tatort

Großformatige Alternative

Wir suchen ein Gebäude, das in der Nachkriegs-Architekturgeschichte eine besondere Rolle spielt oder gespielt hat – sei es durch eine besondere Eigenschaft, eine ungewöhnliche Geschichte oder eine spezifische Merkwürdigkeit. Lösungsvorschläge können Sie per Post, Fax oder E-Mail an die Redaktion senden. Unter den Einsendern der richtigen Antwort verlosen wir ein Buch. Einsendeschluss ist der 12. November.

Der „tatort“ liegt in der Hauptstadt eines westlichen Bundeslandes, das zeitweise gar nicht zur Republik gehörte. Diesem Umstand verdankt das Bauwerk nicht nur seine Existenz, sondern auch seine Form und seine ursprüngliche Funktion. Sein Architekt war ein Franzose, ein Weggefährte Le Corbusiers, der eine nicht unbedeutende Rolle beim CIAM, dem Congrés International d’architecture moderne spielte. Aus dem Bemühen um eine neue Auffassung von Stadt und Architektur entwarf der Architekt unmittelbar nach dem Krieg im Auftrag der französischen Besatzungsmacht eine großformatige Alternative für die stark zerstörte Stadt in der Nähe der französischen Grenze, die jedoch wegen des Widerstands der Bevölkerung und der deutschen Verwaltung nicht realisiert wurde. Fünf Jahre nach Kriegsende erreichte das Land eine Autonomieerklärung, deren Hintergrund die Idee war, dass es zu einem eigenständigen, von der Montanindustrie geprägten neuen Mittelpunkt Europas werden sollte. Dabei sollte das gesuchte Gebäude eine wichtige Rolle spielen, was seine gleichermaßen funktionale Ausstattung als Bürogebäude wie auch seine moderne Repräsentationsform erklärt. Der Architekt wiederum hegte die Hoffnung, dass der Bau in einer „Zone Administration privé et Habitation Haute“ mit vier Hochhäusern der erste Stein seiner immer noch nicht vergessenen Wiederaufbauplanung sein könnte. Die Bauformen zeigen die Nähe zu den damaligen Spitzenkräften der französischen Architektur: Die radikale Elementik des Baus mit dem schmalen Hochhaus, und den räumlich wirkungsvoll gelagerten Kuben der repräsentativen Zwecken dienenden Annexbauten erweist den Einfluss Le Corbusiers, die Bildung der Räumlichkeit und die gediegen-moderne Ausstattung der Repräsentationsräume, die in einer neo-klassizistischen Stilistik vom Pariser Künstler Raphael entworfen wurde, weisen eher auf Auguste Perret als Vorbild hin. Viele Teile der wandfesten Ausstattung sind bis heute erhalten. Dennoch ist das Gebäude bedroht. Nach einer Nutzung als Ministerium des seit 1955 nach einer Volksabstimmung zur Bundesrepublik gehörenden Landes steht der „tatort“, den die Einheimischen als „schmales Handtuch“ oder „Schokoladenstückchen“ bezeichnen, heute weitgehend leer und harrt einer denkmalgerechten Sanierung. Um welches Gebäude handelt es sich, wo steht es und wer war sein Architekt?

Der „tatort“ der Ausgabe 4/15 gab Anlass für die Zusendung von besonders vielen richtigen Antworten: Es ging um das Schauspielhaus in Düsseldorf, das Bernhard Pfau zwischen 1965 und 1969 am Gustav-Gründgens-Platz errichtete. Die Gewinnerin des Buchpreises ist Esra Duman aus Bünde.

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