Gebäudehülle Fritz Tower, Berlin

Keramischer Maßanzug

Die Fassade des mitten in Berlin vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton konzipierten Wohnhochhauses setzt gestalterische Maßstäbe. Sie ist mit präzise kalkulierter Unregelmäßigkeit geplant und vermittelt angenehme Präsenz. Verklebt auf einem Wärmedämmverbundsys­tem besteht sie aus Keramikfliesen der Serie „Craft“ von Agrob Buchtal: Dreidimensionalen Spitzriemchen in Ockergelb und gedecktem Weiß sowie eigens gefertigten Schenkelplatten für die Gebäudeecken.

Apartmentgebäude als Landmarke
Das neue Quartier Lehrter Straße liegt nur wenige hundert Meter nördlich des Berliner Hauptbahnhofs. Es basiert auf einem Masterplan des Architekturbüros Sauerbruch Hutton und hat eine einstige Brache in eine vitale Wohngegend verwandelt. Das Architekturbüro entwickelte eine Struktur aus sechs- und achtgeschossigen Einzelgebäuden, die sich entlang einer Bahnlinie zickzackförmig aneinanderreihen. Situiert am Quartiersplatz mit Läden und Lokalen, markiert der Fritz Tower weithin sichtbar die Mitte des neuen Viertels. Das Gebäude mit 8 beziehungsweise 18 Geschossen beherbergt insgesamt 266 Mikroapartments. Darüber hinaus bietet es einen Concierge-Service, einen Coworking Space, ein hauseigenes Fitnessstudio und ein öffentliches Bistro.

Facettenreiche Keramikfassade
Außergewöhnlich ist der Wohnturm nicht nur wegen seiner Höhe. Ins Auge fällt auch die ockergelbe Keramikfassade, die sich durch ihren unaufdringlichen Glanz schon von weitem von den Putzfassaden der Nachbarhäuser abhebt. Wer sich dem Fritz Tower von der Lehrter Straße über den Quartiersplatz nähert, erlebt ein schlankes Hochhaus, das sich gleichmäßig in die Höhe entwickelt. „Im angenehmen Kontrast zu diesem Gleichmaß stehen die unregelmäßigen Lichtreflexionen, die der Gebäudehülle je nach Standpunkt, Lichteinfall und Tageszeit ein immer wieder anderes Erscheinungsbild verleihen“, erläutert Louisa Hutton vom Büro Sauerbruch Hutton. Eine gewisse Leichtigkeit erhält die Fassade auch durch kurze weiße Streifen, die sich im Sockelbereich zu langen vertikalen Linien verdichten und so dazu beitragen, das Hochhaus ganz ohne Materialwechsel optisch im Boden zu verankern. Tritt man näher an das Gebäude heran, werden die vertikal angeordneten Keramikriemchen der Serie „Craft“ von Agrob Buchtal immer detaillierter erkennbar – ein Effekt, der fein differenziert seine Wirkung entfaltet.

Funktional und ästhetisch
Die Architekten entschieden sich aus mehreren Gründen für eine glasierte Keramikfassade. „Zum einen ist das Material robust, widerstandsfähig und pflegeleicht – dies ist gerade im Hochhausbau von Bedeutung, weil es die Zahl der nur unter erschwerten Bedingungen durchführbaren Wartungs- und Reinigungsarbeiten minimiert“, sagt die projektleitende Architektin Vera Hartmann. „Zum anderen ist Keramik ein natürliches Material, das im Wesentlichen aus Ton besteht und mit seinen haptischen Qualitäten wohnliche Wärme ausstrahlt.“ Letzteres gilt insbesondere für die Serie „Craft“, deren Glasuren eine erstaunliche Tiefe und handwerkliche Anmutung vermitteln. Ein weiterer Grund war der relativ kostengünstige Fassadenaufbau: Die dünnen und leichten Keramikfliesen bilden den schützenden und schmückenden Oberbelag eines Wärmedämmverbundsys­tems, das aktuelle energetische Anforderungen erfüllt.

Minimale Typenvielfalt, maximale Wirkung
Zum Einsatz kamen lediglich zwei Glasurfarben (Ockergelb und gedecktes Weiß) sowie Spitzriemchen in zwei Abmessungen (97 mal 290 und 58 mal 290 Millimeter). Die einzelnen Riemchen-Reihen schnüren von unten bis oben durch, wobei die „Nasen“ bewusst entweder nach links oder nach rechts zeigen. Allein schon diese Kombination kreiert ein faszinierendes Licht- und Schattenspiel sowie eine ausgeprägt plastische Fassade. Die Architekten wollten jedoch einen Schritt weitergehen und ordneten die Spitzprofile im wilden Verband an, wodurch eine Art „unregelmäßiges Regelmaß“ entsteht.

Fruchtbare Zusammenarbeit Architekt / Hersteller
Zur optimalen Umsetzung der Entwurfsideen wurde der ockergelbe Fassadengrundton nach den Vorstellungen der Architekten speziell entwickelt. Um die passende Glasurfarbe zu definieren, fanden Workshops im Agrob-Buchtal-Glasurlabor statt, in dem bislang mehr als 16.000 verschiedene Rezepturen für solche projektspezifischen Individualglasuren entstanden. Diese Workshops mündeten in mehrere Bemusterungen und Versuchsflächen. Letztlich gelang es Sauerbruch Hutton damit, den Wunsch des Bauherrn nach einer goldglänzenden Fassade zu erfüllen, die auch ohne direkten Bezug zu diesem Edelmetall elegant, langlebig und hochwertig ist.

www.agrob-buchtal.de

https://www.youtube.com/watch?v=YTRJrOBNmH0 bzw.

Artikel teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*