Isay Weinfeld-Ausstellung im Architekturzentrum Wien

Einer, der zuhört

„Wissen Sie, ich halte nichts von einer Architektur, bei der sich der Urheber als Genie versteht. Ich bin einfach nur ein Zuhörer, der die Fähigkeit besitzt, das Gehörte in Gebautes zu verwandeln. Und ich bin ein verdammt guter Zuhörer.“ Dies sagt Isay Weinfeld, wenn man ihn nach seiner Arbeitsweise fragt. Eine Auswahl seiner Verwandlungen ist bis zum 23. Februar im Architekturzentrum Wien ausgestellt.

Der renommierte brasilianische, in Europa bisher wenig bekannte Architekt, Designer und Filmemacher hat 2014 den Wettbewerb um die Neugestaltung des Heumarktareals in Wien gewonnen. Sein Entwurf wurde von verschiedenen Seiten kritisiert, insbesondere sorgte die geplante Errichtung eines 73 Meter hohen Wohnturms zwischen dem Hotel Intercontinental und dem Eislaufverein für Debatten. Die UNESCO hat bereits angekündigt, dass die Gebäudehöhe den Status des Weltkulturerbes der Wiener Innenstadt gefährde. Es bleibt also abzuwarten, wie sich das Projekt weiterentwickelt. Doch Isay Weinfeld plant noch mehr für das Areal: Zahlreiche Orte für Sportveranstaltungen, Open-Air-Konzerte und Freizeitaktivitäten sollen entstehen und damit eine Art zweites Museumsquartier. Es zeigt, wie Weinfeld denkt, denn ihm geht es immer auch um eine Gestaltung des öffentlichen Raums für die Benutzerinnen und Benutzer. Dabei geht er durchaus unkonventionell vor: Als ihn 2002 ein privater Investor mit dem Bau eines Restaurants in Sao Paolo beauftragte, präsentierte er ihm stattdessen die Pläne für einen öffentlichen Platz, weil er fand, dass diesen die Stadt dringender bräuchte: Der Praça da Amauri gewann zahlreiche Preise.

Das Architekturzentrum fasst seinen Stil zusammen: „Weinfeld vereint mühelos scheinbare Gegensätze: tropisch mit modern, spielerisch mit reduziert, minimalistisch mit raffiniert. Wie kein anderer hat er es geschafft, einen sensiblen, eleganten und modernen Architekturstil brasilianischer Prägung zu entwickeln.“ Da sich Weinfeld in mehreren Professionen zu Hause fühlt und auch in den Bereichen Innenausstattung, Möbel- und Objektdesign wirkt, sind seine Gebäude meist von einer Hand durch gestaltet – vom Türgriff bis zur Schrankwand. In der Ausstellung, von der man sich unter diesem Youtube-Link einen Eindruck verschaffen kann, werden seine Arbeiten an Hand von Fragmenten wie Stiegenaufgang oder Hauseingang vorgestellt und durch Kurzfilme und Fotografien aus seinem Œuvre ergänzt.

Juliane Richter

A bis Z. Die Welt von Isay Weinfeld
bis 23. Februar 2015
Öffnungszeiten: täglich 10.00 – 19.00 Uhr
Tickets: 8,- Euro / ermäßigt 6,- Euro, Schüler 2,50 Euro, Studierende: mittwochs freier Eintritt von 17.00 – 19.00 Uhr

Architekturzentrum Wien – Alte Halle
Museumsplatz 1
1070 Wien
Österreich

Artikel teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*