max40

Hilfestellung ja, Patentrezepte nein

In München wurde anlässlich der Eröffnung der Ausstellung zum BDA-Architekturpries „max40“ darüber diskutiert, warum es für junge Architekten so schwer ist, beruflich Fuß zu fassen.

Reichlich unbequeme Fragen standen am Beginn der Ausstellungseröffnung. Der von den fünf Landesverbänden Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland gemeinsam ausgelobte BDA-Architekturpreis für junge Architekten max40 wird bis zum 9. März in den Räumen der Münchener Lokalbaukommission gezeigt. Zur Vernissage mit den prämierten und ausgezeichneten Arbeiten wurde über ein Thema diskutiert, das naheliegt: Wie verbessert man die Chancen von Architekturbüros junger Inhaber? Jacqueline Charlier, stellvertretende Stadtbaurätin, hatte sichtlich Freude an der Aufgabe, die Ausstellung zu eröffnen, auf den Ernst der Lage wies die Vorsitzende des BDA Bayern, Lydia Haack hin: Welche Zukunft haben wir, wenn wir heute denen keine Chance geben, die morgen Verantwortung tragen sollen? In den Kammern der fünf beteiligten Ländern sind etwa die Hälfte aller freischaffenden Hochbauarchitekten Deutschlands registriert, doch nur 37 Einreichungen wurden bei max40 juriert. Über die Qualität der eingereichten Projekte ist damit zwar keine Aussage gemacht, bedenklich stimmen diese Zahlen dennoch.

Fünf der sechs Preisträger kommen aus München. Sie eröffneten den Abend mit kritischen und mitunter fast sarkastischen Fragen an das Podium. Warum sind in der Architektur, anders als in anderen Berufen, die Jungen, die Tatkräftigen und Unkonventionellen so wenig gefragt? Können ältere Generationen früher abgeben? Warum sollte ein Bauherr ein Risiko eingehen? Warum sind Ökonomie und technische Details ein Kriterium für gute Architektur, die Gestaltqualität aber nachrangig?

Auf dem Podium hatten sich Vertreter der Lokalbaukommission, der Obersten Baubehörde des Landes, der Wohnungswirtschaft und der Politik diesen Fragen zu stellen. Und sie mussten die Erfahrungen, die den kritischen Fragen zugrunde liegt, meist bestätigen. Jonas Merzenbacher, Bürgermeister von Gundelsheim, ist zwar selbst davon überzeugt, dass Wettbewerbe ein wichtiges Instrument sind, das zu selten eingesetzt wird. Er konnte aber auch davon berichten, dass für seine Kollegen die Frage nach den Kosten stets die erste ist, wenn er versucht, ihnen die Vorteile eines Wettbewerbs nahezubringen und sie vor Ort anhand guter Beispiel von der Bedeutung gelungener Bauten zu überzeugen. Er wusste allerdings auch, dass viele Wettbewerbe oft schlecht und ungenau vorbereitet werden, Wünsche über das Raumprogramm erst in einer späteren Phase geäußert werden und deswegen den Bau verzögern und zusätzliche Kosten verursachen. Thomas Mühlender ist in der Obersten Baubehörde des Landes Bayern für die Städtebauförderung zuständig – er konnte die Rolle von guten Beispielen als Vorbild bestätigen, meinte aber auch, dass es viel zu wenige davon gebe. Hier wollte er die Architekten nicht ganz aus der Verantwortung nehmen und forderte sie auf, sich mehr auf den ländlichen Raum zu konzentrieren und dort insbesondere Umbau und Sanierung als Tätigkeitsfeld zu nutzen. Er ermutigte die Architekten, direkt selbst in den Gemeinden das Gespräch zu suchen und so auch eine Sensibilität für die Bedürfnisse und Nöte der dort Verantwortlichen zu entwickeln.

Ähnlich konstruktiv gab sich Thomas Rehn, Stellvertreter der Leitung der Lokalbaukommission, der Münchener Baugenehmigungsbehörde. Er konnte nicht bestreiten, dass es gerade für junge Architekten nicht immer einfach ist, in Genehmigungsverfahren alles zu beachten, was es zu beachten gilt – aber er machte das Angebot des Dialogs, in dem Ideen von Architekten gemeinsam mit der Behörde so entwickelt werden könnten, dass sie genehmigungsfähig sind. Thomas Amlong, von 2002 bis 2016 als Stadtrat in Fragen der Planens und Bauens aktiv und seit Januar 2017 Sprecher der Geschäftsführung und verantwortlich für die kaufmännischen Bereiche der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG, gestand ein, dass es das Vergaberecht schwer mache, gezielt junge Architekten einzubinden, da die Erfahrung als wichtiges Kriterium in das Verfahren einbezogen wird. Gegen Wettbewerbe spreche vor allem der Zeitfaktor. Als gerade erst neu im Amt Verantwortlicher nahm er sich aber vor, sich den offenen Blick zu bewahren und bei geeigneten Bauaufgaben jungen Architekten einen Vertrauensvorschuss zu geben. Jonas Merzbacher schließlich schlug vor, mehr Treffpunkte zu schaffen. So seien auf Veranstaltungen der Handwerkskammern in der Region, bei denen es um das Bauen geht, oft viele Bürgermeister anzutreffen – Architekten dagegen fast nie.

Christian Holl

Bauen mit jungen Architekten ist auch das Thema des aktuellen BDAtalk.

Fotos: Volker Derlath

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