Tagung zu Fotografien aus NS-Lagern

Bilder, die es nicht geben dürfte

Im August 2015 stellte sich die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück dem Thema „Fotografie in Konzentrationslagern. Praxis, Funktionen und Überlieferungen“. Während einer Sommer-Universität wurde das komplexe Thema in seiner Spannbreite von „Täter-Bildern“, SS-Alben, privaten Fotoaufnahmen sowie der Fotografie der Alliierten bei der Befreiung der Lager diskutiert.

Die Sommer-Universität regte zu einer Reihe von Fragen an, die in der Konferenz „Fotografien aus den Lagern des NS-Regimes“ am 10. und 11. November 2016 am universitären Centrum für Jüdische Studien in Graz weiter verfolgt werden sollen: Was zeigen die einzelnen Fotografien und was lassen sie aus? Gibt es eine Häufung bestimmter Motive und lässt sich daraus eine Bildgeschichte ableiten? Welche Bedeutung hatten die Fotografien für das Selbstverständnis des NS-Systems? Was lassen die Bilder an Aussagen über die Täter oder Opfer zu? Welche Bildtraditionen sind in die Fotografien eingegangen?

Für die Konzentrationslager galt ein striktes Fotografieverbot. Der immense Bestand an überliefertem Fotomaterial zeigt etwas, was es nach Anweisung der Lagerkommandanten nicht geben sollte – oder nur so, wie es mittels der autorisierten und in offiziellem Auftrag erstellten Fotografien erlaubt war. Vor dem historischen Hintergrund eines Generationenwechsels – dem Verschwinden der Instanz der Zeitzeugen – stellt sich die Frage nach Bedeutung und Wirkung der überlieferten Fotografien in neuer Weise.

Für die Tagung wurde ein Call for Papers ausgeschrieben. Besonders willkommen sind Studien, die ihre Bildquellen präzise bestimmen und in eingegrenzten Fallstudien präsentieren. Das Spektrum der Fotografie aus den Lagern reicht von Einzelfotografien und Fotoalben, den offiziellen Aufnahmen des Erkennungsdienstes und Veröffentlichungen in Illustrierten, über die heimlichen Aufnahmen der Häftlinge und der „Befreiungsfotografie“ der Alliierten bis hin zum „Nachleben“ der Fotografien im Prozess der Erinnerung seit 1945. All diese verschiedenen Bereiche können zum Thema gemacht werden.
Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Die Organisatoren bemühen sich darum, dass Reise- und Aufenthaltskosten übernommen werden können. Themenvorschläge für einen Vortrag von 25 Minuten Länge sowie ein kurzer Lebenslauf können bis zum 15. April 2016 eingereicht werden.
Red.

Call for Papers: Fotografien aus den Lagern des NS-Regimes
Tagung des Centrums für Jüdische Studien der Karl-Franzens-Universität Graz
10. – 11. November 2016
Themenvorschläge bis zum 15. April 2016 an: hildegard.fruebis@uni-graz.at

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