KfW-Award 2015 vergeben

Außen grün, innen dünn

Anfang Juni wurde in Berlin der KfW-Award „Bauen und Wohnen“ verliehen. Was hätte man vom Jahresthema „Intelligent Bauen: modern, effizient, wohnlich“ nicht alles erwarten dürfen, leben wir doch in Zeiten, in denen viele architektonische Fragen unbeantwortet bleiben. Und dann dieser Architekturpreis der ehemaligen Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die großen Begriffe der Architektur dieser Tage treffen hier aufeinander: Modern soll es sein, zukunftsweisend mithin, denn wer möchte schon rückwärtsgewandt wohnen und wer möchte den Blick zurück dann auch noch auszeichnen?

Die Effizienz darf auch nicht fehlen und ist als Begriff zudem noch nicht ganz so abgegriffen, wie ihre große Schwester, die Nachhaltigkeit. Und klar: Wohnlich soll es dabei auch sein, denn so ganz möchte man dieses Feld dann doch nicht dem schwedischen Möbelgiganten Ikea und seiner rhetorischen Werbefrage nach dem Unterschied zwischen Leben und Wohnen überlassen. Die Summe all dessen, so die Intention des Preistitels, ist dann intelligentes Bauen. Die Messlatte wird entsprechend hoch gehängt. Und – sie wird gerissen.

Die fünf Bauten nämlich, die die von der KfW eingesetzte Jury um Hans Kollhoff auszeichnete, mögen zwar dem Kriterium des Wohnlichen entsprechen, aber schon bei den Fragen, ob sie auch modern und effizient sind, wird es schwierig. Denn: Wie modern ist es heute noch, auf der grünen Wiese und am Stadtrand zu bauen, was womöglich Pendeln zu Arbeitsstätten, Kindergarten, Schule, Sportverein, Supermarkt und dergleichen mehr nach sich zieht? Die fünf Bauten, die in diesem Jahr mit dem KfW-Award ausgezeichnet wurden, sind allesamt freistehende Einfamilienhäuser. Keines befindet sich in einem urbanen Kontext, einige immerhin in einem dörflichen. Dafür bilden alle einen hohen Lebensstandard auf einer beträchtlichen Anzahl be- und umbauter Quadratmeter ab.

Fraglos sind die Projekte alle auf gutem bis sehr gutem architektonischen Niveau geplant und ausgeführt. Relevante,  ja zwingende Themen unserer Zeit aber klammern sie aus. Wer intelligentes Bauen für sich und seinen Preis in Anspruch nimmt, darf das Wohnen in den Innenstädten, die Fragen der Nachverdichtung dieser Areale ebenso wie die der gesellschaftlichen Durchmischung nicht ausblenden. Von „intelligentem Bauen“ muss man heutzutage mehr erwarten als Landlustträume gutsituierter Bauherren.

Denn: Für wen wurde da gebaut auf den grünen Wiesen vor München, Kassel, oder im ländlichen Sachsen und Bayern? Für die klassische Familie oder ein Bauherrenpaar. Lösungsvorschläge, wie Einkommens- oder Altersschichten durchmischt werden könnten, sucht man hier ebenso vergeblich wie Antworten auf die Fragen nach heutigen Arbeitsformen. Ein wenig mehr darf es bei einem solchen Titel dann schon sein – zumal die vorherigen beiden Durchgänge anno 2013 und 2014 schon viel weiter schienen.

David Kasparek

 

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