Editorial

… sonst ändert sich nix

Diese Zeitschrift kann ab dieser Ausgabe mit gleich zwei Veränderungen aufwarten. Nicht nur, dass das Erscheinungsbild nach 15 Jahren wieder einmal gründlich aufgefrischt wurde. Auch der Titel hat – es ist sicher nicht unbemerkt geblieben – eine kleine, aber doch prägnante Überarbeitung erfahren.

Dem Berliner Grafikbüro Fons Hickmann M23, das im vergangenen Juni nach einem Wettbewerb mit dem neuen Layout beauftragt wurde, ist es gelungen, die grafische Tradition der Zeitschrift weiterzuentwickeln: Der auf Inhalte fokussierte, „textlastige“ sowie eher ruhige und klare Charakter des Erscheinungsbildes wurde bewahrt, jedoch in eine zeitgemäßere und lebendigere Form gebracht. Zudem erleichtert die farbliche Gliederung nun die Orientierung innerhalb des Heftes. Damit ist gestalterisch der Weg geebnet, um die inhaltliche Ausrichtung dieser Zeitschrift fortzusetzen und weiterhin kritisch, mit Tiefgang und interdisziplinärem Horizont über Themen der Architektur und des Städtebaus zu berichten.

Mit der Umbenennung in Die Architekt endet nach 70 Jahren die Ära des Titels der architekt, der einst einer gleichnamigen Zeitschrift im Umfeld der Wiener Sezession entlehnt wurde. Diese Reminiszenz an ein Medium aus den Anfängen der Moderne sollte im Jahr 1952 auch einen Neustart nach dem Nationalsozialismus signalisieren (siehe der architekt 5 / 21). Ob und wie lange Kenntnis über diese Entstehungsgeschichte des Titels herrschte, ist allerdings nicht überliefert. Wie die meisten Titel und Markennamen verselbständigte sich auch der architekt – er funktionierte anfangs, pragmatisch-nüchtern wie er war, auch ohne den Mythos eines Modernebezugs. Im vergangenen Jahrzehnt jedoch gab der Titel vermehrt Anlass zu Diskussionen in der Redaktion sowie in den Gremien des BDA und der Fachöffentlichkeit. Angesichts eines Berufsstands, in dem seit vielen Jahren mehr als die Hälfte der Studierenden Frauen sind, erschien er zunehmend unzeitgemäß. Der Einwand, es handele sich um ein generisches Maskulinum, hielt bereits aufgrund der Singular-Form nicht stand, zudem ist das im Namen aufscheinende Bild des vorwiegend allein agierenden Architekten-Genies schon lange nicht mehr unwidersprochen.

Aber auch jenseits von Fragen nach Geschlecht und Gender zeigt der neue Titel nun auch endlich eindeutig an, dass es sich nicht etwa um eine Person, sondern um Die (Zeitschrift) Architekt handelt. All jene, die bereits ein Sakrileg an der deutschen Sprache wittern, können beruhigt sein, da es sich dabei – grammatikalisch korrekt – um die rhetorische Figur der Ellipse, einer Auslassung, handelt. Darüber hinaus soll der neue Name die Komplexität und Widersprüche des Berufsfelds angesichts einer Welt im Wandel sichtbarer machen sowie mehr Raum für Interpretation und Uneindeutigkeit zulassen. Zugleich bleibt mit diesem geringstmöglichen Eingriff in den bisherigen Titel die „Marke“, mit der die Zeitschrift einen festen Platz in der deutschsprachigen Architekturpublizistik einnimmt, weiterhin erkennbar.

Die Entscheidung zur Umbenennung und Umgestaltung wurde noch gemeinsam mit unserem verstorbenen Chefredakteur Andreas Denk getroffen – wir bedauern sehr, dass er die Umsetzung nun nicht mehr miterleben kann.
Elina Potratz & Maximilian Liesner

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5 Gedanken zu “… sonst ändert sich nix

  1. Elitär und undemokratisch und intellektuell befremdlich. Es ist besorgniserregend, wie gedankenverloren eine bedeutende bundesdeutsche Institution agiert. Der Berufsstand des Architekten wird ad absurdum geführt: Man errichtet ein ideologisches Irrlicht auf einem instabilen Fundament. Schein statt Sein. Mode statt Haltung. Von gesellschaftlicher Verantwortung ganz zu schweigen. Seis drum. In schwurbeligen Zeiten jedem seinen individuellen Schwurbel.

  2. Titel finde ich irritierend – Die Architekt! Meine Assoziation war: Tod den Architekten.
    Ich mag die Sprachverunglimpfung nicht.
    Neues Design ist aber toll!

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