Übergangswohnungen in Köln

Auf freien Einzelgrundstücken können schnell, aber solide geplante Solitärbauten die akute Notlage bei der Unterbringung von Flüchtlingen lindern. Die Nachnutzung – etwa durch studentisches Wohnen oder sozialen Wohnungsbau – sind gegeben. Im besten Fall könnte von vornherein alles gemeinsam und integrativ in einem Haus stattfinden. Eine solide Architektur in kleinem Maßstab ermöglicht eine unterschiedliche und langfristige Nutzung, für die keine großen Flächen zur Verfügung stehen müssen.

Statt fertige Raumzellen wie Container zu erwerben – derzeit ohnehin oft ausverkauft –, suchen Kommunen mehr und mehr nach langfristigen Lösungen und permanenten Gebäuden, die im Angesicht wachsender Städte und Wohnungsnot auf lange Sicht nicht nur Flüchtlingen eine Wohnstatt bieten sollen. Auch das Kölner Amt für Wohnungswesen wollte Ende 2011 eine nachhaltige Alternative schaffen und beauftragte das Büro von Thomas Pagel und Marcus Henn mit dem Entwurf für zwei Gebäude mit sogenannten „Übergangswohnungen“. Die sich derzeit noch im Bau befindlichen Gebäude sind inmitten des Stadtteils Weiden und in der Siedlung Vogelsang, am westlichen Rand Kölns, gelegen.

Es dauert natürlich länger, einen dauerhaften festen Mauerwerksbau zu erstellen, als ein paar Container zu stapeln. Zeitersparnisse sind jedoch auch hier möglich. Der Dringlichkeit der Aufgabe kommen die Architekten nach, indem sie in allen Bereichen und Arbeitsschritten die Parameter Zeit-, Platz-, Kosten- und Ressourcenersparnis anlegten und dennoch Ansprüche an Raumqualität und Beleuchtung erfüllen. Auch eventuelle Nachnutzungen wurden mitbedacht. Grundsätzlich sind die Wohnhäuser modular angelegt, wobei die kleinsten Einheiten ein Zimmermodul von circa 14 Quadratmetern sowie ein kompaktes Badezimmermodul sind. Lediglich die Schalträume in der Gebäudemitte haben einen anderen Zuschnitt. Die Organisation des Grundrisses ermöglicht 2- bis 5-Zimmerwohnungen zwischen 51 und 123 Quadratmetern, auch kann der Wohnungsschlüssel durch einfaches Trennen oder Zusammenfassen von Einheiten sowie durch die Zuordnung des Schaltraums flexibel angepasst werden. Umbauten sind dazu nicht notwendig, lediglich im Mauerwerk vorgerichtete Türöffnungen müssen geöffnet oder verschlossen beziehungsweise Wandstücke ergänzt oder entfernt werden.

In größerem Maßstab bildet das Gebäude auf zwei Geschossen, die jeweils drei bis vier um den Erschließungskern gruppierte Wohneinheiten beinhalten, ein weiteres Modul. Die Module können je nach Anforderungen einzeln stehen, sind aber auch kombinierbar zu einem größeren Baukörper und wurden einmal, wie beim Kuckucksweg in Godorf, in der Reihe nebeneinandergestellt oder, wie an der Potsdamer Straße in Weiden, versetzt angeordnet. Jedes Modul verfügt über einen eigenen Eingang, wodurch sich pro Zugang eine überschaubare Anzahl von Bewohnern ergibt, was die Identifikation mit dem Wohnhaus erleichtern hilft. Auch beim Bauablauf wurde an Zeitersparnisse gedacht: Auf Grund der sich wiederholenden Modularität aller Elemente der Gebäude ist eine ineinandergreifende, eng getaktete und reibungslose Bauabfolge der Gewerke möglich.

Äußerlich tritt der Bau zurückhaltend auf, wesentliches Gestaltungsmerkmal sind die Gesimse, die auf Höhe der Fensterbänke heraustreten und den Körper in drei weiß verputzte Bandflächen gliedern. Dazwischen sind die Fenster angeordnet, Aussparungen in der Mitte und an den Ecken des Baus kennzeichnen die Balkone. Die Gebäude sind als Mischkonstruktion aus einfachen Mauerwerksbauten aus großformatigen Plansteinen und Stahlbetondecken aus Halbfertigteilen (Filigrandecken) geplant. Der Keller wird mit Beton-Fertigteilen errichtet, die Treppen mit Stahlbeton-Fertigteilen.

Statt Heizkörper, die für Vandalismus anfällig sind und Stellflächen für Möbel einschränken, wird eine Fußbodenheizung verwendet. Da die Bauherren eine robuste und günstige Lösung forderten, wurden bei Heizung und Lüftung auf einfache technische Systeme zurückgegriffen und über die EnEV 2009 hinaus keine zusätzlichen energetischen Maßnahmen berücksichtigt – auch die ambitionierteren Energieleitlinien der Stadt Köln fanden keine Anwendung. Da die Hochlochziegel der tragenden Außenwände durch die natürlichen Eigenschaften der Luft bereits ausreichend wärmedämmend wirken, wurde im Bereich der Wände auf zusätzliche Dämmung verzichtet. Ein Verputz des Mauerwerks reicht aus, beschleunigt den Bauprozess durch den Wegfall von Arbeitsschritten und führt zu einem stabilen und gesunden Raumklima. Die Fassade ist als monolithische und verputzte Mauerwerkswand platzsparend, robust und kann mit geringem Aufwand instandgehalten werden. Im Falle eines Rückbaus fallen keine Verbundstoffe an, die getrennt werden müssten. Die Themen Robustheit und Langlebigkeit ziehen sich durch: Bei allen Accessoires werden grundsätzlich fest eingebaute Ausführungen bevorzugt. Die Wohnungen erhalten eine Pantry-Küche, fest installierte Leuchten in allen Räumen und wandmontierte Sanitärarmaturen.

Letztlich ist der Begriff „Übergangswohnungen“ durchaus missverständlich, denn ein dauerhaftes Wohnen und eine Integration der Bewohner ist angestrebt, wie sowohl die Bauweise als auch die Lage im Viertel verdeutlichen: In der Nähe des einen Gebäudes befindet sich das Jugendzentrum Weiden und der interkulturelle Dienst der Stadt Köln, der benachbarte Bolzplatz soll saniert und eine Ackerfläche zur Bewirtschaftung durch die Bewohner angelegt werden. Die Bewohner, die nach ihrer Erstaufnahmestelle der Stadt Köln zugewiesen wurden, befinden sich aber noch mitten im Prozess des Asylgenehmigungsverfahrens und werden zum Zeitpunkt des Einzugs den Status der Aufenthaltsgestattung, der Duldung oder eine Aufenthaltserlaubnis haben. Sollten ihrem Asylgesuch stattgegeben werden, können sie letztlich frei entscheiden, ob sie wegziehen oder bleiben, in Köln-Weiden oder Godorf.

Architekten
pagelhenn, Hilden

Projekt
Übergangswohnungen Köln

Standort
Köln-Weiden und Köln-Vogelsang

Zahl der Bewohner
76

Besonderheiten
Kurze Bauzeit, Mauerwerksbauten mit Halbfertigteilen für Decken und Treppen

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