Houston, we have a problem

Kraftvoll im Umbau

Powerhouse Kjørbo, Sandvika, Norwegen

Mit dem Jahresthema „Kulisse und Substanz“ nimmt der BDA sich 2019 den drängenden Fragen rund um die Themen Ökologie und Verantwortung an. Dabei steht die Diskussion im Vordergrund, welche Maßnahmen uns dabei helfen können, die Effekte des Klimawandels zu gestalten, und welche Eingriffe, Postulate oder Moden nur Kulisse bleiben. Im Dezember letzten Jahres hat der architekt gemeinsam mit dem BDA und dem Deutschen Architektur Zentrum DAZ den Call for Projects „Houston, we have a problem“ gestartet und um Einreichung solch substanzieller Beiträge gebeten. Bis Ende Januar 2019 sind rund 150 gebaute und gedachte Projekte zusammengekommen. Im Wochentakt stellen wir an dieser Stelle ausgewählte Beiträge vor.

Snøhetta, Powerhouse Kjørbo, Sandvika, Norwegen 2012–2014, Foto: Chris Aadland

Powerhouses – Kraftwerke, so heißen bereits mehrere Projekte des norwegisch-US-amerikanischen Architekturbüros Snøhetta: das Powerhouse Drøbak Montessori Secondary School, das Powerhouse Telemark, das Powerhouse at Brattørkaia und das Powerhoaus Kjørbo. Dahinter steht die Idee, dass ein Bauwerk während seiner Lebensdauer mehr Energie produziert, als für Bau, Renovierung, Herstellung der verwendeten Materialien, Gebäudebetrieb und im Bedarfsfall Rück- oder Abbau aufgewendet wurde.

Snøhetta, Powerhouse Kjørbo, Sandvika, Norwegen 2012–2014, Foto: Ketil Jacobsen

Besonders sinnfällig erscheint das Konzept beim Powerhouse Kjørbo, da hierbei zwei Bürogebäude aus dem Jahr 1980 umgebaut wurden und somit der Materialeinsatz verringert werden konnte. Die beiden Bürobauten mit einer Nutzfläche von 5.200 Quadratmetern, gelegen in der Nähe von Oslo im Ort Sandvika, bedurften dringend einer Sanierung, da die Wärmeverluste durch Fenster, Lüftung, Versickerung und Wärmebrücken sehr hoch waren. Bei der Ertüchtigung des Komplexes wurden zunächst die bestehenden Glasfassadenpaneele entfernt und für die Innenfassade wiederverwendet. An der Außenfassade wurde stattdessen eine Verkleidung aus verkohltem Holz gewählt, das durch eine japanische Bearbeitungstechnik mittels Feuer widerstandsfähiger und feuerfester gemacht wurde. Bei allen weiteren Maßnahmen legte man Wert auf eine möglichst niedrige Energie- und CO2-Bilanz.

Snøhetta, Powerhouse Kjørbo, Sandvika, Norwegen 2012–2014, Foto: Ketil Jacobsen

Ein weiterer Schritt war die Energieversorgung des Bauwerks, die über Solarmodule auf den Dächern mit einer Fläche von circa 1500 Quadratmetern gewährleistet wird. Hinzu kommt eine Wärmepumpenanlage, angeschlossen an zehn Erdwärmesonden, die etwa 200 Meter tief ins Erdreich vordringen und die Heizkörper sowie Zuluft und Brauchwasser erwärmen. Die Heizkörper sind dabei so an den Kernwänden der Gebäude angebracht, dass die Wärme innerhalb der Gebäude zirkulieren kann. Hierfür wird sichergestellt, dass die Innentüren der Büros geöffnet sind, wenn sie nicht genutzt werden. Über die Optimierung von Leitungen und Rohren werden Energieverluste zusätzlich reduziert.

Bei der Definition der Ziele des Powerhouse-Projekts zeigt sich wieder einmal die Komplexität des Faktorenbündels: In die Bilanzierung gehen sowohl die Herstellung der Materialien und deren Primärenergiebedarf als auch deren Treibhausgasemissionen sowie der Bauinstallationsprozess und das Ende der Nutzungsphase (also ein möglicher Abriss) ein. Die Erfüllung der Ziele wurde durch Messungen dokumentiert, die nun auch während des Betriebs des Hauses fortgesetzt werden.

Snøhetta, Powerhouse Kjørbo, Sandvika, Norwegen 2012–2014, Foto: Chris Aadland

Wie ein Blick in das Innere des Gebäudes zeigt, wurde bei all den energiebezogenen Maßnahmen die Ästhetik nicht vernachlässigt: Die großen Fenster sorgen für tageslichtdurchflutete Räume, können bei Bedarf aber auch verschattet werden. Naturfaserteppiche, Holzmöbel und -böden sorgen zusammen mit den weißen Paneelen – die nicht nur gestalterisch und als raumtrennende Elemente wirksam, sondern auch für bessere Akustik an den Decken angebracht sind – für eine helle und freundliche Atmosphäre. Die geschwungenen Formen der Innenraumgestaltung kulminieren dabei in einer gewendelten Metalltreppe, die an die eleganten Treppenhäuser der 1950er-Jahre erinnert. Zusammen mit der dunklen Holzfassade und ihren zeittypischen, abgerundeten Ecken eine interessante Form- und Materialmelange, die auch das gestalterische Potential des Umbaus zum Ausdruck bringt.
Elina Potratz

Powerhouse Kjørbo, Sandvika, Norwegen 2012–2014
Architekten: Snøhetta, Oslo
Auftraggeber: Entra property
Beratende Ingenieure: Asplan Viak
Status: realisiert

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