Großer Österreichischer Kunstpreis an Laurids und Manfred Ortner

Ein Leben lang der Kunst verbunden

Die Architekten Laurids und Manfred Ortner sind für ihr „künstlerisch herausragendes Lebenswerk“ mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet worden. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis wird von einem 21-köpfigen „Kunstsenat“ im Rotationsprinzip an hervorragende Vertreter der verschiedenen Künste verliehen. In der Sparte Architektur ging er zuletzt 2015 an die Wiener Architekten Elke Delugan-Meissl und Roman Delugan.

Das ungewöhnliche Brüderpaar hat einen äußerst bemerkenswerten Lebens- und Werklauf: Im österreichischen Linz geboren, studierte Laurids Ortner (*1941) Architektur an der TU Wien, Manfred Ortner (*1943) Malerei an der Wiener Akademie. Zusammen mit Klaus Pinter und Günter Zamp Kelb gründete Laurids Ortner 1967 die Gruppe Haus-Rucker-Co, etwas später kam Manfred Ortner dazu. Fast zwanzig Jahre lang operierten die „Hausrucker“ hauptsächlich im Kunstkontext: Ihre aufblasbaren Raumblasen des „Mind Expanding Programs“ und stadtraumbezogene Installationen trugen ihnen schließlich sogar Einladungen zur documenta 5 und 6 in Kassel ein. In den achtziger Jahren entstanden erste Bauten, darunter die Ober-Bank im österreichischen Wels (1980).

Ortner & Ortner Baukunst: Oberbank in Wels/Österreich, 1980, Foto: Archiv O&O

Nach dem Ausscheiden von Pinter und der Trennung von Zamp Kelb 1987 machten die Ortners allein – als Ortner & Ortner Baukunst, seit 2011 O&O Baukunst – weiter. Seit fast vierzig Jahren sind die Architekten eine feste Größe im deutschen und im österreichischen Architekturgeschehen. Stellvertretend für viele Bauten, deren mitunter surreale Auftritte oft ortsbildprägende Prägnanz haben, seien das Stadtteilzentrum Brüser Berg in Bonn (1987-1993) genannt, das Schiffbau-Theater- und Kulturzentrum in Zürich (1996 – 2000), das MuseumsQuartier in Wien (1990 – 2001) die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden (1996 – 2001), das ARD-Hauptstadtstudio in Berlin (1998) und das Staats- und Landesarchiv NRW (2004 – 2014) in Duisburg.

O & O Baukunst: Campus Wüstenrot & Württembergische AG, Ludwigsburg 2018-2023, Foto: Stefan Mueller

„Ortner & Ortner Baukunst“, so heißt es in der Begründung des Kunstsenats für die Vergabe der höchsten Auszeichnung Österreichs an die Gebrüder, „steht für eine Architektur, die – ohne Anbiederung – mit der Stadt, mit der historischen Substanz kommuniziert und auf ideologische Einschreibungen und Umbruchsituationen reagiert. Ortner & Ortner vollziehen das mit zeichenhaften Bauten, großen kompakten Monolithen. Die Fassaden aus Ziegel, Backstein oder Basalt und deren differenzierte Texturen sind ebenso immer neu gewählte Antworten auf den jeweiligen Ort“.

O & O Baukunst: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin, 2014-2018, Foto: Schnepp Renou

Die Ortners haben derzeit Büros in Köln, Berlin und Wien, die sie mit vier Partnern und 100 Mitarbeitern betreiben. Derzeit arbeiten sie an Projekten in Berlin, Stuttgart und Düsseldorf. Für den 2018 fertiggestellten Neubau der Hochschule für Schauspielkunst in Berlin haben O&O soeben den Deutschen Hochschulpreis 2020 bekommen. Der Kunst sind Laurids und Manfred Ortner immer noch verbunden: In ihrer Galerie O&O-Depot zeigen sie neben eigenen Arbeiten aus der Haus-Rucker-Zeit immer wieder Arbeiten ausgewählter zeitgenössische Künstler.

Andreas Denk

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