BDA Architekturpreis Rheinland-Pfalz 2015

Pure Architektur

Mit dem BDA Architekturpreis Rheinland-Pfalz wurden in diesem Jahr zwei Projekte ausgezeichnet: der Neubau des Stefan-Andres-Gymnasiums mit Mensa und Bürgerzentrum in Schweich von Harter + Kanzler Architekten BDA, und das Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage in Mainz von Heribert Gies Architekten BDA. Außerdem verlieh der Landesverband seinen Studienpreis an Katharina Oertels Arbeit „Wohnen und Leben um die Zähringer Thomaskirche in Freiburg“, an „Neues Bauen gestern und heute“ am Beispiel der Ernst-May-Siedlung in Frankfurt-Westhausen von Katrin Hammann, Cedric Backs Entwurf „Gravitation – Die traditionelle Weinproduktion“ erhielt ebenso den Studienpreis wie Christoph Baranskis Projekt „Lebewohl“.

Der Vorsitzende des BDA Rheinland-Pfalz, Heinrich Lessing, verwies mit der Auslobung des Studienpreises „…auf die Verantwortung der Architektenausbildung als Grundlage für die künftige Qualität der gebauten Umwelt.“ Mit der Konstellation der zeitgleichen Verleihung beider Preise würde der Zusammenhang zwischen einer erfolgreichen Lehre an den Hochschulen und der Erwartung der Gesellschaft an eine hohe Qualität des Gebauten besonders deutlich, so Lessing. Was die Preisträger von Architektur- und Studienpreis eine, sei Leidenschaft für die Architektur im Sinne der Hingabe: „Für die einen ist es noch eine Vision auf Papier, für die anderen ist die Vision Realität geworden.“

Was aber wurde ausgezeichnet? Das Raumprogramm des Stefan-Andres-Gymnasiums wurde in einem zweigeschossigen, pavillonartigen Baukörper entlang der namensgebenden Stefan-Andres-Straße untergebracht. Die Funktionsbereiche Mensa und Bürgersaal sowie der erste und zweite Bauabschnitt des Gymnasiums zeigen sich im Erdgeschoss als drei eigenständige Baukörper. Das Obergeschoss stellt eine darüber mäandrierende Verbindung der drei Baukörper her. Der Neubau der Architekten Harter und Kanzler beweise, wie eine kritische und kluge Interpretation der Vorgaben für Schulbauten zu einer „…außergewöhnlichen und gleichwohl überzeugenden Architektur führen“ könne.

Das Preisgericht führte weiter aus: „Dies beginnt mit einer städtebaulich präzisen Setzung, die selbstverständlich wirkende öffentliche und halböffentliche Räume erzeugt und der heterogenen Umgebung die notwendige neue bauliche Referenz entgegensetzt, und setzt sich, im Ausdruck des Gebäudes selbst fort, der von der Ausarbeitung dialektischer Gegensätze lebt.“ Damit sei die Schule ein herausragendes Beispiel für eine Architektur, die frei von jeder oberflächlichen Gestik, durch das exakte, seismographische Wahrnehmen der Gegebenheiten und Notwendigkeiten, eine in allen Teilen überzeugende atmosphärische, funktionale und identitätsstiftende Qualität entfalte.

Die zweite, gleichrangige Auszeichnung ging an das Wohn- und Geschäftshaus von Heribert Gies Architekten BDA. Das Haus, so die Jury, sei ein „Ein Haus zum Anfassen“. Es überzeuge „mit hoher handwerklicher Präzision vom Entwurf bis ins Detail“ und sei dabei trotzdem von einer „ausgefallenen Lässigkeit.“ Der verputzte Mauerwerksbau mit einer tragenden 36,5 Zentimeter starken Gebäudehülle wird im Inneren von einer Stützenreihe in Sichtbeton und zwei Kernen mit Nebenräumen gegliedert. Trennende Innenwände in Leichtbauweise und eine feste Möblierung ergänzen diese Struktur, wobei die Tiefe der Stützenreihe so dimensioniert ist, dass sie verschiedene Funktionen aufnehmen kann.

Die Jury argumentierte: „Unaufdringlich, ruhig und sehr eigenständig reiht es sich ein in das alltägliche Umfeld und ist gerade deshalb eine so erfreuliche Abwechslung. Dieses Haus ruht in einem eigenen Selbstverständnis. Kompromisslos und radikal einfach steht hier weder Avantgarde noch Historismus im Vordergrund, sondern pure Architektur. Gerade deswegen erscheint dieses Haus zeitgemäß.“ In der Begründung wird ausgeführt, dass von der Farbkomposition über die Positionierung von Öffnungen und Einschnitten bis hin zum Eingang und den Erschließungselementen ein durch und durch stimmiges und konsequentes Gesamtwerk gelungen sei.

Ebenfalls gleichrangige Anerkennungen erhielten der ökumenische Pavillon der Landesgartenschau Landau von bayer | uhrig Architekten BDA, das Wohnhaus in Bacharach von pape + pape architekten bda, das „Kleine Haus“ in Hohenecken des Architekturbüros Scheder, die bescheiden „Schlösschen“ titulierte Instandsetzung, Umbau und Erweiterung eines denkmalgeschützten Hauses in Oppenheim von Dirk M. Schluppkotten Architekt BDA, und das „Häuser für Kinder“, ein Neubau einer Kindertagesstätte in Alzey, von AV1 Architekten. In die engere Wahl kam zudem das Bischöfliche Gymnasium in Koblenz von Peter Thomé Architekt BDA. Beide Preise hat der BDA Rheinland-Pfalz in je einer eigenen Broschüre dokumentiert, die beim Landesverband angefragt werden kann (Tel.: 06131 / 472050; E-Mail: rheinland-pfalz@architektenBDA.de).

David Kasparek

 

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