homestory: Hetta und Ulrich Böttger

Großstadt und Land

Wir machen seit dreißig Jahren den Spagat zwischen Kölner Innenstadt und einem Dorf in der Eifel: In der Woche wohnen wir in einem Stadthaus, das über einen Hof mit unserem Büro verbunden ist, am Wochenende und in den Ferien leben wir in einem Haus auf dem Land. Zwischen beiden Standorten liegen eine knappe Autostunde, 500 Höhenmeter, fünf Grad Temperaturdifferenz, vier Wochen Vegetationsverschiebung.

Warum wir das machen, hat viel mit unserem Beruf als Architekten und der Selbstständigkeit zu tun: Immer gibt es einen Wettbewerb oder einen anderen wichtigen Termin, der eine frühzeitige Urlaubsplanung verhindert. Schulkinder aber haben regelmäßig und zu festen Zeiten Ferien. Deshalb hatten wir im denkmalgeschützten Eifelort Kronenburg zunächst ein Haus gemietet und dann Anfang der achtziger Jahre auf einem Südhanggrundstück gegenüber der Burg ein eigenes Ferienhaus gebaut. Dort fahren und fuhren wir immer hin, wenn es möglich war, spontan oder geplant – und so wurde es zur eigentlichen Heimat.

Wir haben in Abstimmung mit der Denkmalbehörde ein Haus entworfen, dass dem Standort außerhalb des historischen Ortskerns angemessen ist, also kein geputztes Steinhaus, wie innerhalb der Stadtmauer üblich. Die gestreifte Holzverschalung sollte an Feldscheune und „Ferien“ erinnern. Innen ist alles aus sichtbarem Stein und Beton. Form und Proportion sind abgeleitet aus der regionalen Bauweise – was unserer damaligen postmodernen Denkweise sehr entgegen kam: hochkantig, kompakt und mit Satteldach.

Die Lage am Steilhang bestimmt die innere Organisation: in der mittleren Ebene liegen Eingang, Küche, Essbereich, in der oberen die Schlafräume. In der unteren Ebene findet Wohnen statt und es gibt Nebenräume. Zu Anfang hatten wir außer einem Holzofen in der Küche und einem offenen Kamin in der unteren Ebene keine Heizung – was unserem Wunsch nach dem einfachen Leben, aber auch unserer Finanzlage entsprach. Inzwischen ist es komfortabler.

In diesem Haus trifft sich die engere und weitere Familie zu allen Festen. Wir und auch die Kinder laden hierher Freunde ein. In unserem Landschaftsgarten vis-a-vis der Burgruine gibt es viel Platz zur Erholung, aber auch zum Pflanzen, Säen und Ernten – im Ort sind die malerische Gassen, im Tal ein See zum Baden und zum Segeln. Schafe und Rinder sind unsere nächsten Nachbarn. 2009 haben wir das Haus so erweitert, dass es für ein Dauerwohnen, die größer werdende Familie und als möglicher Alterssitz geeignet ist.

Dieser Platz ist als Kontrast zur Großstadt sehr reizvoll. Nie hätten wir ganz aufs Land gewollt, ein tägliches Pendeln kam nicht in Frage. Von Anfang an haben wir die Verbindung von Arbeiten und Wohnen in der Großstadt gesucht. Hier in Köln gehen wir zu Fuß zum Dom und zum Hauptbahnhof, ins Theater, Brauhaus, Kino oder zum Arzt. Die Kinder gingen hier zur Schule. Unser Stadthaus ist 4,50 Meter breit und elf Meter tief und hat vier Wohnungen auf sieben Ebenen. Als die Kinder noch zu Hause waren, bewohnten wir drei Wohneinheiten im Haus, jetzt nur noch eine – dazu eine kleine Einheit für gelegentliche Besucher.

Das Haus ist zwar von uns geplant und gebaut worden, war aber ursprünglich nicht zur Selbstnutzung gedacht. Es war aber dann doch bestens für unsere Lebensweise geeignet und so war es uns möglich, Beruf und Familie miteinander zu verbinden. Wir haben uns so einerseits den Wunsch vom Wohnen und Arbeiten an einem Ort in der Großstadt erfüllt, andererseits haben wir auf dem Land das gefunden, was in der Stadt nicht möglich ist. Mit dieser Lebensweise befinden wir uns in einer Tradition, die es in anderen Kulturen und zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedingungen immer gegeben hat.

Der Preis für diesen Spagat – es ist anstrengend und die Ökobilanz bedenklich. In Köln sind wir an Wochenenden für Einladungen nur ungern verfügbar, was manche Freundschaft strapaziert, nur wenige Nachbarn dort kennen wir mit Namen. Und in Kronenburg bleiben wir auch nach dreißig Jahren noch die „Fremden“. Der Freundeskreis, mit dem wir unsere Landlust teilen, besteht deshalb im Wesentlichen aus anderen Großstadtflüchtlingen, von denen einige inzwischen zu Bauherren geworden sind.

Dipl.-Ing. Hetta Böttger und Dipl.-Ing. Ulrich Böttger, Architekten BDA, leben in Köln und Kronenberg in der Eifel. Hetta Böttger studierte Architektur in Braunschweig und anschließend Botanik in Köln, Ulrich Böttger studierte ebenfalls Architektur in Braunschweig. Seit 1989 führen sie ein gemeinsames Büro in Köln.

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