Zum Tode des Fotografen Robert Häusser

Vom Suchen und Finden

„Ich erfinde meine Bilderwelt nicht, sondern ich finde sie. Ich suche die Begegnung mit ihr, ich suche die Auseinandersetzung.“ So hatte der Fotograf Robert Häusser seine Arbeit einst selbst umschrieben. Ausschließlich schwarz/weiß fotografierte der 1924 in Stuttgart Geborene, oft streng symmetrisch im Bildaufbau. Die Familie Häussers wurde unter den Nazis verfolgt, versuchte sich nach dem Krieg zunächst in Ostdeutschland und wurde schließlich 1952 in Mannheim heimisch.

Robert Häusser gilt als einer der Wegbereiter zeitgenössischer Fotografie hierzulande. Dabei umfasst sein Œuvre sowohl die bis zur fast vollständigen Abstraktion getriebene Gegenständlichkeit, Bilder industriell gefertigter Teile, wie auch Personen bei der Arbeit und Porträtfotografien – letztere zum Beispiel vom damaligen Bundeskanzler Willy Brandt, dem Philosophen Ernst Bloch oder dem Dramatiker Friedrich Dürrenmatt.

Legendär ist die Dokumentation der Berliner Mauer, die Häusser zwischen 1961 und 1963 erstellte und die 2010 in einer umfänglichen Schau in den Reiss-Engelhorn-Museen gezeigt wurde. Häusser: „Im Endstadium der Mauer hatten wir uns eigentlich an das Bild gewöhnt – aber in den ersten Jahren, da beherrscht der Freiheitsverlust die Stimmung.“ Fotografisch hatte er die absurd-abrupte Zäsur festgehalten, die der „Anti-Imperialistische Schutzwall“ tatsächlich darstellte: plötzlich endende Schienenbetten, zugemauerte Fenster, aber auch Grenzsoldaten und – vielleicht am eindrücklichsten – ein im Stacheldraht hängendes Kinderbett.

„Seine Bilder spekulieren nicht auf vordergründige Effekte und schnellen Konsum, sondern fordern vom Betrachter eine kontemplative Annäherung, um ihren Gehalt zu erschließen“, so ein Sprecher der Reiss-Engelhorn-Museen, die den fotografischen Nachlass und das komplette Archiv Häussers seit 2002 verwalten. Dort zeigt das Forum Internationale Photographie derzeit die Ausstellung „Robert Häusser – Im Auftrag… Fotografien aus Handwerk und Industrie“. Über hundert Aufnahmen im Groß- bis Mittelformat sind noch bis zum 12. Januar des nächsten Jahres zu sehen. Robert Häusser, der suchende Finder hinter der Kamera, starb am Montag im Alter von 88 Jahren in Mannheim.

David Kasparek

Robert Häusser – Im Auftrag…
Fotografien aus Handwerk und Industrie

Reiss-Engelhorn-Museen
Forum Internationale Photographie
Museum Zeughaus C5
68159 Mannheim
bis 12. Januar 2014
Di – So 11 – 18 Uhr
6,– Euro/ermäßigt 3,– Euro

Katalog zur Ausstellung
Alfried Wieczorek, Claude W. Sui (Hrsg.): Robert Häusser – Im Auftrag… Fotografien aus Handwerk und Industrie, 120 S., mehr als 110 S/W-Abb., Hardcover, 29,90 Euro (Museumspreis), Kehrer Verlag, Heidelberg 2013, ISBN: 978-3-86828-389-1

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