Zum Tode von Adrian Frutiger

Gütesiegel

Der Schweizer Schriftgestalter Adrian Frutiger ist tot. Der 1928 in Unterseen geborene Schriftgestalter galt bereits zu Lebzeiten als einer der wichtigsten europäischen Gestalter und zählt zu den maßgebenden Schöpfern der Schweizer Typografie. Die von ihm entworfenen Schriften sind täglich weltweit zu sehen: zu den bekanntesten zählen die „Univers“ und die „Roissy“, vor allem aber die nach ihm benannte „Frutiger“. Frutiger hatte sie 1975 entwickelt, veröffentlicht wurde die „Frutiger“ von der Frankfurter Schriftgießerei D. Stempel.

Adrian Frutiger ging zunächst als Schriftsetzer bei der Interlakner Buch und Kunstdruckerei Otto Schlaefli (heute Verlag Schlaefli & Maurer AG) in die Lehre, ehe er bei Alfred Willimann und Walter Käch an der Kunstgewerbeschule Zürich studierte. Zunächst arbeitete er als Grafiker in Zürich, 1952 wurde er Mitarbeiter der Pariser Schriftgiesserei Deberny & Peignot. 1962, zehn Jahre später, gründete Frutiger gemeinsam mit Bruno Pfäffli und André Gürtler das eigene Grafikatelier im französischen Arcueil in der Nähe von Paris. Zudem lehrte er nebenberuflich an der École Estienne und der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs.

Basierend auf dem gemeinsam mit André Gürtler entwickelten Entwurf für die Schrift „Concorde“ (1959) entwarf Frutiger 1970 zunächst mit „Roissy“ die Schrift für Beschilderung am Flughafen Paris-Charles de Gaulle. Um einige zusätzliche Schritte erweitert entwickelte er als Druckversion fünf Jahre später jene Schrift, die heute unter anderem auf den Schildern der Schweizer Autobahnen verwendet wird und jedes Druckerzeugnis des Bund Deutscher Architekten BDA prägt – auch diese Zeitschrift. Neben diesen beiden finden sich eine Vielzahl von Beispielen weltweit, wo die feine Schrift Frutigers, einem grafischen Gütesiegel gleich, zum Einsatz kommt.

2001 erschien auf Grundlage der klassischen „Frutiger“ bei Linotype die grundlegende Überarbeitung „Frutiger Next“ – entworfen von Erik Faulhaber. Faulhaber ist auch eines der besten Bücher zur Schrift und ihrer Wandlung zu verdanken: 2004 legte er „Frutiger: Die Wandlung eines Schriftklassikers“ mit einem Vorwort von Kurt Weidemann vor. 2009 wurde dann mit „Neue Frutiger“ von Adrian Frutiger und Akira Kobayashi eine Überarbeitung des Originalentwurfs publiziert, der näher an der ursprünglichen „Frutiger“ ist als „Frutiger Next“. Sie bildet wiederum das grafische Fundament für die vor zwei Jahren veröffentlichte „Neue Frutiger 1450“, die der DIN 1450 gerecht wird und so der Norm zum sogenannten „barrierefreien Lesen“ entspricht. Um voneinander deutlich unterscheidbar zu sein, hat etwa die Ziffer 0 einen runden Punkt in der Mitte – im Gegensatz zum großen O, die Ziffer 1 weist eine Serife am unteren Ende auf, was sie vom Kleinbuchstabe l abhebt, der wiederum um einen Bogen am unteren Ende ergänzt ist.

Am 10. September verstarb Adrian Frutiger im Alter von 87 Jahren in Bremgarten bei Bern.

David Kasparek

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