Ausstellung des M:AI über Hightech-Baumaterialien

Geht alles

Lichtleitender Beton, wild geschwungene Membrane, auf die Umwelt reagierende lebendige Fassaden – Computergesteuerte Verfahren im Bauprozess, vom Entwurf hin zu Herstellung und Ausführung, ermöglichen eine nie dagewesene Formenvielfalt und Individualität der Architektur. Zur Verwirklichung der Ideen passt sich die Entwicklung neuer Materialien dem Fortschritt an: Eine Vielzahl gänzlich neuer Materialien – die ihren Ursprung nicht unbedingt in der Bauindustrie haben – findet Eingang in die Baukunst. Werkstoffe können dem Projekt angepasst entwickelt werden, die Gestalt eines Gebäudes ist immer weniger den natürlichen Zwängen klassischer Materialien unterworfen und weiterentwickelte Baustoffe bringen neue Möglichkeiten der Formfindung und Konstruktion. Mit der Loslösung konstruktiver Beschränkungen geht auch die der ästhetischen einher. Nach der formbestimmenden ‚Materialgerechtheit‘ der klassischen Moderne zeigt der spielerische Einsatz neuer Materialien einen wiederkommenden Spaß im Umgang mit ornamentaler Oberfläche, Form und Gestaltung. Gleichzeitig finden neue Materialien in Zeiten von ökologischem Bewusstsein auch Eingang in kreative Lösungen für Fragen der Nachhaltigkeit und Energieeinsparung bis hin zur Energiegewinnung. Smart Materials jedenfalls bieten ganz neue technische Möglichkeiten von Fassadensystemen.

Pointiert ist der Titel der neuen Ausstellung ‚anything goes!‘ des Museums für Architektur und Ingenierbaukunst NRW (M:AI) gewählt. Anhand von circa zwanzig internationalen Projekten und zahlreichen Materialproben werden aktuelle Beispiele des innovativen Umgangs mit Baumaterialien vorgestellt – dabei ist anfassen ausdrücklich erlaubt. Die Projekte zeigen, welche neue Lust auf Material in der Architektur gerade erlebbar ist und wie sich diese auf die Möglichkeiten von Gestalt und Konstruktion der Bauten auswirkt. Die Ausstellung möchte die präsentierten Projekte dabei nicht bewerten, sondern Möglichkeiten der Architektur aufzeigen.

Zur Eröffnung am 7. November gibt es einen Vortrag von Andreas Denk zum Thema „Die molekulare Wunderkammer. Der Wert des Materials für die Architektur“. Präsentationsort ist dieses Mal – das M:AI ist das einzige mobile Museum ohne eigenem Ausstellungsgebäude in Deutschland – der stadtbauraum in der alten Zechen-Lüftermaschinenhalle in Gelsenkirchen. Programmatisch ist auch die wiederverwertbare Ausstellungsarchitektur des Kölner Architekten Martin Sinken: ausgestanzte Pappmodule lassen sich zu leicht auf- und abbaubaren Podesten zusammenstecken. Der französische Philosoph Jean-Francois Lyotard fragte schon 1985 im Centre Pompidou: „Was passiert, wenn man das Material dem Vorhaben nach konzipiert, simuliert und realisiert?“. ´anything goes!´ gibt dazu einige Antworten.

Red.

anything goes! – Die neue Lust am Material in der Architektur
7. November bis 15. Dezember
Öffnungszeiten: Do – So, 10.00 bis 18.00 Uhr
stadtbauraum
Bonivenstraße 30
45883 Gelsenkirchen
Eintritt frei

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