Wohnhaus von pasel.kuenzel architects in Leiden

Architektonische Filter

Die Region entlang der niederländischen Nordseeküste zwischen Amsterdam und Rotterdam gilt als eine der am dichtest besiedelten Agglomerationen Europas. Fast fließend gehen von Amsterdam im Norden Haarlem, Noordwijk, Leiden und Den Haag in einem Siedlungsteppich auf, der seinen vorläufigen südlichen Abschluss in Rotterdam und dem Delta aus Rhein, Maas und Waal findet – ehe es auf belgischer Seite noch etwas dichter besiedelt weiter geht. Mittendrin liegt die alte Universitätsstadt Leiden. Im Vorort Nieuw Leyden hat das niederländisch-deutsche Architekturbüro pasel.kuenzel architects  jüngst ein Wohnhaus fertiggestellt, das den Balanceakt zwischen urbaner Dichte und einfamilienhaushafter Abschottung auf einem sieben mal 15 Meter großen Grundstück gelungen meistert.

Entsprechend umreißen die Architekten die grundlegenden Fragestellungen der Bauaufgabe trefflich: „In innerstädtischen Wohnsituationen stellt sich die Frage der Privatheit meist ganz zu Anfang. Im Außenbereich des Gebäudes fragt man sich, wo man sein Fahrrad abstellen kann, wenn man von der Arbeit nach Hause kommt, wo man sich im Regen unterstellen kann, während man seinen Schlüssel sucht oder wo man sich anlehnen kann, wenn man mit den Nachbarn plaudert.“ Auf drei Etagen staffelt sich das Reihenhaus nach oben. Dabei finden die Architekten vor allem architektonische Lösungen, um den inklusiven Raum der Stadtgemeinschaft sukzessive an den exklusiven Raum des Hausbewohners anzuschließen. Über eine Art halböffentlichen Mini-Vorhof schleust die Wegeführung Bewohner wie Besucher zunächst an einem Kern vorbei, der Abstellräume, Treppe, WC und die Küchenzeile aufnimmt.

Erst nach diesem halbprivaten Puffer gelangt man in die privaten Räume. Im Erdgeschoss sind das zunächst die große Wohnküche und ein kleiner Hof. Auch dies Räume, die die Möglichkeit bieten, noch eine Teilöffentlichkeit zu leben. Im ersten Stock folgen dann drei private Zimmer, sowie – wieder als eingestellter Kern – Bad und WC. Die Fensterfronten in diesem Geschoss, das durch seine Auskragung den Eingangshof zur Straße fasst, lassen sich durch raumhohe, drehbare Holzpanele individuell zur Stadt hin öffnen oder schließen. Zudem fungieren sie als Schutz gegen die Wärme der sommerlichen Sonne. Den räumlichen Abschluss schließlich bildet ein Dachstudio, das deutlich Abstand von der Straßenkante nimmt, sich damit den direkten Einblicken entzieht und mit einem unverstellten Blick auf die Altstadt von Leiden aufwarten kann.

David Kasparek

pasel.kuenzel architects, Wohnhaus V12K03, Leiden, Niederlande, 2015-2017
Bauherrr: privat
Standort: Nieuw Leyden, Leiden, Niederlande
Wohnfläche: 180 qm
Foto: pasel.kuenzel

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