16 Stationen. Wanderungen im Remstal

Station 2+3: Mögglingen bis Böbingen an der Rems

Station 2: Mögglingen
Brandlhuber +, Berlin
Geokoordinaten: 48.834602, 9.941718

Brandlhuber + Emde, Mögglingen, Foto: Andreas Denk

Einen aktuellen Ortsbezug hat Arno Brandlhuber für seine Intervention in Mögglingen gefunden: Über mehrere Jahrzehnte rollte der Durchgangsverkehr der durch das Remstal führenden B 29 mit 30.000 Autos pro Tag durch den kleinen Ort. Der andauernde Protest der Mögglinger fand erst in den letzten Jahren Widerhall: Seit dem Frühjahr 2019 umgeht die Bundesstraße den Ort. Diesem Erfolg  hat der in Berlin arbeitende, politisch bewusste Architekt ein Denkmal gesetzt: Unter dem Motto „Freiheit für Mögglingen – B 29 raus“ erinnert eine konstruktivistisch verfremdete Freiheitsstatue auf hohem Sockel, die Brandlhuber in Erinnerung an den in der Nähe liegenden rätischen Limes als Verkörperung der römischen Freiheitsgöttin „Libertas“ interpretiert, an den mühevoll erkämpften Erfolg der Bürgerschaft. Der Standort der originellen Skulptur an einer Wegkreuzung zwischen Wald und Feld ist aus landschaftlicher Perspektive gut gewählt: ein schöner Ort. Wenn man aber weiß, dass die Mögglinger auf ihrer einstmals vom Schwerlastverkehr bebenden Hauptstraße Ende August ein großes Fest unter dem Motto „Eine Meile Freiheit“ gefeiert haben, wird erkennen, dass die Gemeinde mit der Wahl des Standorts des „Libertas“-Monuments am weit vom Ortszentrum entfernten Waldrand die große Chance auf ein nach innen und nach außen wirksames Zeichen ihres Selbstbehauptungswillens vertan hat.

Brandlhuber + Emde, Mögglingen, Foto: Andreas Denk

Station 3: Böbingen an der Rems
Staab Architekten, Berlin
Geokoordinaten: 48.814668, 9.920786

Die dritte Station findet sich im nur wenige Kilometer westlich von Mögglingen gelegenen Böbingen. Hier hat die Gemeinde mit Hilfe der Gartenschau eine Naherholungszone zwischen dem in die Rems mündenden Klotzbach und der Landstraße am Rande des Ortes ausgewiesen, der hauptsächlich aus Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern mit entsprechenden monotonen Strukturen besteht.

Volker Staab Architekten, Böbingen an der Rems, Foto: Andreas Denk

Volker Staab hat mit seinem Büro die Waldseite des Baches für ein gutes Konzept ausgewählt: Den Berliner Architekten schwebte ein durch Boden, Dach und die anstehenden Bäume gebildeter offener Pavillon vor, der sich am Bachufer wie ein „weißes Fenster“ in das Halbdunkel des Waldes öffnet und gleichzeitig den Ort des Baus durch den starken Kontrast aus dem Wald herauslöst.

Volker Staab Architekten, Böbingen an der Rems, Foto: Andreas Denk

Volker Staab Architekten, Böbingen an der Rems, Foto: Andreas Denk

Die Idee leidet an der Ausführung: Die weiß geplante Kiesschicht, die den Boden bedeckt, wirkt auch im Sonnenlicht eher gräulich, und die weiße Dachscheibe ist – wahrscheinlich wegen konstruktiver Notwendigkeiten – zu dick und wuchtig geworden. Die Aufhängung der Konstruktion an Stahlseilen und Manschetten, die um die zwischen Boden und Decke weiß gekalkten Bäume gelegt wurden, erscheint ebenfalls überdimensioniert. Die gut vorstellbare  Eleganz und visuelle Wirkung der hauptsächlich durch Farbe bewirkten Raumbildung wird durch den etwas schwerfälligen Gesamteindruck der Anlage erheblich beeinträchtigt.
Andreas Denk

Andreas Denk erforscht in seinem architektonischen Reisetagebuch die 16 „Stationen“ im Remstal und kommentiert die architektonischen Erzeugnisse, die die ungewöhnliche Gartenschau im Schwäbischen hervorgebracht hat. Die bisherigen Stationen finden sich hier:
Station 0: Im Remstal. Ein architektonisches Reisetagebuch
Station 1: Essingen

Remstal Gartenschau 2019
bis 20. Oktober 2019
Die meisten Gartenschauflächen sind zu jeder Zeit für die Gartenschau-Besucher geöffnet.
Weitere Informationen unter:
www.remstal.de

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