Ausstellung zu Leoni Wirth in Dresden

Von Pusteblumen und Abstraktionen

Der Pusteblumenbrunnen war und ist Erkennungszeichen, visuelle Marke und Spaßangebot inmitten der Prager Straße und gleichzeitig Zeugnis einer großzügigen, heiteren Moderne der 1960er Jahre. Er war, neben weiteren Brunnenanlagen in Kelch- und Fliegenpilzform, integraler Bestandteil der präzise durchkomponierten Freiflächengestaltungen, die der Prager Straße direkt nach ihrer Neugestaltung eine hohe Aufenthaltsqualität bescherte. 2004, zur Zeit der Umgestaltung der Fußgängerzone, war die Anlage Gegenstand eines Urheberrechtsstreits, als sich die Architektin Leoni Wirth (1935 – 2012) letztlich erfolglos gegen die Demontage des Brunnens wehrte: Der Brunnen wurde verkleinert und Teile in Dresden-Prohlis neu aufgestellt.

Nun widmet das Kunsthaus Dresden der Bildhauerin, Raumplanerin und Architektin eine Ausstellung: „Ortstermin mit Leoni Wirth“ zeigt erstmals Modelle und Entwürfe aus dem Atelier der Dresdnerin unter Betonung des Werkstattcharakters des Materials und mit besonderem Fokus auf den Aspekt der eigenständigen formalen Entwicklung abstrakter Motive. Neben Fragen nach biographischer und kunsthistorischer Verortung des Werkes spiegeln Arbeiten von sechs zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern die Relevanz und Aktualität des abstrakten Formenvokabulars für die zeitgenössische Kunst. Vertreten sind Rimma Arslanov, Susan Hefuna, Margret Hoppe, Ali Kaaf, Su-Ran Sichling und Mona Vatamanu mit Florin Tudor. Die Gegenüberstellung hat das Ziel, „eine Differenz der Entstehungskontexte“ aufzuzeigen und „dadurch gängige Zuschreibungen an die Abstraktion seit der späten Moderne noch einmal zu überprüfen“, heißt es im Ankündigungstext der Ausstellung.

Von links nach rechts: Margret Hoppe: Fotografien aus den Serien "Après une architecture", 2012-2014 und "Cotton and Capital - Le Corbusier in India", 2015. © Margret Hoppe, VG Bildkunst Bonn. Su-Ran Sichling: Gelehrtensteine (1950), (1950), (1970), (1970), 2015. Foto: David Brandt

Von links nach rechts: Margret Hoppe: Fotografien aus den Serien „Après une architecture“, 2012-2014 und „Cotton and Capital – Le Corbusier in India“, 2015. © Margret Hoppe, VG Bildkunst Bonn. Su-Ran Sichling: Gelehrtensteine (1950), (1950), (1970), (1970), 2015. Foto: David Brandt

Weiter führen die Kuratoren Torsten Birne und Christiane Mennicke-Schwarz aus: „Vor dem Hintergrund einer fortlaufenden Krise traditioneller Bildsprachen öffnen die Arbeiten den Blick für die ästhetischen Erfahrungen einer globalen Moderne: Zwischen den Traditionen moderner Skulptur, den Architekturen islamisch geprägter Räume und den ikonischen Bauten Le Corbusiers bewegen sich die Bezüge der künstlerischen Arbeiten, sie greifen Formen des Naturhaften in Gelehrtensteinen (Suiseki) und der deutschen Nachkriegsmoderne auf und spiegeln neben der Gewalt aktueller politischer und kultureller Veränderungen die Moderne als einen gemeinsamen Prozess. In den Entwürfen von Leoni Wirth wie auch den zeitgenössischen Arbeiten der Ausstellung bleibt die abstrakte Form eine lebendige ästhetische Gratwanderung und eine Einladung zum Sehen.“
Red.

Ortstermin mit Leoni Wirth
bis 6. März 2016
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag, 14.00 bis 19.00 Uhr, Freitag bis Sonntag 11.00 bis 19.00 Uhr
Eintritt: 4,- Euro, 2,50 Euro ermäßigt, Freitag Eintritt frei

Kunsthaus Dresden
Städtische Galerie für Gegenwartskunst
Rähnitzgasse 8
01097 Dresden

Fotos: Deutsche Fotothek‎, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de; Foto Ausstellungsansichten: David Brandt

Artikel teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*