12. JUNG Architekturgespräch über digitales Bauen

Ungenutztes Potential

Seit einigen Jahren veranstaltet das Unternehmen JUNG regelmäßig Fachveranstaltungen für Architekten. Im vergangenen „Architekturgespräch“ am 20. April in Frankfurt am Main wurde dabei unter dem Titel „Digitales Bauen – Architektur im Wandel“ über den aktuellen Stand der Digitalisierung im Bauwesen diskutiert. In der Jugend- und Kulturkirche Sankt Peter trafen sich hierzu Florian Kohlbecker, Wolf Mangelsdorf und Achim Menges unter Moderation von Boris Schade-Bünsow.

Ein zentraler Aspekt des Gesprächs war die Frage, ob und inwieweit Architekturbüros den digitalen Entwurfsprozess bereits effektiv nutzen und ob die damit einhergehenden Veränderungen und Möglichkeiten ausreichend berücksichtigt werden. Florian Kohlbecker merkte an, dass vieles in der Praxis des „digitalen Bauens“ noch nicht funktioniere. Zwar nutze auch sein Büro (Kohlbecker Gesamtplan GmbH) digitale Arbeitsweisen, um architektonische Formen zu generieren und Arbeitsschritte zu vereinfachen. Eine hundertprozentige Ausschöpfung digitaler Tools sehe er bisher jedoch nur in Bereichen wie Filmarchitektur und Videospielszenographie.

Ähnlich positionierte sich auch Achim Menges: Bislang werde lediglich die konventionelle Entwurfsweise ins Digitale überführt, die tatsächlichen Möglichkeiten würden dagegen nicht ausgenutzt. Mit seinem Büro und bei seiner Tätigkeit am Institute for Computational Design and Construction der Uni Stuttgart erforsche er die Wechselwirkung zwischen Entwurfskompetenz und digitalem Arbeiten. Dabei gehe es etwa um die Natur als Vorbild für tragende Strukturen, wie sie beispielsweise im Fasercarbonpanzer von Insekten vorkommen. Digitale Prozesse würden in die Entwicklung leichter Tragwerke integriert und bestimmten damit maßgeblich den Entwurfs- und Formfindungsprozess wie beim Elytra Filament Pavilion, der derzeit auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein zu sehen ist.

Wolf Mangelsdorf wies dagegen auf das starke Potential digitaler Werkzeuge hin: Mit den neuen Methoden sei die Realisierung komplexer architektonischer Utopien möglich. Er verwies hierbei auf das Tragwerk für den City of Dreams Tower in Macau, das sein Team von BuroHappold (London) zusammen mit Zaha Hadid Architects konstruierte. Alle individuellen Teile des Tragwerks wurden hierbei digital berechnet und ließen sich durch die Vorfertigung passgenau zusammenfügen. Laut Mangelsdorf sei dieses eindrucksvolle und sichere Konstruktionssystem des konzeptionell starken Gebäudes nur durch digitale Prozesse umsetzbar.

Darüber hinaus präsentierten Johanna Beuscher und Sascha Biehl von der Frankfurt University of Applied Sciences als Newcomer ihren Innovationspreis des competition campus Wettbewerb 2016. In ihrem Projekt entwickelten sie einen 1:1 Prototyp der weltweit ersten selbsttragenden textilen Kuppelstruktur. Der von einer Studentengruppe realisierte SPACERFABRICPAVILION ist eine aus einer Blütenstruktur modular zusammengesetzte parametrische Form aus fabric foam und war als räumliche Installation ein Semester auf dem Campus der Frankfurter Hochschule erlebbar.

Zum Abschluss der Veranstaltung fand die Preisverleihung des VFA Studentenwettbewerbs 2016/2017 statt. Nick Förster und Janina Sieber von der TU Berlin/TU München sowie Pia Gesenhues und Lisa-Marie Schwuchow von der Leibniz Universität Hannover erhielten für ihre Ideen zum „Dynamic Workplace“ jeweils einen ersten Preis.

Red.

Fotos: JUNG.DE Markus Eichelmann

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