BDA-Architekturpreis Nike verliehen

Applaus für Poing

Große Nike: Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer, Poing, Foto: Florian Holzherr

Alle drei Jahre vergibt der BDA seinen Architekturpreis Nike, benannt nach der meist geflügelt dargestellten griechischen Siegesgöttin. Mit der Auszeichnung werden gleichermaßen Architekten wie Bauherren für vorbildliche Beiträge zu Architektur und Städtebau in den Kategorien „Große Nike“, „Klassik Nike“, sowie Atmosphäre, Symbolik, Fügung, soziales Engagement, Komposition und Neuerung gewürdigt. Die Entscheidungen der Jury – BDA-Präsident Heiner Farwick (farwick + grote, Ahaus / Dortmund), Dietmar Eberle (Baumschlager Eberle Architekten, Lustenau), Katharina Leuschner (Studio Leuschner, München), Gerhard Matzig (Süddeutsche Zeitung, München, Träger BDA-Preis für Architekturkritik 2018), BDA-Präsidiumsmitglied Susanne Wartzeck (Sturm und Wartzeck Architekten, Dipperz) und Wolfgang Eckl (Bürgermeister der Stadt Blaibach und Preisträger der Großen Nike 2016) – wurden im Rahmen des 15. BDA-Tags am 25. Mai im Großen Festsaal des Volksparks in Halle an der Saale feierlich verkündet.

Große Nike: Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer, Poing, Foto: Florian Holzherr

Der höchstrangige Preis, die Große Nike, ging in diesem Jahr an das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing von meck architekten, in Auftrag gegeben vom Erzbischöflichen Ordinariat in München. Laut Jurybegründung zeigt der Bau auf beispielhafte Weise, wie sich „unterschiedliche Zeitschichten und Bedeutungsebenen in einer holistischen, ganzheitlich wirksamen Raumfigur überzeugend verbinden und suggestiv überhöhen lassen“. Der 2011 bis 2018 errichtete Kirchenbau, der an der Schnittstelle zwischen dem alten Ortskern der Gemeinde Poing und dem neuen Zentrum stadträumlich vermittelt, schaffe nicht nur eine einladende und klare Platzsituation, sondern sorge durch sein „expressives Dachfaltwerk weithin sichtbar für räumliche Präsenz.“ Im Inneren des Baus lobt die Jury insbesondere die Lichtführung: die drei unterschiedlich ausgerichteten Lichtöffnungen bildeten nicht nur differenziert belichtete Zonen, sondern schüfen einen „Raum der Transzendenz“.

Klassik Nike: Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Berlin, Foto: Katharina Dorn / publicon Berlin

Den Sonderpreis des BDA, die Klassik Nike, für ein Bauwerk nach 1945, das sich „über mindestens drei Jahrzehnte bewährt hat“ und immer noch vorbildhaft wirkt, wurde ebenfalls an einen Sakralbau verliehen: die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin, gebaut 1959 bis 1963 von Egon Eiermann. Die vier solitären Neubauten um die Ruine der Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche gehören laut Meinung der Jury durch ihre „hohe gestalterische Qualität“ und die „fast magische Lichtführung zu den stärksten Kirchenbauten der Nachkriegszeit“.

Nike für Atmosphäre: Wehrhahn-Linie, Foto:
Jörg Hempel
Kunst am Bau: Ursula Damm
© 2016 by Jörg Hempel; www.joerg-hempel-co

Die Nike für Atmosphäre, der Preis für ein „Bauwerk, das durch Gestalt und Anmutung, durch Licht und Raum, durch Material und Farbe einen besonderen atmosphärischen Eindruck erreicht“, erhielt die 2011 bis 2016 gebaute Wehrhahnlinie, die Stammstrecke der Düsseldorfer Stadtbahn. Den Preis nahmen die Entwerfer, das Darmstädter Büro netzwerkarchitekten und die Bauherrschaft, das Amt für Verkehrsmanagement der Landeshauptstadt Düsseldorf, entgegen. Die U-Bahnlinie biete „dem unbehausten Transit die Stirn in Form einer ambitionierten Architektur“ und sei dabei durch die Auswahl von Materialien, Lichtführung und räumlicher Komposition „das genaue Gegenteil dessen, was man üblicherweise mit dem U-Bahn-Fahren assoziiert“.

Nike für Symbolik: Elbphilharmonie, Hamburg, Foto: Iwan Baan

Auch die zu den aufwendigsten Bauwerken der jüngeren deutschen Geschichte zählende Elbphilharmonie wurde vom BDA mit einer Auszeichnung gewürdigt: Der 110 Meter messende Bau, entworfen von Herzog & de Meuron für die Freie und Hansestadt Hamburg, vertreten durch die Behörde für Kultur und Medien, erhielt die Nike für Symbolik. Dabei weist die Jury auf die Kühnheit der Lösung hin, den denkmalgeschützten Kaispeicher A von Werner Kallmorgen neu nutzbar zu machen: „Der kristalline, voll verglaste und expressive, oft als Hafen- und Segelmotiv interpretierte Aufbau“ kröne „mit nahezu musikalischer Leichtigkeit den schweren Backsteinsockel des Speichers“. Die 2017 vollendete Elbphilharmonie stehe „zeichenhaft für Hamburg, den Hafen, die Musik, die Architektur, die Bürgerschaft und die Innovation“.

Nike für Fügung: Bremer Landesbank, Foto: Hélène Binet

Mit der Nike für Fügung wird ein Bauwerk prämiert, „bei dem Material, Form und Konstruktion besonders wirkungsvoll zu einer Einheit gefügt werden“ – diesjähriger Preisträger in dieser Kategorie ist die zwischen 2011 und 2016 errichtete Bremer Landesbank aus der Feder von Caruso St. John Architects aus Zürich, in Auftrag gegeben durch die NORD / LB Norddeutsche Landesbank, vertreten durch NORD / FM Norddeutsche Facilitymanagement. Die materiell und skulptural ausdrucksstarke Fassade aus dunklen Klinkern sorge hier für eine „fast archaische Bodenständigkeit, die sowohl mit den umgebenden mittelalterlichen Bauformen als auch mit der ortstypischen Weser-Renaissance in Dialog“ trete. Die Architektur gehe jedoch über das bloße Zitat ortstypischer Versatzstücke hinaus und erweitere den Ort „mit einer substantiellen eigenständigen Lösung“.

Nike für Komposition: Mediathek Kunsthochschule Burg Giebichennstein, Halle, Foto: Werner Huthmacher

Auch ein Projekt in Halle, dem Ort der Preisverleihung, wurde in diesem Jahr ausgezeichnet: Die Mediathek der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, fertiggestellt im Jahr 2015, erhielt die Nike für Komposition. Der Bau von F29 Architekten aus Dresden und dem Leipziger Büro ZILA Freie Architekten sowie dem Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt als Bauherr schaffe laut Jury-Statement städtebaulich eine „großzügige Platzsituation, durch die der Standort überhaupt erst zum ‚Campus‘“ werde. Durch die Verlagerung eines Teils der Funktionen in ein Untergeschoss, gehe das reduzierte oberirdische Bauvolumen auf die bestehende, historische Bebauung ein und sei „ gleichzeitig, durch seinen eigenen architektonischen Ausdruck ortsprägend“.

Architektur: Florian Nagler Architekten

Die Nike für Neuerung wurde an die Parkplatzüberbauung am Dantebad, die Gewofag als Bauherrin und Florian Nagler Architekten aus München verliehen. Die 2016 vollendete Wohnbebauung wurde über einem Areal, das zuvor lediglich als Parkplatz genutzt worden war, aufgeständert und habe laut den Juroren somit den Ort unter Erhaltung der Flächen für Autos „auf ansehnliche, ja einladend markante und selbstbewusste Weise umgewidmet“. Die Mischform aus „Park- und Wohnraum“ zeige „auf innovative Weise, wie sich der urbane Raum in Zukunft neu und besser organisieren lässt“.

Nike für soziales Engagement: Schule in Dettmannsdorf, Foto: Andrew Alberts

Den Preis für ein Gebäude, das „gesellschaftliche Entwicklungen sensibel reflektiert und signifikante, auch experimentelle Lösungsansätze erprobt“ – die Nike für soziales Engagement – konnte dieses Mal die Schule in Dettmannsdorf für sich entscheiden, gebaut 2015 bis 2017 nach Plänen von mrschmidt Architekten aus Berlin und in Auftrag gegeben durch den Schulförderverein Dettmannsdorf. Der durch eine private Initiative ermöglichte Neubau einer Schulerweiterung steht mit seinen Gemeinschaftsräumen nicht nur der Dorfgemeinschaft und als Jugendwanderquertier zu Verfügung, sondern stelle laut Votum der Jury auch architektonisch die Gemeinschaft in den Fokus. Besonders das kompakte Raumgefüge, das im Obergeschoss auf Erschließungsräume verzichtet, sieht die Jury als gelungen an: Mit der „neuartigen Enfilade-Typologie“ sei ein „höchst effizienter Baukörper entstanden“. Eine „Reduktion auf das Elementare und ein hoher Grad an Abstraktion“ lasse eine Aneignung durch Lehrer und Schüler zu.

Red.

 

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