David Kasparek

Trial and Error in the City

Szenario I: Unterwegs in der Stadt von heute 

Entschuldigung, ob Sie mal eben mit anfassen könnten?“ Freundlich lächelnd spricht Marcus S. im morgendlichen Passantenstrom einen Fremden an. Der mustert ihn kritisch und sieht einen durchschnittlichen europäischen Großstädter vor sich: auf dem Kopf eine blaue Beanie, eine dieser leichten Baumwoll-Mützen, die Hosen von Carhartt, das weiße ungebügelte Hemd leger aus der Hose hängend. Unter der Mütze schauen verwuschelte Haare heraus , im Gesicht eine markante Brille und einen Sieben-Tage-Bart. Vor ihm steht ein Kinderwagen, darin ein schlafendes Baby – und davor die Treppe hinab zur U-Bahn. Der Blick des Angesprochenen klärt sich: Ah ja, der junge Mann möchte weder seinen alten Fahrschein haben, noch den „Straßenfeger“ verkaufen. Nein, er braucht schlicht Hilfe auf dem Weg zu U-Bahn. Dabei muss er nur drei Stationen fahren – die Kleine muss zum Arzt und sie sind spät dran. Gemeinsam tragen die beiden Männer den Kinderwagen die zweiläufige Treppe zur Station hinunter. Auch an der Zielhaltestelle gibt es keinen Fahrstuhl. Drei Männer mit Kopfhörern bepackt laufen vorbei, den Blick wie in Trance auf ihre Smartphones gerichtet. Eine Frau hilft Marcus S. schließlich, den Kinderwagen mit dem inzwischen erwachten Mädchen die Treppe hinauf zu bugsieren.

Nach der Routineuntersuchung tritt Marcus S. den Rückweg zu Fuß an. So kann er gleich noch einiges fürs Abendessen einkaufen. Viel zu oft, finden Marcus S. und seine Freundin Lara B., geht es ihnen so, dass sie im Alltag auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Dabei leben sie in der Hauptstadt der größten Volkswirtschaft Europas. Aber Aufzüge an U- und S-Bahn-Stationen sind, im Gegensatz zu der einen oder anderen Bank, offenkundig nicht „systemrelevant“. Diese Barriereunfreiheit ist ein stetes Ärgernis im Leben von Marcus S. und Lara B. Gemeinsam leben sie mit ihrem vierjährigen Sohn und der im Frühjahr geborenen Tochter in einer etwas zu kleinen und zu teuren Wohnung. Ziemlich oft, so finden beide, kommen ihre Gespräche beim gemeinsamen Abendessen darauf, wo man heute wieder auf schwer zu überwindende Hürden gestoßen war. Vor allem wenn nur einer der beiden mit den zwei Kindern unterwegs ist wird deutlich, wie viele Grenzen die heute so vermeintlich grenzenlose Welt für Menschen bereit hält, die sich nicht ohne weiteres alleine und auf ihren eigenen Beinen fortbewegen können. Wenn es schon als fitter und junger Mensch so ein Hindernis ist, nur weil man einen Kinderwagen dabei hat, wie müssen sich alte Menschen fühlen, die auf ihren Rollator angewiesen sind, oder jene, die ohne Rollstuhl nicht vorankommen?

Marcus S. ist Mitte dreißig und bei einem großen Kommunikations-Designbüro angestellt – als einer der letzten im Team unbefristet. Der Mutter seiner Kinder ist es da anders ergangen: Seitdem sie nach dem gemeinsamen Studium im Süddeutschen in die Hauptstadt gekommen sind, hangelt sie sich von Praktikum zu Praktikum, von Projekt zu Projekt. Entsprechend knapp ist das Budget derzeit, denn Marcus S. ist momentan in Elternzeit. Nur rund 65 Prozent seines Nettoeinkommens haben sie derzeit zur Verfügung. Sie haben genau gerechnet: mit dem bisschen, was Lara B. von ihrer Tante Gertrud geerbt hat und dem kleinen Polster, das sie sich für genau diese Zeit recht mühsam zusammengespart haben, müssten sie die sieben Monate auskommen. Danach wird Marcus S. wieder anfangen zu arbeiten und Lara B. dann ihren Teil der Elternzeit in Anspruch nehmen. Sie wird noch weniger bekommen als ihr Lebenspartner, denn sie hat als freelancerin bis dato strikt darauf geachtet, ihr Einkommen gegenüber offiziellen Stellen möglichst klein zu rechnen.

Foto: Alper-Çuğun via flickr.com

Dennoch ist Marcus S. mit seiner Situation ganz zufrieden. Lieber etwas bescheidener leben als dauergestresst zu sein. Banker oder Unternehmensberater, wie einer seiner Freunde, wollte er nicht sein. Reisen und Meetings ohne Ende. Die Hölle muss das sein, allein was diese Leute an Flugmeilen zusammensammeln. Keine Gold-Card könnte ihm das aufwiegen. Viel zu viel Stress, viel zu viel CO2, das man bei einem solchen Lebenswandel freisetzt. Was das anbelangt, hat Marcus S. klare Vorstellungen. Fernreisen versuchen seine Freundin und er zu vermeiden. Urlaub machen sie deswegen bevorzugt in Deutschland und dem näheren europäischen Ausland.

Die Idee, auf möglichst kleinem ökologischen Fußabdruck zu leben, hat bei seiner Freundin gar dazu geführt, sich vegan zu ernähren. Marcus S. selbst verzichtet seitdem auf Kuhmilch in Kaffee und Tee, ist auf fair-produzierte Soja-Milch umgestiegen. Die kaufen sie, wie fast alles andere für den täglichen Bedarf auch, beim Bio-Supermarkt um die Ecke – regional, saisonal und mit Fokus auf faire Produktionsbedingungen. Was sie hier nicht bekommen, erstehen sie bei den Filialen großer Super- und Drogeriemarktketten. Eigentlich ist das Quartier gut zu erlaufen – walkable, wie ein Verkehrsplaner aus ihrem Bekanntenkreis immer mit Kennerblick bemerkt. Alles was Lara B. und Marcus S. brauchen, ist in der Nähe. Diese Infrastruktur ist der Hauptgrund, warum sie an ihrer Wohnung festhalten. Etwas Größeres können sie sich bei ihrem Einkommen in dieser Gegend der Stadt auch nicht leisten – weiter hinaus ziehen, wo es günstigeren Wohnraum gibt, kommt aus unterschiedlichen Gründen nicht infrage. In ihrem Kiez aber können die Einkäufe zu Fuß und mit dem Kinderwagen erledigt werden, wenn es schnell gehen muss auch mit dem Rad. Früher hat einer der beiden immer erst nach Feierabend das Nötigste eingekauft. Seitdem das zweite Kind da ist, versuchen sie, alles etwas strukturierter anzugehen: Ein wöchentlicher Großeinkauf in der ‚Bio-Hölle’ – wie sie den Supermarkt ob der oft so gestressten aber angeblich so biodynamischen Miteinkäufer scherzhaft nennen – wird ergänzt durch ein bis zwei kleinere Visiten in der Warenwelt von Kaisers, Rewe, DM und co.

Als sich das zweite Kind ankündigte, hatten Marcus S. und seine Freundin überlegt, ob sie sich nun doch ein Auto anschaffen sollten, kamen aber relativ schnell zu dem Ergebnis, dass nur wenig für ein solches spricht. Allein die vertrackte Parkplatzsituation im Kiez. Aber auch die Tatsache, dass sowohl Arbeitsstelle wie Kindergarten des vierjährigen Sohnes einfach mit dem Rad zu erreichen sind, machten einen Autokauf nicht wirklich notwendig. Zu diesen rein praktischen Überlegungen gesellten sich ökologische: Wenn sich die beiden in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis umschauen, dann sind sie damit nicht allein. Kaum einer ihrer Bekannten besitzt ein eigenes Auto – aber fast alle wohnen auch in kleineren und größeren Städten, kaum einer, der im ländlichen Raum verortet ist. Und so beschränkt sich die Autofahrerschaft in der peergroup von Marcus S. und Lara B. vor allem auf Verwandte, die in der ländlichen Heimat von Marcus S., in Schleswig-Holstein, leben.

Statt eines Autos haben sich Marcus S. und Lara B. kurz vor der Geburt der Tochter ein Lastenrad gekauft. Vor dem Lenker hat es eine große Kiste, in der wahlweise der wöchentliche Großeinkauf, beide Kinder oder auch schon mal das Equipment für den Grillnachmittag mit Freunden im Park passt. Dank dieses Fahrrads und der kurzen Wege im Viertel kommt bei ihnen selten die Notwendigkeit auf, doch ein Auto zu brauchen. Und wenn, dann greifen sie auf die Flotte des Car-Sharing-Unternehmens zurück, bei dem beide als Fahrer angemeldet sind. Das ist zwar stationsgebunden, verfügt dafür aber über eine weitgefächerte Palette unterschiedlicher Fahrzeuge. Die Angebote großer Automobilkonzerne wie DriveNow, hinter dem BMW, der Autoverleiher Sixt und Mini (also letztlich wieder BMW) stecken, oder das von Daimler betriebeneCar2Go punkten zwar mit maximaler Flexibilität – schließlich kann man das geteilte Auto an jedem beliebigen Ort innerhalb des Stadtgebiets abstellen –, sind aber sowohl relativ teuer als auch auf andere Menschen als Lara und Marcus zugeschnitten. Während DriveNow wenigstens ein paar Wagen im Programm hat, in denen alle vier unterkämen, besteht die Car2GoFlotte einzig und allein aus Zweisitzern der Marke Smart. So haben sich beide für das weniger flexible System von Cambio Car-Sharing entschieden, können dafür aber je nach Anlass zwischen allen Klassen, zwischen Kleinwagen und Transporter, wählen. Dann sind die wenigen Fahrten, die die Familie mit dem Auto machen muss oder will, sehr individuell ihrem jeweiligen Anlass angepasst: mal alleine zu einem Termin außerhalb, mal als Familie ins Grüne vor die Tore der Stadt, oder mit dem Transporter zum Baumarkt.

Immerhin, so denkt Marcus S., als er den Kinderwagen mit den Einkäufen und seiner Tochter wieder aus dem Supermarkt schiebt, gibt es bei einigen Car-Sharing-Anbietern inzwischen auch Elektroautos. Für den Stadtverkehr erscheinen ihm diese als die derzeit beste Alternative zu den herkömmlichen verbrennungsmotorgetriebenen Fahrzeugen, bei deren Anblick sich sein Sohn, zu Marcus S. großem Erstaunen, neulich an der Ampel demonstrativ die Nase zuhielt. Definitiv der Einfluss der Mutter, denkt Marcus S. beim Anblick eines neuen E-Carsam Straßenrand lächelnd. Er findet Autos nach wie vor faszinierend – allein als Gestaltungsgegenstand. Nichtsdestotrotz ist er sich sicher, dass dieses Fortbewegungsmittel bald ausgedient hat. Und so verfolgt er gespannt, welche neuen Konzepte sich im Zuge von Energiewende, Rad-Revolution, Demografiewandel und so weiter entwickeln. Eine wirklich schlüssige Antwort, wie individueller Verkehr mit der Gemeinschaft der Stadt vernetzt werden kann, die die Konzeptreife schon überschritten hätte, ist ihm dabei noch nicht untergekommen. Außerdem, das ist Marcus S. bewusst, leben sie im Land des Autolobbyismus.

Zuhause angekommen, verstaut Marcus S. die Einkäufe, während seine Frau die Tochter versorgt. Gemeinsam besorgen sie den Haushalt: Wäsche, putzen, die Spuren des Frühstücks beseitigen und schon bleibt nicht mehr viel Zeit: der Große muss aus dem Kindergarten abgeholt werden. Es droht zu regnen und Marcus S. überlegt, den Bus zu nehmen. Der nämlich fährt die Strecke, die sie sonst in knapp 20 Minuten eigentlich auch gehen könnten, deutlich schneller. Wäre da nicht die schon legendäre Unpünktlichkeit dieser Linie. Sogar einen Blog gibt es im Netz dazu. Alle zehn Minuten soll ein Bus fahren, wenn er denn überhaupt fährt.

Lara B. erinnert sich lachend daran, wie sie einst genervt aufs Taxi auswich, um doch noch pünktlich den Zug am Hauptbahnhof zu erreichen – nachdem sie nervenzehrende 35 Minuten ergebnislos auf den Bus wartete. Auf anderen Strecken, etwa auf dem Weg in Marcus S. Büro, fällt der Bus hingegen eher selten aus. In aller Regel ist er pünktlich, das aber dafür nur drei Mal in der Stunde. Doch Marcus S. hat Glück: Der Bus kommt und ist zu dieser Zeit am Nachmittag auch noch nicht so überfüllt, dass man mit dem Kinderwagen nicht mehr hineinkäme. Auch das ist ihnen schon passiert: In der Rush Hour müssen sie schon mal einen Bus weiterfahren lassen, weil sie partout keinen Platz darin finden können. Und das, obschon Marcus S. in dieser Hinsicht relativ hartnäckig ist.

Foto: Labra Holzapfel, via flickr.com

Er rafft ein paar Sachen zusammen, die er für den erneuten kurzen Ausflug benötigt: eine frische Windel, um das im Korb des Kinderwagens deponierte Wickelset wieder aufzufüllen, einen kleinen Snack und etwas zu trinken für seinen Sohn. Im Anschluss an den Kindergarten stehen schließlich noch einige Besorgungen auf dem Programm: Der Große braucht neue Schuhe, für die Stehlampe im Wohnzimmer muss eine neue Birne her. Für beides hat die Familie nach ihrem Zuzug inzwischen Händler ihres Vertrauens gefunden. Allerdings nicht im Viertel. Marcus S. muss dafür erneut auf S- und U-Bahn ausweichen. Trotzdem ist ihm dieser Aufwand, die Dinge in einem Laden vor Ort zu kaufen, immer noch lieber, als sie im Internet zu bestellen. Er ist noch immer von dem naiven Gedanken beseelt, auf diese Weise den Einzelhandel zu stärken. Auch wenn es sich – wie sein Beraterfreund neulich bei einem Bier schmunzelnd erklärte – eigentlich nur um lebensverlängernde Maßnahmen handele und von einer tatsächlichen Stärkung keine Rede sein könne. Dem Internethandel gehöre nicht nur die Zukunft, sondern schon ein Großteil der Gegenwart. Der Vielflieger, der gerne schon jetzt so viele Meilen sammeln würde wie seine Projektleiterin, bestellt inzwischen fast ausschließlich im Internet. Sogar seine Einkäufe im Supermarkt erledigt er vom Büro aus per App und lässt sich nach Feierabend, so gegen 22 Uhr, ein pralles Füllhorn in Form eines Lieferwagens bis vor die Haustür und vom Boten weiter bis in seine Altbauwohnung im vierten Stock liefern. Für Lara B. und Marcus S. ist das keine Alternative.

Nun also nimmt Marcus S. den Bus – während Lara B. am heimischen Rechner versucht, ihr Portfolio aufzupolieren, mit dem sie sich während ihres Teils der Elternzeit erneut bei einigen Büros bewerben möchte. Wenn die Kleine mit gut anderthalb Jahren in den Kindergarten kommt, will sie zumindest wieder halbtags arbeiten. Marcus S. stellt unterdessen wieder einmal fest, dass im Bus deutlich mehr alte und körperlich beeinträchtigte Menschen unterwegs sind, als in der U-Bahn. Neben ihm, in der Mitte des Busses, sitzt ein Rollstuhlfahrer und bei ihm seine Bekannte, die sich mit der einen Hand an der gelben Haltestange festkrallt, während sie versucht, mit der anderen ihre Gehhilfe aus der Lichtschranke der Tür zu ziehen. Als ihr das auch beim dritten Anlauf unter lautem Gepiepe der Tür nicht gelingt, schnauzt sie der Fahrer über die Sprechanlage an Bord an. „Dit is Berlin, wa!“ ruft ein Halbstarker von der Rückbank, während eine Frau der alten Dame hilft, die Gehhilfe unter Kontrolle zu bringen.

Nachdem auch das zweite Kind eingesammelt ist und auf dem am Kinderwagen fixierten Rollbrett steht, geht es weiter. Zunächst zur U-Bahn. An dieser Station, das wissen Vater und Sohn, sind selten Passanten anzutreffen, auf deren Hilfsbereitschaft sie zählen könnten. Und so trägt Marcus S. auch dieses Mal umständlich den Kinderwagen mit der Tochter die Treppe hinunter, während sein Sohn mit bangem Blick auf das im Wagen hin und her schaukelnde Köpfchen seiner Schwester schaut. Einige Stationen später wechseln sie von der U- in die S-Bahn. Immerhin: Hier gibt es einen Fahrstuhl. Genauer gesagt, drei. Mit dem ersten geht es vom Bahnsteig der U-Bahn auf die Zwischenebene. Sie laufen einige Meter durch einen Tunnel, vorbei an Backshops und einem Klarinettenspieler, der den Blick des Sohnes für einige Momente fesselt, dann geht es weiter mit einem zweiten Aufzug von der Zwischenebene in die Bahnhofshalle. Nach einigen Metern entlang von Schuh-, Buch- und Souvenirläden kommen sie zum dritten Fahrstuhl. Der lässt auf sich warten. Als er endlich in der Halle ankommt, ist er voll. Ein Halbgeschoss weiter unten sind zwei korpulente Frauen mit gigantischen Rollkoffern eingestiegen. Den Großen freut’s, kann er doch ein weiteres Mal auf den Knopf mit dem hinterleuchteten Dreieck drücken und die Stimme ertönen lassen, die – der Qualität der Lautsprecher und eingestellten Lautstärke wegen – schaurig metallisch kundtut, auf welcher Ebene dieses Umsteigeknotenpunktes man sich gerade befindet. Sage und schreibe elf Minuten werden sie für das Umsteigen gebraucht haben, als sie auf dem S-Bahnsteig ankommen. Und das, wo man die Strecke normalen Schrittes in weniger als zwei Minuten überwunden hat, wie Lara B. kürzlich ermittelte, als sie ohne die Kinder unterwegs war.

Nachdem die Schuhe gefunden und für die Leuchte eine LED-Birne erstanden ist, geht es den gleichen Weg zurück – dieses Mal mit unwesentlich schnellerem Umstieg und mit der Bahn weiter in Richtung Wohnung. An „ihrer“ Station gibt es zwei Aufzüge. Wieder fahren sie zunächst auf die Zwischenebene, dann geht es weiter hinauf auf die Straße. Hier wird Marcus S. allerdings auf der falschen Straßenseite ausgespuckt – eine Alternative gibt es nicht, weder ein anderer Fahrstuhl, noch eine Rolltreppe. Die breite, dicht befahrene Straße wird an dieser Stelle von einer mittigen Barriere getrennt, sodass man sie mit dem Kinderwagen nicht überqueren kann. Und so geht Marcus S. rund zweihundert Meter in die seinem Ziel entgegengesetzte Richtung und überquert die Verkehrsschneise, die hier in der Stadt liegt wie das Zeugnis einer anderen Epoche, an der nächst gelegenen Ampel. Deren Grünphase ist derart kurz, dass sie stets auf der Fußgängerinsel in der Mitte, umtost vom Verkehr, auf die nächste warten müssen. Von hier aus sind es nur noch wenige Gehminuten bis nach Hause. Marcus S. findet es immer wieder erstaunlich, wie wenig adäquat unsere Infrastrukturen für seine derzeitige, und vielleicht auch für eine spätere Lebensphase sind – und wie wenig ihm das vor der Geburt der Kinder bewusst war.

David Kasparek

Dipl.-Ing. David Kasparek (*1981) studierte Architektur in Köln. Er war Mitarbeiter des „Unortkataster Köln“ an der Kölner Kunsthochschule für Medien und als Gründungspartner des Gestaltungsbüros friedwurm: Gestaltung und Kommunikation als freier Autor, Grafiker und Journalist tätig. Nach einem Volontariat in der Redaktion von der architekt ist er dort seit 2008 als Redakteur tätig. David Kasparek lebt und arbeitet in Berlin.

Fotos: Alper Çuğun, Christian R. H., Hauptillusionator, Gerrit-Quast, Labra Holzapfel, CC-BY-NC-ND-2.0, via flickr.com, Tristan Vankann / Cambio

Artikel teilen:

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*