S-Bahn-Station von Dudler in Leipzig

Bahn frei!

Bald rollen die Züge durch Leipzigs ‚City-Tunnel‘: Nach Verzögerungen soll Mitte Dezember endlich der zwei Kilometer lange Bahntunnel zur Nord-Süd-Unterquerung der Innenstadt in Betrieb genommen werden. Teil des wichtigen Infrastrukturprojekts ist die von Max Dudler gestaltete S-Bahn-Station Wilhelm-Leuschner-Platz am südlichen Ende des Zentrums. Der Entwurf für die unterirdische Bahnhofsanlage geht auf einen Wettbewerb von1997 zurück, den der Schweizer Architekt für sich entscheiden konnte. Als Hauptmaterialien finden Sichtbeton und Glas Verwendung: Die tragende Konstruktion aus Betonfertigelementen wird verkleidet durch 130.000 Glasbausteinen, die in ein Betonraster eingelassen sind. Der 140 Meter lange, im Querschnitt rechteckige Raum erreicht durch seine Größe und die flächige Anordnung der Glaselemente eine nahezu sakrale Wirkung.

Im Konsens wird die funktionale Reduktion und Klarheit des Entwurfs gelobt . Diskussionsstoff dafür bieten die zwei Zugangsgebäude der Bahnstation. Kritisiert wird eine völlige Deplazierung der Bauwerke auf den oberirdischen Platzanlagen: Laut Stadtforum Leipzig und dem Landesverband Sachsen der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur zerstören sie einerseits die von Lenné als Teil des Promenadenrings entwickelte Parkanlage und stünden andererseits in der klassischen Blickachse auf das Neue Rathaus. Die Diskussion entflammte Mitte November erneut auf, nachdem Dudlers S-Bahn-Station mit dem Architekturpreis der Stadt Leipzig prämiert wurde. Die Jury der im zwei Jahre Turnus verliehenen, undotierten Auszeichnung – dieses Jahr unter anderem bestehend aus Volker Staab, Regine Leibinger und Amandus Sattler – lobte die Station als „zukunftsweisendes Bauwerk für eine der zentralen Aufgaben im urbanen Kontext einer Großstadt“.

Red.

Fotos: Stefan Müller

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