Zum Tod des Architekturkritikers Dieter Bartetzko

Rekonstruktion und Chanson

„Durch Ihre Ehrung fühlt sich auch der BDA geehrt.“ Das sagte der große Max Bächer in seiner Laudatio auf die beiden ex aequo mit dem BDA-Preis für Architekturkritik 2006 ausgezeichneten Journalisten Heinrich Wefing und Dieter Bartetzko. Gestern nun ist Dieter Bartetzko im Alter von 66 Jahren gestorben.

Bächer fuhr – unter Hinweis darauf, dass Bartetzko das Schlüsseljahr 1968 als 19-Jähriger durchaus bewusst erlebt hatte „und auch davon kontaminiert wurde“ – fort mit der Bemerkung, „im Unterschied zu den Nachfolgern hatte seine Generation noch andere politische und soziale Ziele als nur die eigene Karriere, was manchem seiner Artikel heute noch einen anarchistischen Hauch verleiht.“

Bartetzko begann sein publizistisches Wirken mit einer Arbeit über die Theatralik der NS-Architektur, und jüngst fiel er auf durch eine kleine Serie, in der er herausragende Einzelbauten des entstehenden Frankfurter Altstadtprojekts der Dom-Römer-Bebauung vorstellte und dabei das Rekonstruktionsvorhaben mit vorsichtigem Wohlwollen „erkundete“.

Dazwischen lagen lange Jahre der Berufstätigkeit als Architekturkritiker, zunächst freiberuflich für renommierte Zeitungen und Rundfunkanstalten, seit 1994 als fester Redakteur im Feuilleton der FAZ. Durch sein Werk zogen sich die zentralen Themen Denkmalschutz und Rekonstruktion. Daneben verblüffte Bartetzko die Architekturwelt immer wieder mit seinen ernsthaften Ausflügen ins „unernste Fach“ der Unterhaltung, des Schlagers und nicht zuletzt des „Tatorts“. Manchmal tanzte auch der Kongress  – wenn Dieter Bartetzko im Abendprogramm zum Mikrofon griff und Chansons vortrug. FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube überschrieb seinen fulminanten Nachruf jedenfalls mit „Wohnt ein Lied in allen Steinen“.

Benedikt Hotze

Foto: Bundesstiftung Baukultur/Till Budde

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