigt sich in einer Anekdote aus dieser Zeit: Angeblich soll er vom Turm zum Hotel eine Seilbahn oder einen Aufzug konstruiert haben, mit dem seine Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt wurde. Nach etwa einem Jahr gründete der Mann in einem Ort etwas weiter südlich ein neues Büro, in dem unter anderem die Entwürfe für zwei Flüchtlingssiedlungen in der Peripherie der väterlichen Heimatstadt entstanden. Knapp zwanzig Jahre später erinnerte sich der inzwischen als einer der bedeutendsten Architekten und Lehrer Nachkriegsdeutschlands zu Ruhm und Ehren Gekommene an die Hilfe, die ihm der Hotelier in den Nachkriegsjahren gewährt hatte. Dessen Schwiegersohn bot er deshalb in einer entscheidenden Situation an, einen Erweiterungsbau des Hotels ohne Honorar zu entwerfen. Zahlen sollte der Gastronom lediglich Telefon, Fahrtkosten und Lichtpausen. Außerdem wurde bei Vertragsschluss vereinbart, dass es bei der der Bauausführung „keine Kompromisse“ geben sollte. Nach zahlreichen Problemen mit dem Gelände, mit der Nachbarschaft und insgesamt 16 Planänderungen kam der ungewöhnliche Bau, der mit erkennbaren regionalen und asiatischen Einflüssen das weit auf anderes vorausweisende Spätwerk des Architekten repräsentiert, unter Dach und Fach. Der Entwerfer und seine Frau waren die ersten Gäste, die auf eigenen Wunsch Hering und Pellkartoffeln serviert bekamen. Auch seinen 65. Geburtstag feierte der Architekt in diesem Hause. Ein Jahr später starb er und ließ sich in sitzender Stellung um Mitternacht auf dem Friedhof der Stadt begraben, in der auch der „tatort“ zu finden ist – angeblich, um seinen Kopf gegenüber den ihm und seinem Bau selten wohlwollenden Bürgern des Ortes nicht zu beugen. Heute steht das Haus unter Denkmalschutz und ist bis in weite Teile der Einrichtung erhalten. Wie heißt der „tatort“, wo liegt er und wie heißt sein Architekt?

Der „tatort“ der Ausgabe 4/14 war das Wohn- und Empfangsgebäude des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland (vulgo: „Kanzlerbungalow“) in Bonn, den Sep Ruf 1963 entwarf und der von 1964 bis 1999 in dieser Funktion genutzt wurde. Gewinner des Buchpreises ist Thomas Grüninger, Architekt BDA aus Darmstadt.

 

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