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Raumaneignung I

Die Gunst des zweiten Gebrauchs

Von wieder verwendeten, von rezyklierten Flächen in der Stadt handelt ein in Graupappe eingebundenes Buch mit einprägsamer Typographie in schwarz, weiß und gold. In drei Kapiteln berichten verschiedene Autoren von gegenwärtigen, neuen oder schon vergangenen, jedenfalls „hippen“ Projekten, die eine Wiederverwertung brach gefallener, vergessener und vernachlässigter Orte im Auge hatten und haben. Unter „Kulisse“ versammeln die Herausgeber rahmende Texte zur Wandlungsfähigkeit und Resistenz der Städte. Es folgen Beispiele wie die bereits Geschichte gewordene „TentStation“, bei der ein ehemaliges Freibad in Berlin zum  temporären Zeltlager werden konnte, bis zum Projekt „Zwischenzeitzentrale“ (ZZZ) in Bremen. Das Stichwort „Akteure“ bringt im Buch jene „Zwischennutzer“ in den Blick, die zwischen ersten Erfahrungen als Selbständige, Netzwerkbildungen und der ständigen Gefahr des materiellen und sozialen Absturzes viel riskieren. Das dritte Kapitel schließlich ist dem „Fluidum“ gewidmet, der Atmosphäre, die „wilde Partizipationen“ (Stephan Willinger) und das „Urban Reset“ (Angelus Eisinger und Jörg Seifert) mit sich bringen. Die Texte im Buch sind meist kurz, flüchtig geschrieben, schlagwortreich und am Ende meist etwas ratlos. Wer will unter diesen Verhältnissen auch schon sagen, was morgen ist?
Andreas Denk

Michael Ziehl / Sarah Oßwad / Oliver Hasemann / Daniel Schnier (Hg.): SecondHandSpaces. Über das Recyclen von Orten im städtischen Wandel, 464 S., 29,95 Euro, Jovis Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86859-155-2

Anlässlich des Erscheinens des Buches diskutieren der Publizist und Architekturkritiker Wolfgang Kil und der Geograph Bastian Lange (HU Berlin, Leibniz‐Institut für Länderkunde Leipzig) mit den Herausgebern und dem Publikum im Berliner Pro qm.

Donnerstag, 27. September 2012
20.30 Uhr
Pro qm
Almstadtstraße 48-50
10119 Berlin

Weitere Buchempfehlungen zum Thema Raumaneignung finden Sie in der aktuellen Ausgabe der architekt 4/12 „reuse the public. das zweite leben des öffentlichen raums“.

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