Workshop zum Nachlass von Max Bächer

Wer bestimmt die Architektur?

Das Center for Critical Studies in Architecture (CCSA) bittet bis zum 8. Oktober um die Einsendung von Themenvorschlägen zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des Werks von Max Bächer. Im Rahmen eines ersten Workshops vom 16. bis 17. Januar 2019 will sich der für das CCSA zusammengeschlossene Kreis aus Kunstgeschichtlichem Institut der Goethe-Universität Frankfurt (Carsten Ruhl, Stefanie Heraeus), dem Fachgebiet Architektur- und Kunstgeschichte des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt (Christiane Salge) und dem Deutschen Architekturmuseum (für das DAM Oliver Elser) zunächst einem Aspekt des Œuvres des 2011 verstorbenen Architekten widmen: seinem Wirken im bundesdeutschen Wettbewerbswesen.

Fokus soll dabei zunächst darauf liegen, Wissen zusammen zu tragen und nicht unbedingt darauf, „neues zu erfinden“, wie Oliver Elser vom DAM betont. Der Nachlass von Max Bächer liegt seit dem Tod des Architekten im DAM, wurde dort inzwischen inventarisiert und soll nun für die Forschung freigegeben werden. Und so rufen die Beteiligten für den Beginn der wissenschaftlichen Aufarbeitung bewusst junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf, sich mit Abstracts von maximal 2.000 Zeichen für einen rund 20-minütigen Vortrag zu bewerben. Ausgangspunkt ist dabei auch die Frage, wer eigentlich entscheidet, was gebaut wird? Denn kein anderer Architekt hat zwischen 1960 und 2010 häufiger an Wettbewerbsjurys teilgenommen als Max Bächer. Im Nachlass des „großen Vorsitzenden“, wie ihn einige Kollegen nannten, finden sich Unterlagen zu mehr als 400 Preisgerichten. Wie er dabei die Bundesrepublik geprägt hat und wie er sich zu Architekturtendenzen in dieser fünfzig Jahre umfassenden Zeitspanne verhalten hat, sind weitere Fragen, die der Nachlass aufwirft.

Max Bächer, Haus Windstosser, Stuttgart
1959

Doch nicht nur Wettbewerbsunterlagen lagern im DAM: Auch die Planunterlagen zum Gebauten Werk Bächers, das unter anderem das 2002 abgerissene brutalistische Ensemble am „Kleinen Schlossplatz“ in Stuttgart oder das 1959 errichtete Haus Windstosser umfasst, sind dort untergekommen. Auch als Hochschullehrer an der Universität Darmstadt wirkte Max Bächer auf Generationen von Architektinnen und Architekten, lockte die wichtigsten Architekturschaffenden seiner Zeit zu den Mittwochabend-Vorträgen an die damalige TH. Schließlich publizierte Bächer zudem Bücher und Artikel, war lange Jahre Redaktionsbeirat von der architekt und als unermüdlicher Briefeschreiber an etlichen Debatten seiner Zeit beteiligt.

Die Abstracts sind bis zum 8. Oktober per E-Mail auf Deutsch oder Englisch einzureichen, Konferenzsprache ist Deutsch. Die ausgewählten Teilnehmenden werden bis zum 31. Oktober benachrichtigt, für die Teilnahme am Workshop werden Fahrtkosten und Unterkunft gezahlt.

Red.

Wer bestimmt die Architektur? Netzwerke, Wettbewerbe und der öffentliche Diskurs
Workshop zum Nachlass von Max Bächer – Preisrichter, Architekt und Publizist (1925–2011)
Ansprechpartnerin:

Frederike Lausch
Fachgebiet Architektur- und Kunstgeschichte
Technische Universität Darmstadt
El-Lissitzky-Straße 1

64287 Darmstadt

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2 Gedanken zu „Wer bestimmt die Architektur?

  1. Das wird ja mit Gewissheit was ganz fundiertes werden, große Wissenschaft: In fünf (!) Tagen so nebenher (die meisten Angesprochenen sind ja nicht arbeitslos) mal schnell eine Inhaltsangabe eines Vortrags verfassen, dessen Materialien man noch nicht einmal gesichtet hat! Viel Glück mit den angebrüteten Eiern! Oder man hat das Zeug sowieso schon im Schubfach – aber wie, wenn das alles im D.A.M. liegt? Nichts für ungut: Der Termin wird sich schwer halten lassen, wenn man Qualität statt Geschwindigkeit haben will… (Ich kannte Max Bächer noch persönlich und habe ein Interesse daran, dass Ihr ehrenwertes Vorhaben nicht an der Oberfläche versandet.)

    • Sehr geehrter Herr Schmidt,
      ich bin Kurator im DAM und betreue dort die Aktivitäten rund um den Bächer-Workshop. Ich denke, dass vielleicht ein Missverständnis vorliegt: Der Aufruf zur Einreichung von Vortragsvorschlägen soll keineswegs dazu stimulieren, irgendetwas zu Bächer über’s Knie zu brechen. Weder binnen fünf Tagen, noch bis Januar. Stattdessen ermuntern wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die derzeit über ähnliche Fragen arbeiten, wie sie der Nachlass Bächers aufwirft, dazu, ihre Arbeit vorzustellen und somit Brücken zwischen verwandten Gebieten zu schlagen. Wir möchten das Feld derjenigen erschließen, die gegenwärtig im Bereich Wettbewerbswesen, Netzwerke oder auch zum Epochenwechsel zur Postmoderne forschend tätig sind. Die Arbeit am Bächer-Nachlass soll ja durch unsere Veranstaltung am 16./17.1. nicht abgeschlossen, sondern im Gegenteil überhaupt erst gestartet werden. Ich hoffe, dass dies auch genauso aus unserem Projektaufruf hervorgeht. Dieser war allerdings nicht als Anhang / Originaldokument auf der Seite von „der architekt“ verlinkt. Wir hatten ihn am 9. September 2018 auf der Mailingliste ArtHist veröffentlicht, einem renommierten Medium für die „Scientific Community“:
      https://arthist.net/archive/18804
      Sie sind herzlich eingeladen, am 16./17.1. nach Darmstadt zu kommen und auch dazu, in der weiteren Folge am Bächer-Nachlass im DAM zu arbeiten.
      Für alle weiteren Fragen stehe ich Ihnen gerne auch persönlich zur Verfügung.
      Mit herzlichen Grüßen
      Oliver Elser

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