Andreas Tönnesmann (1953–2014)

Uomo Universale

Eine mit hoher Sensibilität gepaarte Offenheit für neue spartenübergreifende Diskurse wird neben seinem beeindruckenden akademischen Werdegang denen im Gedächtnis bleiben, die das Glück hatten, mit ihm zu arbeiten und bei ihm zu lernen. Andreas Tönnesmann war jemand, der die seltene Gabe besaß, in Forschung und Lehre gleichermaßen Außergewöhnliches zu vollbringen, Freude an neuen ungewöhnlichen Wegen hatte und dem die Lehre und Diskussion mit den Studenten am Herzen lag. Das Thema „Idealstadt“ ließ ihn über die Jahre hinweg nicht los: Beginnend in der italienischen Renaissance mit einem schmalen, ausgezeichneten Band über Piazenza (1990), einer Untersuchung über Urbino und „Die Nase Italiens“ von Federico da Montefeltro (2005) und schließlich die Betrachtungen über die Struktur der „Idealstadt“ Monopoly (2011).

Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften in Deutschland und Italien sowie einer Forschungstätigkeit an der Bibliotheca Hertziana in Rom, lehrte er von 1991 bis 2000 an den Universitäten in Bonn und Augsburg. Von 2006 bis 2010 leitete er das Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) der ETH Zürich, von 2007 bis 2009 auch das gesamte Departement Architektur der ETH.

Andreas Tönnesmann wurde in zahlreiche Institutionen berufen, unter anderem war er Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Gerda Henkel Stiftung und er gehörte zum Kuratorium der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel und des Kunsthistorischen Instituts in Florenz. Seine 2013 erschienene Anthologie „Die Freiheit des Betrachtens“ vereint seine unterschiedlichsten Interessen und Begabungen und zeigt ihn als einen „uomo universale“, der einen Bogen von der Architektur der Renaissance über die Moderne mit Hans Scharoun und Le Corbusier spannte, aber auch über Thomas Mann oder eben „Idealstadt Monopoly“ in einer  spartenübergreifenden Verbindung von Kunst, Literatur, Wissenschaft und Gesellschaft. Andreas Tönnesmann erlag am 23. Mai einer langen schweren Krankheit mit nur 61 Jahren.

Beate Eckstein

Foto: ETH Zürich, Lehrstuhl für Kunst- und Architekturgeschichte

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