Buch der Woche: Bezahlbar gut wohnen

Eine bestechende Zusammenschau

In den Wachstumsregionen der Städte, Kommunen und Metropolregionen dieses Landes registrieren die verantwortlich Handelnden seit einiger Zeit akuten Wohnungsbedarf. Scheinbar verwundert wird festgestellt, dass Menschen, die als Arbeitsmigranten vom Land in die Städte, von den wirtschaftsschwachen Regionen in die prosperierenden Teile dieses Landes ziehen, dort zwar oft Arbeit finden, am Ende des Tages aber auch irgendwo leben müssen. Da es sich um Binnenmigration handelt, ist das Boot hier nicht voll, Bündnisse für bezahlbares Wohnen und dergleichen mehr wurden eilig initiiert. Und nachdem etwa in Sachsen die Zahl der fertiggestellten Wohnungen von 134.000 im Jahr 2006 auf 7.000 in 2013 gesunken ist, und dort sowie im Saarland oder Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren zwischen 2013 und 2015 gar keine Wohnungen neu gebaut wurden, passiert jetzt wieder mehr. Wie die aktuelle Diskussion um serielles Bauen verdeutlicht: mit teils zweifelhaften Auswüchsen. Fakt aber ist, dass Handlungsbedarf besteht, und die konjunkturelle Lage es erlaubt, dass diesem nachgegangen wird. Gute Zeiten für Architekten. Wäre da nicht das Problem des im deutschen Bodenrecht fußenden, teuren Baulands. So wird mit dem Druck des Marktes argumentiert und die billigste Lösung gesucht.

Wie Architektur heute gut und bezahlbar entstehen kann, zeigt exemplarisch das kleine, fein gestaltete Büchlein „Bezahlbar. Gut. Wohnen. Strategien für erschwinglichen Wohnraum“, das Klaus Dömer, Hans Drexler und Joachim Schultz-Granberg im Berliner Jovis Verlag herausgegeben haben. Auf etwas weniger als 300 Seiten tragen die Herausgeber nicht nur theoretisches Hintergrundwissen zusammen und bereiten es verständlich auf, sie führen auch gelungene gebaute Beispiele unterschiedlicher Maßstäblichkeit und aus verschiedenen Ländern zusammen. Darunter finden sich kleinere Umbauten für eine Familie ebenso wie große, eigene Kleinquartiere bildende Projekte und ganze Blöcke füllende Bauten.

Die Spanne also ist groß. Diese unterschiedlichen Beispiele aber werden nicht nur aneinander gereiht, sondern durch grafisch schlüssig aufbereitete Parameter vergleichbar gemacht. Sinnvollerweise unterscheiden die Macher hier zwischen quantitativen Kennwerten wie Erschwinglichkeit, Flächen- und Nutzungsstruktur sowie Kostenkennwerten auf der einen und qualitativen Wohnwerten wie Anbindung, Städtebau, Außenbereiche, Ausstattung, Behaglichkeit und Wohnung auf der anderen Seite. Es wird geprüft, ob es sich um ein partizipatives Projekt handelt, wie es um Standards und Minimalisierung bestellt ist, ob Teile vorgefertigt wurden und ob es sich um Massenwohnungsbau handelt. Dazu sind Angaben über Grundstück, Trägerschaft, Bewohner, Finanzierung und die durch das Haus entstandenen Effekte aufgelistet. Es gibt einen kleinen Lageplan mit Piktogrammen, Grundrisse der Erdgeschosse und der Regelgeschosse darüber sowie Schnitte der Gebäude. Ergänzt sind diese gut lesbaren Zeichnungen durch Grundrisszeichnungen von aus dem Raumgefüge herausgelösten, exemplarischen Einzelwohnungen mit Angaben über deren Größe in Quadratmetern, Zimmeranzahl und vorgesehene Bewohner. Angereichert wird dieser Projektteil schließlich mit schönen Fotos der Projekte aus China, New York, Berlin, Hamburg, München, Zürich oder Wien. In dieser Zusammenschau aus fundiertem Hintergrundwissen zum Thema, schnell erschließbaren Fakten zu konkreter Architektur und der feinen Grafik ist das Buch bestechend gut.

David Kasparek

Klaus Dömer / Hans Drexler / Joachim Schultz-Granberg (Hrsg.): Bezahlbar. Gut. Wohnen. Strategien für erschwinglichen Wohnraum, 296 S., ca. 240 Abb., 25,- Euro, Jovis Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86859-432-4

Klaus Dömer / Hans Drexler / Joachim Schultz-Granberg (Hrsg.): Bezahlbar. Gut. Wohnen. Strategien für erschwinglichen Wohnraum, 296 S., ca. 240 Abb., 25,- Euro, Jovis Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86859-432-4

Klaus Dömer / Hans Drexler / Joachim Schultz-Granberg (Hrsg.): Bezahlbar. Gut. Wohnen. Strategien für erschwinglichen Wohnraum, 296 S., ca. 240 Abb., 25,- Euro, Jovis Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86859-432-4

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