Der Stoff, aus dem die Stadt besteht

Oberfläche als Zeichen

Die Kunsthistorikerin Monika Wagner hat sich seit einiger Zeit einen Namen als Expertin für das Material in der modernen Kunst im Allgemeinen und der Architektur im Speziellen gemacht (siehe der architekt 6/17). Für ihr jüngstes Buch „Marmor und Asphalt. Soziale Oberflächen im Berlin des 20. Jahrhunderts“ hat sie sich drei Epochen vorgenommen, anhand derer sie die Relevanz des Materials für die Stadt betrachtet: die „goldenen“ 1920er Jahre, die Zeit des Berliner Aufstiegs zur Metropole also, die Jahre der geteilten Stadt nach 1945 sowie die Nachwendezeit ab 1989. Schlüssig ist dieser Betrachtung ein Zitat von Siegfried Kracauer aus dem Jahr 1927 vorangestellt: „Der Ort, den eine Epoche im Geschichtsprozess einnimmt, ist aus der Analyse ihrer unscheinbaren Oberflächenäußerungen schlagender zu bestimmen als aus den Urteilen der Epoche über sich selbst.“ Und so fokussiert Wagner ihre Betrachtungen auf die Zeichen, als die die Oberflächen als Stoff, „aus dem die Stadt besteht“, betrachtet werden. Gesellschaftlicher Wandel, ideologische Debatten und die Vorstellungen von Investoren und Erbauern spiegeln sich in den jeweiligen Epochen und lassen so auch das urbane Leben aus anderer Perspektive erscheinen.

David Kasparek

Monika Wagner: Marmor und Asphalt. Soziale Oberflächen im Berlin des 20. Jahrhunderts, 200 S., mit zahlr. Abb., Klappenbroschur, 24,– Euro, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2018, ISBN 978-3-8031-3671-8

Monika Wagner: Marmor und Asphalt. Soziale Oberflächen im Berlin des 20. Jahrhunderts, 200 S., mit zahlr. Abb., Klappenbroschur, 24,– Euro, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2018, ISBN 978-3-8031-3671-8

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