tatort

Machen Sie mal…!

Wir suchen ein Bauwerk, das eine besondere Rolle in der Nachkriegs-Architekturgeschichte spielt oder gespielt hat – sei es durch eine besondere Eigenschaft, eine ungewöhnliche Geschichte oder eine spezifische Merkwürdigkeit. Lösungsvorschläge können per Post, Fax oder E-Mail an die Redaktion gesandt werden. Unter den Einsendern der richtigen Antwort verlosen wir ein Buch. Einsendeschluss ist der 24. Juli 2014.

Der diesmalige „tatort“ ist einer der frühesten Theaterneubauten in Deutschland nach dem Krieg. Zunächst sollte in der westdeutschen Beamten- und Universitätsstadt als Ersatz für den kriegszerstörten Vorgänger ein monumentaler Neubau in neoklassizistischer Manier entstehen. Später diskutierte man wegen Geldmangels den Wiederaufbau des alten Theaters, das in einer barocken Hofanlage untergebracht war. Ein Journalist brachte zwei junge Architekten dazu, in einem Vortrag die Vorzüge einer modernen Architektur zu reklamieren, den der Journalist in einer regionalen und meinungsprägenden Tageszeitung veröffentlichte. Die folgende öffentliche Debatte führte schließlich dazu, dass die Stadt einen Wettbewerb für den Neubau auslobte, den die beiden Vortragenden im Zusammenwirken mit zwei weiteren Kollegen gewannen. Dabei nutzten sie die Ruine des ehemaligen Theaters als spektakulären Rahmen für ihren Neubauentwurf. Einer der Entwerfer erinnert sich an die Probleme, die nach der Auftragserteilung durch die Stadt zu überwinden waren: „…Zunächst erlitten wir Schiffbruch – im Bauordnungsamt und im Bauministerium“. Die Planung war nicht genehmigungsfähig, weil sie vielfach gegen geltendes Baurecht verstieß. Nach einem Protest des Stadtrats bei der Landesregierung durfte der federführende Architekt sein Projekt beim Staatssekretär persönlich vorstellen. Er erinnert sich: „Ich komme in ein Büro im Ministerium – und schaue mich um: Er hat den großen Raum mit avantgardistischen Möbeln eingerichtet, mit Bauhaus, Stahlrohrsesseln, Glastisch, Klee-Bildern an den Wänden. Da sitzt ein Kerlchen, blaue Augen, schütteres Haar – das ist Konrad Rühl. Er ist ein Werkbund-Mann. Ich rannte mit meinem Plan offene Türen ein. Er sagte: ‚Machen Sie mal…! Das kriegen wir schon hin. Wir schaffen das alte Baurecht ab und machen ein neues. Das Baurecht ist sowieso veraltet. Es ist die preußische Baupolizei-Verordnung. Was soll das!’“ Die jungen Architekten erproben die Zusammenarbeit mit Künstlern schon während der Bauphase – ein Prinzip, das sie in etwas veränderter Konstellation bei einem legendären Musiktheater in einem Ort nicht weit entfernt vom ersten „tatort“ zum Prinzip machten. Der federführende Architekt verwirklichte in seinem Leben vierzehn Bühnen- und Theaterbauten. Der Neubau im Westfalenland aber ist ihm als „Donnerschlag im deutschen Theaterbau“ in Erinnerung geblieben. Welches Gebäude wird gesucht und wer waren seine (damals) jungen Architekten?

Andreas Denk

Der „tatort“ der Ausgabe 2/14 waren die zwölf Hochhäuser am Grindelberg in Hamburg, auch kurz „Grindelhochhäuser“ genannt, die zwischen 1946 und 1956 nach den Plänen von Bernhard Hermkes, Bernhard Hopp, Rudolf Lodders, Rudolf Jäger, Albrecht Sander, Ferdinand Streb, Fritz Trautwein und Hermann Zess entstanden. Aus biographischen Gründen gibt es dieses mal zwei Gewinner des Buchpreises: Es sind Friedrich Mebes aus Berlin und Dieter Stollenwerk aus Bonn.

Foto: Andreas Denk..

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