Fußgänger- und Radfahrerverbindung über den Rhein

Brückenschlag

Brücken haben Macht: Sie verbinden und sie können trennen, wenn sie nicht passierbar sind. Sie ermöglichen Aussichten und zerstören sie und können gar die Stadtgesellschaft entzweien. Genannt sei nur die als „Dresdner Brückenstreit“ in die Geschichte eingegangene Posse um die Waldschlösschenbrücke und die europaweit einzigartige Aberkennung des Welterbetitels durch die UNESCO kurze Zeit später. Eine Brücke zu bauen kann also durchaus politisch sein.

Eine Brücke mit weniger diskursiver Sprengkraft aber symbolischer Bedeutung entsteht in Süddeutschland. Sie verbindet über Ländergrenzen hinweg: Zwischen den Gemeinden Rheinfelden Aargau (CH) und Rheinfelden Baden (DE) wird der „Rheinsteg Rheinfelden“ errichtet, der eine historische Eisenbrücke ersetzt. Den Ingenieurwettbewerb gewann ein besonders filigranes, feingliedriges Projekt des Ingenieurbüros Miebach (Lohmar) in Zusammenarbeit mit der Berliner Landschaftsarchitektin Inga Hahn sowie dem Berliner Architekten Joachim Swillus.

Die circa 213 Meter lange und 4,50 Meter breite Hängebrücke für Fußgänger und Radfahrer mit symmetrisch angeordneten Pylonen fügt sich elegant in die Landschaft ein. Glaubt man den Renderings, ist der Brückensteg von Fern beinahe unsichtbar. Der Überbau ist in blockverleimten Brettschichtholzträgern ausgeführt, darüber befindet sich ein Belag aus sandgestrahlten Granitplatten. Besonders prägnant sind die Pylone gestaltet: Die Stahlkonstruktion beschreibt einen Knick nach innen, laut Entwerfer sind sie eine Referenz an einen übers Wasser hängenden Baum. Zusammen mit den Tragseilen, die eine parabolische Form beschreiben, ergibt die Brücke einen eleganten Schwung über den Rhein. Die Brückensymmetrie soll gleichzeitig Metapher für die Verbundenheit der beiden Gemeinden sein: „Eine symmetrische Konstruktion eingebettet in ein asymmetrisches Flussprofil berücksichtigt die länderübergreifende Gleichberechtigung der Schwesterstädte Rheinfelden“, sagt Frank Miebach. Damit die Brücke nicht nur zum Queren, sondern auch zum Verweilen einlädt, wurden an den beiden Brückenköpfen platzartige Aufweitungen geschaffen.

Die Vorgeschichte ist allerdings auch hier nicht frei von Debatten, denn zwischen 2003 und 2012 musste ein altes, repräsentatives Wasserkraftwerk der Jahrhundertwende weichen, da es nicht leistungsstark genug war. Es wurde zugunsten eines naturnahen Umgehungsgewässers im ehemaligen Zulaufkanal rückgebaut. Das alte Kraftwerk Rheinfelden war kurz vor dem Rückbau noch als technisches Kulturdenkmal geprüft worden.

Juliane Richter

Rheinsteg Rheinfelden, Ingenieurwettbewerb, 1. Preis: Ingenieurbüro Miebach (Frank Miebach), Projektbeteiligte: HHVH Landschaftsarchitekten, Berlin, Swilus Architekten, Berlin, Auslober: Stadt Rheinfelden Aargau (Schweiz); Stadt Rheinfelden Baden (Deutschland)

Abb.: Rendermanufaktur, Ingenieurbüro Miebach

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