Nieto Sobejano Ausstellung in München

Erinnerung und Erfindung

In der kleinen aber feinen Architekturgalerie München wurde in der vergangenen Woche im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung „Memory  and Invention“ auch die erste Monografie des spanischen Architekturbüros Nieto Sobejano vorgestellt. Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano hatten sich dafür zunächst bei der Leiterin der Architekturgalerie, Nicola Borgmann, erkundigt, wie der Raum „normaler Weise“ aussehe und sich dann dazu entschieden, Wände und Boden weitestgehend unberührt zu lassen. Augenfällig sind so zwei markante Eingriffe als Ausstellungsarchitektur, die – ganz im Sinne des Ausstellungs- und Buchtitels – dem Bestehenden erinnernd etwas neu Erfundenes hinzufügen. Zum einen ein, den schlauchförmig langen Raum betonender, fugenloser langer Tisch, zum anderen einige Exemplare der Monografie, aufgeschlagen an der Wand.

Auf dem Tisch – laut Borgmann eine konstruktive wie gestalterische „…spanische Meisterleistung“ – versammeln sich diverse Modelle in unterschiedlichen Techniken und Detaillierungsgraden ausgeführte Modelle aus dem gebauten und ungebauten Œuvre der Architekten. Die Bücher, an unterschiedlichen Stellen aufgeblättert und als 90-Winkel an der der Wand befestigt, illustrieren die Schau und ergänzen die ausgestellten Miniaturen um Fotos von Roland Halbe und architektonische Zeichnungen aus dem Büro. Buchpräsentation und Ausstellung werden so von den Architekten geschickt verwoben.

Louisa Hutton, betonte in ihrer Einführung in den Abend, dies sei ein Indiz für die generelle Arbeitsweise des Büros Nieto Sobejano. Die Art „einfühlsamer Eingriffe in historische Substanz“ und so alt und neu geschickt miteinander zu verbinden, würde hier ebenso deutlich, wie an gebauten Beispielen – etwa dem „Kunstmuseum Moritzburg“ in Halle. Mit diesem Projekt, das  Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano 2004 schlagartig auch in Deutschland – auch über die Grenzen von architekturinteressierten Kreisen hinweg – bekannt machte wurden Nieto Sobejano unter anderem mit dem BDA-Architekturpreis „Nike für die beste atmosphärische Wirkung“ ausgezeichnet. Hutton führte ihre persönliche Begeisterung für die Arbeit des Büros auf die Formel zurück, diese sei „…auf der einen Seite sehr vorsichtig, und gleichzeitig auf der anderen Seite formal extrem innovativ.“

Abgerundet wird die Schau durch einen Film und ein großes, frei hängendes Modell des „Centro de Creación Artística Contemporánea C4“ in Cordoba, das auch schon in der Ausstellung „Kultur:Stadt“ zu sehen war. Beleuchtet und über einem Spiegel schwebend macht es Raum- und Lichtkonfiguration des Entwurfs eindrücklich nachvollziehbar. Die Ausstellung „Nieto Sobejano. Memory and Invention“ in der Architekturgalerie in der Münchner Türkenstraße läuft bis zum 9. November, das gleichnamige und sehr feine, englischsprachige Buch ist im Hatje Cantz Verlag erschienen.

David Kasparek

Nieto Sobejano. Memory and Invention
bis 09. November
Mo, Di, Mi 9.30 bis 19.00 Uhr
Do, Fr: 9.30 bis 19.30 Uhr
Sa 9.30 bis 18.00 Uhr
Architekturgalerie München
Türkenstraße 30
80333 München

Fuensanta Nieto, Enrique Sobejano (Hrsg.): Nieto Sobejano. Memory and Invention, Englisch, 260 S., 334 Abb., Texte von Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano, gebunden, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2013, ISBN 978-3-7757-3619-0

Artikel teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*