X. Internationale Architekturbiennale São Paulo

Nós, Brasil!

Der deutsche Beitrag für die X. Internationale Architekturbiennale in São Paulo ist ein Möbelstück, das regelmäßige Besucher des Deutschen Architekturzentrums DAZ in Berlin bekannt vorkommen dürfte: der Tisch in Form des Buchstabens „Y“. Das ist kein Zufall, denn der Beitrag ist kuratiert vom künstlerischen Leiter des DAZ, Matthias Böttger. Anders als beim y-table in Berlin wurden die drei Teilstücke, die die Konstruktion bilden, in Curitiba, Porto Alegre und Salvador gebaut. Unter dem Projekttitel „Nós, Brasil! We, Brazil!“ stellten sich dort Aktivisten, Künstler, Stadtbewohner und Architekten in drei Workshops die Frage, wer heute Brasiliens Städte gestaltet: sie entwickelten Szenarien, diskutierten Ideen, bildeten Synergien – und bauten gemeinsam jeweils einen y-förmigen Tisch aus lokalem Material. Die Idee dazu stammt von dem Berliner Künstler und Architekten Luis Berríos-Negrón von The Anxious Prop. Je ein Flügel der Tische wurde anschließend nach São Paulo geschickt, dort zu einem neuen Tisch zusammengesetzt und als Diskussionsplattform im Rahmen der Biennale genutzt. Er trägt die Spuren des Austauschprozesses und der Beteiligten, repräsentiert den Dialog der Bewohner und der Experten aus den drei Städten und gibt Impulse für das Hauptthema der Biennale: „Stadtmachen“.

Das Projekt „Nós, Brasil! We, Brazil!“ soll der neuen Mittelklasse Brasiliens eine Stimme im Dialog über die Stadtentwicklung von morgen geben: Die Städte Curitiba, Porto Alegre und Salvador stehen dabei für die Suche nach neuen Akteuren und einer neuen Verantwortungsteilung zwischen Staat und Zivilgesellschaft. Die Workshops veranstaltete Matthias Böttger gemeinsam mit drei lokalen Kuratoren. In Porto Alegre ging es mit Marcio D’Avila darum, wie Bewohner aktiv mit dem Bau eines Fußballstadions und drohenden Hausräumungen umgehen können. In Curitiba stellte sich mit Sergio Pires die Frage, welche Probleme und Chancen eine rasant wachsende Stadt mit sich bringt. Der Workshop in Salvador beschäftigte sich unter Leitung von Icaro Vilaça mit der Rolle von Demonstrationen und Aktivisten an urbanen Veränderungsprozessen.

Doch nicht nur auf den drei Tischen haben die mehrtägigen Workshops ihre Spuren hinterlassen: Aus Expertenstatements, Interviews mit Stadtbewohnern, Skizzen und Impressionen sind Wandzeitungen zum Thema „Nós, Brasil! We, Brazil!” entstanden (siehe unsere Abbildungen aus diesen Wandzeitungen). Sie dokumentieren die stadtgestalterischen Entwürfe und den Austausch zwischen den Projektteilnehmern – und machen ab dem 12. Oktober die Ergebnisse und Ideen der drei Workshops einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. In einer abschließenden vierten „Y-Tisch-Runde“ während der Biennale (19. und 20. Oktober) lädt Matthias Böttger zusammen mit Renato Cymbalista noch einmal zur Diskussion über die Rolle der sogenannten neuen Mittelklasse Brasiliens für den urbanen Raum und für eine nachhaltige und gerechte Entwicklung der brasilianischen Städte ein.

Red.

Nós, Brasil! We, Brazil!
Auf der X. Internationale Architekturbiennale São Paulo
12. Oktober bis 1. Dezember

„Nós, Brasil! We, Brazil!“ ist Teil des Projekts „Weltstadt“, einer gemeinsamen Initiative des Goethe-Instituts und des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Das Projekt „Nós, Brasil! We, Brazil!“ wird im Rahmen Initiative „Deutschland + Brasilien 2013 – 2014“ präsentiert.

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