Ausstellung zum Werk Otto Bartnings

Der bekannte Unbekannte

Otto Bartning, 1883 in Karlsruhe geboren, war in seiner Zeit einer der einflussreichsten Protagonisten des protestantischen Kirchenbaus in Deutschland. Nicht zuletzt durch seine oft sehr individuellen Raumkompositionen gingen von den Bauten Bartnings auch international wirksame Impulse aus. Doch nicht nur seine Architektur, auch seine Pragmatik und sein Talent zur Zusammenarbeit und dem, was man heute wohl als networking bezeichnet, wurde Otto Bartning im In- und Ausland geschätzt. Obschon sein Name bis heute durchaus prominent ist, Schulen oder Straßen nach ihm benannt sind, ist sein architektonisches Werk in einem erstaunlich geringen publizistischen Umfang aufgearbeitet. Am 30. März eröffnet in der Akademie der Künste im Berliner Hanseatenweg nun eine Ausstellung, die diesem Umstand etwas entgegen setzen möchte.

Bartning, von 1950 bis zu seinem Tod 1959 in Darmstadt Präsident des Bundes Deutscher Architekten BDA, war in vier Epochen deutscher Geschichte aktiv: er veröffentlichte bereits ab 1907 kritische Texte gegen die „Stilbaubewegung“, schloss sich dem Werkbund an, begann mit Kollegen wie Bruno Taut und Walter Gropius die Weimarer Republik architektonisch zu prägen und sorgte nach dem Ende des Nazi-Terrors für eine erneute Bekanntheit der modernen Bauformen. Anlässlich des Reformationsjahres 2017 widmet sich die von Sandra Wagner-Conzelmann kuratierte Schau mit dem Untertitel „Architekt einer sozialen Moderne“ in besonderer Weise den Kirchenbauten Bartnings. 1919 hatte der Architekt seine programmatische Schrift „Vom neuen Kirchenbau“ veröffentlicht, in der – neben den geplanten und gebauten Entwürfen – deutlich wurde, in welch individueller Dialektik Bartning Sakrales und Profanes entwickelte. Aus dem Jahr 1922 etwa stammt der legendäre erste Entwurf für die Sternkirche, 1928 entstand auf der Kölner Ausstellung „Pressa“ eine in ihrer äußeren Erscheinung formal wirkmächtige wie im Innern atmosphärisch dichte Stahlkirche, während er in den Jahren zwischen 1947 und 1952 zahlreiche Notkirchen plante, die in Ost wie West aus oft vorgefertigten Bauteilen und in Selbsthilfe in verschiedenen Varianten gebaut wurden.

Mit dem Ausstellungsort im Berliner Hansaviertel, an dessen Planungen Bartning auch beteiligt war, schließt sich für die Ausstellung in der Akademie der Künste ein inhaltlicher dichter Kreis, jährt sich doch die Errichtung der Interbau-Projekte am Tiergarten in diesem Jahr zum sechzigsten Mal.

David Kasparek

Otto Bartning (1883–1959). Architekt einer sozialen Moderne
Ausstellungseröffnung: 30. März, 19.00 Uhr
Mit Sandra Wagner-Conzelmann, Philip Kurz, Hans Jürgen Prömel
Laufzeit: 31. März – 18. Juni
Öffnungszeiten: Di 11.00–20.00 Uhr, Mi–So 11.00–19.00 Uhr
Ostermontag, 1. Mai und Pfingstmontag geöffnet
Führungen: Di 18.00 Uhr, So 12.00 Uhr

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