Neues Leben im Lantz’schen Park

Eine künstlerische Gesellschaft auf dem Lande

Ein Spaziergang im Grünen ist momentan die beste Möglichkeit garantiert coronafreier Amüsements. Mitunter lässt sich die naturgebundene Ertüchtigung von Leib und Seele auch mit einem kulturellen Erlebnis verbinden. Eine inzwischen charakteristische Besonderheit des Rheinlands sind mehr oder minder große Landschaftsteile, die für die Installation von großformatigen Skulpturen genutzt werden. Die schönsten sind die Museumsinsel Hombroich bei Neuss, eine künstlich angelegte Auenlandschaft mit skulpturalen Architekturen von Erwin Heerich, der Skulpturenpark „Im Tal“ im Westerwald, das der Bildhauer Erwin Wortelkamp mit Arbeiten von 40 Künstlern ausstatten ließ und der vom englischen Bildhauer Tony Cragg initiierte Park „Waldfrieden“ in Wuppertal.

Herrenhaus der Familie Lantz, 1805/1806, Foto: Andreas Denk

Herrenhaus der Familie Lantz, 1805/1806, Foto: Andreas Denk

In diese Reihe schließt jetzt der Lantz’sche Park im Norden von Düsseldorf auf: Die 14 Hektar große Grünanlage ist ein ehemaliger Rittersitz mit einem klassizistischen Herrenhaus. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand hier um das ländlich wirkende Haus herum ein Landschaftspark nach englischem Vorbild. 1972 kaufte die Stadt Düsseldorf die Anlage und ermöglichte dem legendären Düsseldorfer Galeristen Alfred Schmela, hier seine „Galerie im Park“ einzurichten. Unter seiner Ägide wurde der Park erstmals mit Skulpturen ausgestattet.

Erwin Heerich, o. T., Aluminium, 1975-1976, Foto: Andreas Denk

Erwin Heerich, o. T., Aluminium, 1975-1976, Foto: Andreas Denk

Nach Schmelas Tod 1980 wurde es still im Lantz’schen Park, wenngleich das Anwesen in der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens liegt. Erst im vergangenen Jahr entwickelte der Direktor der Düsseldorfer Kunsthalle, Gregor Jansen, die Idee, das Konzept der Kunstpräsentation im Grünen wiederzubeleben. Seit Juli ist es nun soweit: Jansen hat im Auftrag der Kunstkommission Düsseldorf eine ganze Reihe von Künstlerinnen und Künstlern eingeladen, skulpturale Arbeiten für den Park auszusuchen, zu entwerfen oder eine Performance zu entwickeln. Mit von der Partie sind ältere Arbeiten von Michael Gitlin, Meuser, Erwin Heerich und anderen, die zum Bestand der Parkgalerie von Schmela gehört haben und sich fast nahtlos in den Garten-Parcours einfügen.

Bogomir Ecker, vedere, 2001, verschiedene Materialien, Foto: Andreas Denk

Bogomir Ecker, vedere, 2001, verschiedene Materialien, Foto: Andreas Denk

Nicht jedes neu hinzugekommene Stück hat einen ortsspezifischen Aufstellungsort gefunden: Die völlig unterschiedlichen Arbeiten von Bogomir Ecker, Martin Pfeifle und Peter Schwickrath stehen ohne erkennbaren Bezug zu Landschaft oder Architektur auf einer großen Wiese vor dem Herrenhaus, bedrängen sich aber dennoch durch zu große Nähe. Rita McBrides perforierte Stahlplatte wirkt, lapidar angelehnt an einen Baum, anscheinend ohne inneren Zusammenhang fast willkürlich abgestellt. Auch Gesine Grundmann hat ihre riesige patinierte Holzkette etwas beziehungslos auf einer Wiese abgelegt. Das Holzschild mit der Aufschrift „THE PARK IS MINE“ von Julia Bünnagel und Patrick Riewe ist trotz der möglichen Deutung als „Bauschild, Werbung, Demonstration, Skulptur oder Filmkulisse“ beliebig und inhaltlich schwach. In Erinnerung bleiben vor allem Christian Odzucks surreale Lampeninstallation und die große Aluminiumskulptur, die der 2004 verstorbene Altmeister Erwin Heerich im Park zurückgelassen hat.

Julia Bünnagel/Patrick Riewe, The Park is Mine, Holz und Lack, 2009–2020, Foto: Andreas Denk

Julia Bünnagel/Patrick Riewe, The Park is Mine, Holz und Lack, 2009–2020, Foto: Andreas Denk

Mehr Aufschluss über das Verhältnis von Kunst und Natur geben die Performances, die vor allem im Juli und August stattfinden. Am Eröffnungstag zeigte der Schweizer Domingo Chaves mit Filip Gudović und Cécile Lempert mit amorphen Kopfverkleidungen und skurrilen Körperstellungen lebende Bilder, die mit der Natur zu befremdlichen Metamorphosen zusammenwuchsen. Am 22. August wird die Bulgarin Daniela Georgieva erwartet, die mit drei weiteren Akteuren und Akteurinnen eine Choreographie zu „Gehen – Springen – Begegnen“ im Park zeigen wird. Einen Tag später zeigt Minna Wündrich eine Performance, die sich mit dem Einfluss der Zeit auf das Verhältnis von Architektur und Park, drinnen und draußen auseinandersetzt. Die Reihe beendet ein Konzert von Julia Bünnagel am Nachmittag des 28. August, bei dem die Kölner Künstlerin mit Waltraud Blischke und Thomas Klein „Drei Audiostücke für Parkbesucher, Himmelgucker und Flugreisende“ aufführen wird. Wem auch das nicht gefällt, der wird sich an der bemerkenswerten Architektur des Landhauses und der Parklandschaft erfreuen können, die den Skulpturen und Interventionen einen überaus idyllischen Rahmen gibt.
Andreas Denk

Lantz’scher Park 
40474 Düsseldorf
Ein Projekt der Kunstkommission Düsseldorf
bis September 2020
www.lantzscherskulpturenpark.de

Titelbild: Domingo Chaves mit Filip Gudović und Cécile Lempert, Dienst, Performance 2020, Foto: Andreas Denk

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