Künstler gestalten Bahnhöfe für neue Düsseldorfer U-Bahnlinie

Kunst statt Werbung

„In einer eleganten Umgebung benehmen sich die Leute auch besser.“ Mit diesen Worten plädierte Kölns Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner in einem Interview für ästhetisch ansprechende U-Bahnstationen. In vielen Städten ist es Tradition, für die Gestaltung von U-Bahnhöfen Kunst- und Architekturwettbewerbe auszuschreiben. Ob Köln oder Berlin, Wien oder Moskau – Architektur im Untergrund spiegelt ebenso den Zeitgeist wider wie jene oberhalb der Erdoberfläche.

Für Düsseldorfs neue Wehrhahn-Linie, die die Innenstadt in Ost-West-Richtung auf einer Länge von 3,4 Kilometern unterquert, haben sich Architekten und Künstler zusammen getan. In den sechs neuen Stationen gibt es keine Werbeflächen, sondern ein künstlerisch und architektonisch aufeinander abgestimmtes Gesamtkunstwerk. Umgesetzt wird es vom Büro netzwerkarchitekten (Darmstadt) und der Künstlerin Heike Klussmann, die gemeinsam im Jahr 2001 den Architektenwettbewerb gewonnen und das Gesamtkonzept sowie die sechs Stationen mit jeweils einem Künstler oder einer Künstlerin entwickelten haben. Heike Klussmann gestaltete auch das die Stationen verbindende, von ihr so genannte ‚Kontinuum‘. Dabei handelt es sich um eine reliefartige, aus Betonelementen gefertigte Netzstruktur aus unterschiedlich großen Rauten, die an den Tunnelwänden aufgebracht ist.

Thomas Stricker holt das Weltall in die Untergrundstation Benrather Straße: Eine in Edelstahl geprägte Matrix verkleidet die Wände, unterbrochen von großen Panoramafenstern, auf denen Bildschirme mit Planeten, Sternen und Raumschiffen animiert sind. Die Station Pempelforter Straße wurde von Heike Klussmann gestaltet. Sie lässt ausgehend von den Zugängen weiße Bänder über die Wände, die Decken und den Boden der Station laufen. Dabei spielt sie mit den Perspektiven, bricht Blickachsen und verfremdet die räumliche Wahrnehmung. Ursula Damm hat in der Station Schadowstraße eine interaktive Installation geschaffen, deren zentraler LED-Bildschirm in Echtzeit die Bewegungen der Passanten an der Oberfläche übermittelt. Dazu werden auf blauen Glaswänden Luftbilder Düsseldorfs abstrahiert. Ralf Brög stattet drei Zugänge zur Station Heinrich-Heine-Allee mit Soundsystemen aus, über die Klang-Kompositionen verschiedener Künstler zu hören sind. Manuel Franke entwickelte für die Station Graf-Adolf-Platz Wandpaneele aus grünen Glastafeln mit Farbbändern, die die Passanten nach oben oder unten begleiten. Und schließlich schrieb Enne Haehnle für die Station Kirchplatz kurze Texte, deren Schriftzüge sie zu rot gefassten Stahlsträngen schmiedete. Die Textlinien sind an den drei Zugängen und an einem zentralen Lichttrichter angebracht und durch ihre Dreidimensionalität jeweils nur aus bestimmten Perspektiven lesbar.

Eröffnet wird die Wehrhahn-Linie am 20. Februar 2016. An den ersten drei Advents-Samstagen (noch am 12. Dezember) gibt es die Möglichkeit zu einer Vorbesichtigung von je zwei neuen Bahnhöfen.

juri

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