Bespielbarerer Skulpturenpark in Wien eröffnet

Italy on my mind

Wer sich ernsthaft mit Kunst und ihrer Vermittlung beschäftigt, kommt an der Frage nicht vorbei, wie man das Thema einem breiten Publikum öffnet. Für andere Disziplinen – wie Architektur – gilt mithin das gleiche. Seit dem 6. April nun macht das Wiener Museumsquartier (MQ) Kunst und Architektur dem Publikum zugänglich. Der vom Wiener Architekten Daniel Sanwald konzipierter Skulpturenpark „MQ Amore“ unternimmt hier den Versuch, Architektur und Kunst als Schmuggelware „unters Volk“ zu bringen: Für die Dauer von zwei Jahren hat der gebürtige Freiburger eine Sammlung von Minigolfbahnen für den Wiener Museumsplatz erdacht. Titel und Sujet spielen dabei bewusst auf eine Zeit des Aufbruchs und der Hoffnung an.

Die erste genormte Minigolfanlage wurde im März 1954 am Lago Maggiore – jenem Sehnsuchtsort nordeuropäischer Ferienträume der Nachkriegszeit – nach Plänen des Schweizer Gartenarchitekten Paul Bongni eröffnet. „Wir können alles, wir fliegen überall hin und überhaupt alles ist möglich.“ So beschreibt Sanwald augenzwinkernd die Überzeugungen der beiden Nachkriegsdekaden, die für seinen Entwurf maßgeblich waren. In den verwendeten Materialien, wie in den sanft schwingenden Wellen, die sich in der Gestaltung der Bahnen und Bodenbeläge des Skulpturenparks wiederfinden, und nicht zuletzt im Titel scheint all das auf.

Es zeigt sich auch MQ-Direktor Christian Strasser begeistert: „‚MQ Amore‘ macht zeitgenössische Kunst aktiv erlebbar. Durch die Bespielbarkeit der Kunstwerke ergibt sich eine Auseinandersetzung mit den Arbeiten (…)“. Diese wurden in Zusammenarbeit mit den MQ-Institutionen Leopold Museum, Kunsthalle Wien, Architekturzentrum Wien sowie Q21 ausgewählt und von fünf Künstlerinnen und Künstlerkollektiven gestaltet. Je eine Institution konnte einen Künstler bestimmen, die übrigen Skulpturen wurden vom österreichisch-schweizerischen Künstlerduo „Bildstein | Glatz“ beigesteuert.

Die Wahl von Angelika Fitz, Direktorin des Architekturzentrums Wien AzW, fiel auf die Architekten heri&salli (siehe der architekt 4/13, S. 66-71). „Nur durch die aktive Teilnahme der Menschen kann eine gestalterische Idee zum Leben erweckt werden. Diese Haltung prägt die Arbeit der Architekten ‚heri&salli‘ und empfiehlt sie für dieses öffentliche Sommervergnügen“, so Fitz. Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museums nominierte das Architekturbüro feld72, deren Ansatz „(…) ein ganzheitlicher ist und sie gekonnt an der Schnittstelle von Kunst, Urbanistik und Architektur agieren.“ Anastasiya Yarovenko wurde vom Direktor der Kunsthalle Wien, Nicolaus Schafhausen, ausgewählt: „Yarovenkos ‚Checkpoint‘ dreht sich mal im Wind, mal durch den Anschlag des Balls. Nie ist dessen weiterer Weg berechenbar. So wie die Zukunft für viele, die eine Grenzstation durchqueren, ungewiss ist.“ Q21 und MQ schließlich wählten für eine Bahn das Künstlerduo PLOP aus – bestehend aus Bernd und Thomas Oppl –, deren  Arbeit sich mit den Themen Räume, Territorien, Barrieren und Begrenzungen beschäftigt.

Bildstein | Glatz, die für die anderen Bahnen verantwortlich zeichnen, greifen in „MQ Amore“ die Fortschrittsgläubigkeit der 1950er Jahre auf und wollen ihre Skulpturen als Modelle eines utopischen Futureparks verstanden wissen. Damit greift das Projekt nicht nur den damals omnipräsenten Technikoptimismus auf, sondern fragt auch nach dem Status der Utopie in unserer Zeit. Von April bis Oktober ist der bespielbare Skulpturenpark zwischen 10 und 20 Uhr – in den Sommermonaten bis 22 Uhr – geöffnet, ein Spiel kostet für Erwachsene vier, für Kinder bis zwölf Jahre 2,50 Euro.

David Kasparek

MQ Amore
MuseumsQuartier Wien
Museumsplatz 1/5
1070 Wien
Öffnungszeiten (April bis Oktober)
10.00 – 20.00 Uhr
10.00 – 22.00 Uhr (Sommer)
Preis pro Spiel: 4,– Euro (Kinder bis 12 Jahre: 2,50 Euro; Zehnerkarte: 30,– Euro)
Fotos: eSeL.at – Lorenz Seidler

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