BDA Baden-Württemberg

Entwerfen des Einfachen

Spannende Impulse versprach das Thema „Über das Entwerfen des Einfachen“, zu dem der BDA Karlsruhe im November 2013 ins ‚Architekturschaufenster Karlsruhe‘ geladen hatte. Auf dem Programm standen Vorträge der Architekten Franz Volhard, Dominikus Stark und Nikolaus Bienefeld sowie eine Diskussion, moderiert von Georg Vrachliotis.

Franz Volhard (Schauer + Volhard Architekten BDA Darmstadt) gab in seinem Vortrag eine pragmatische Antwort auf so manche Diskussion über Nachhaltigkeit. Er stellte drei Projekte mit Holz vor – ein Atelierhaus, eine Weiterentwicklung des Eiermann-Tisches ausschließlich mit Holzverbindungen bei Nils Holger Moormann produziert, und das jüngste Werk seines Büros, ein kleines, spektakuläres Wohnhaus. Der Autor eines technischen Standardwerks über Lehmbau verwendet Lehm hier als „fantastischen“ weil wasserlöslichen „Klebstoff“ für Stroh. Die Fassade des Neubaus besteht unter anderem aus einer Stroh-Lehmschale und Innendämmung, ganz ohne Folien. In der Verwendung von Holz und Lehm zeigt sich sein Verständnis von Einfachheit am deutlichsten. „Vor allem müssen die Mittel angemessen eingesetzt werden“, fasst Franz Volhard zusammen.

Dominikus Stark (Dominikus Stark Architekten München) präsentierte ein klar zoniertes Gästehaus in Ligurien, ein luxuriöses Refugium aus Naturstein und Holz. Weit mehr Raum widmete er seinem Education-Center in Ruanda. Mit teilweise folkloristischen Bildern stellte er das präsente Bauwerk vor. Einfach ist besonders die Materialwahl. Alles ist aus handgemachten, in Rot- bis Ockertönen changierenden Ziegeln detailliert gefügt: die wie gewebten Wände und Böden, die monolithischen Bänke. Die lebendigen Steine ergänzt er durch Flechtwerk aus Papyrus.

Nikolaus Bienefeld (Architekt BDA und Künstler, Swisttal-Ollheim) begann seinen Vortrag mit einer farbigen Skizze eines aus Blech scharfkantig gefalteten Beistelltisches – die künstlerische Setzung eines räumlichen Mosaiks. Das Thema Einfachheit kongenial behandelnd stellte er ein Projekt des BDA Rhein-Sieg-Kreis zum Thema „Architektur macht Schule“ vor. Dort kleidete er mit Studierenden der FH-Köln ein Klassenzimmer ganz in Packpapier ein und stellte erst schrittweise den Bezug zu Fenstern und Tafel wieder her. Dabei beobachtete er, welche Raumerfahrungen die Nutzer machten und wie sie ihr Verhalten änderten.

Georg Vrachliotis vom Karlsruher Institut für Technologie moderierte und inspirierte die anschließende Diskussion. Er fragte: nach der Angemessenheit; nach dem Beständigen sowie dem Vergänglichen als eine Qualität; ob das Gewöhnliche nicht besser als das Ungewöhnliche sei und schließlich, ob die Intimsphäre der persönlichen Raumwahrnehmung Ausgangspunkt zum einfachen Entwerfen sei. Einfachheit, meinte er, sei einerseits reduzierend, asketisch und damit begrenzend, andererseits befreiend, etwa von aktuellen Moden oder der Geschwindigkeit. Dominikus Stark wollte sich nicht unbedingt zur Einfachheit bekennen: „Mir geht es immer um eine Idee, um eine Atmosphäre, um ein Bild. … Einfach finde ich uninteressant. Zur Klarheit würde ich sagen: Ja. Diese Klarheit herauszuarbeiten endet dann manchmal sehr reduziert.“ Franz Volhard mahnt: „Wenn man Einfachheit proklamiert, kann man den Bogen auch überziehen, so dass man schlicht banal wird.“ Er warnt vor „mechanischem Denken“, das zu praktischen, einfachen Lösungen mit Reihungen, Wiederholungen, Stapelungen führe. Für Nikolaus Bienefeld ist Einfachheit „schlicht, ungeschminkt, Reduzierung auf das Notwendige. … Aber so einfach ist es leider nicht. Man muss das eine oder andere hinzuzufügen und hat den Wunsch, die Dinge so nachvollziehbar zu entwickeln“. Daraufhin fragte Georg Vrachliotis, inwieweit Einfachheit denn ein ideologisches Werkzeug des Architekten sei, um sich von etwas abzusetzen. Dem widersprach Bienefeld: „Für mich ist Architektur das Bilden vom Großen bis ins Kleinste. Ich möchte auf das Wesentliche reduzieren. Wenn das Absetzen bedeutet, muss ich damit leben.“

Achim Pilz

Achim Pilz arbeitet als freier Journalist und Publizist in Stuttgart.
Fotos: Thomas Ott, Birgit Rehse

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