Buch der Woche: Momentaufnahme 2015

Sächsische Werkschau

In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht der BDA Sachsen Monographien im Eigenverlag – mal sind es Jahrbücher, mal Anthologien ausgezeichneter Bauten von BDA-Architekten, mal Rückblicke auf das Baugeschehen in Sachsen. Nun ist ein weiterer Band erschienen, der mit dem Titel „Momentaufnahme 2015“ eigentlich schon alles sagt: Es ist eine Beschreibung des Ist-Zustandes, eine Selbstvergewisserung und Tätigkeitsbericht.

Eingeleitet wird das Buch von einem Text des Landevorsitzenden Ronald R. Wanderer. So richtig Fahrt bekommt es allerdings beim Essay des Architekturkritikers Arnold Bartetzky, der  die „Architekturabstinenz“ der „armen Kisten“ abwatscht: Gemeint sind die Stadthäuser, wie sie insbesondere seit den 2000er Jahren in Leipzig und anderen ehemals schrumpfenden ostdeutschen Großstädten als Allheilmittel zur Verdichtung der Innenstädte herangezogen wurden. „Bei den Stadthäusern bieten sie [die Erdgeschosszonen, Anm. d. Red.] dem Blick des Betrachters meist nur ein Garagentor und eine blickdichte Tür, ein kleines Fenster zur Toilette oder zum Abstellraum, gerne auch einen Verschlag für die Mülltonne dar. Kurz: das Unansehnlichste, was ein Haus zu bieten hat. Die ursprüngliche, der Wortherkunft folgende Bedeutung der ‚Fassade‘, ein Gesicht des Hauses zu sein, ist damit ins Gegenteil verkehrt. Hier werden eher die Eingeweide präsentiert.“ Nachdem die Bodenpreise wieder angestiegen und die Stadthäuserflut dadurch eingedämmt wurde, zeigt sich allerdings, dass diese Eigenheime in Stadtlage und die fehlende kritische Diskussion über deren Architektur eine geradezu stilbildende Wirkung auf nachfolgende Bauprojekte gehabt haben müssen: Sie strahlten gewissermaßen ab auf den neu entstehenden, oft gesichtslosen Geschosswohnungsbau, dessen Erdgeschosse sich eher verbarrikadierend als einladend der Straße präsentieren und damit der Stadtöffentlichkeit verschließen.

Dass in dem Buch Texte wie diese vertreten sind, ist als Bekenntnis zum angestrebten Diskurs zu verstehen, den sich der BDA schließlich qua Satzung auf die Fahnen geschrieben hat. In die gleiche Kerbe schlägt auch das kürzlich lancierte Onlinemagazin des BDA Sachsen, das als neue Plattform für Architekturdebatten dienen soll.

An den Textteil schließt sich – quasi als dialektische Gegenüberstellung zu vorheriger Kritik – eine alphabetisch nach Architekten geordnete Auswahl von Projekten der letzten 14 Jahre an, die von Mitgliedern des Landesverbandes in ganz Deutschland, vor allem aber im Freistaat errichtet wurden. Ironischerweise taucht hier auch die eine oder andere „arme Kiste“ in auf. Auch wünscht man sich als Leser eine redaktionelle Überarbeitung der erläuternden Texte. Dafür entschädigen die beigefügten erläuternden Zeichnungen – Grundrisse, Schnitte und teils formatfüllende, atmosphärische Fotos.

Im hinteren Teil ist eine Übersicht aller seit 1994 verliehenen Architekturpreise des BDA Sachsen abgedruckt sowie eine Darstellung der Gewinnerprojekte des 2014 erstmals vergebenen Studienpreises „Konrad Wachsmann“. Olaf Böhme, Leipziger Schauspieler und Kabarettist, bildet den Abschluss mit einem launigen Text über das Verhältnis von Architekten und Bauherren.

Die ruhige, ausgewogene Wirkung – evoziert durch die klare Gliederung des Layouts – das schwarz-graue Hardcover mit Leinenrücken und geprägtem Titel und das verwendete ungestrichene Papier sowie die Qualität der Fotos machen das Buch zu einem vor allem ästhetisch ansprechenden Referenzobjekt des BDA Sachsen und der in der Publikation vertretenen Architekturbüros.

Juliane Richter

Landesverband Sachsen Bund Deutscher Architekten BDA (Hrsg.): BDA Sachsen – Momentaufnahme 2015, 178 Seiten, zahlr. Abb., Eigenverlag des BDA Sachsen, Leipzig 2015, ISBN: 978-3-00-049410-9

Im Artikel verwendete Fotos mit Impressionen der Publikation: Ralph Haelbig

 

 

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